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Rohstoffbranche
VW-Krise schickt Schockwellen bis nach Afrika

Der Abgasskandal bei Volkswagen strahlt auf die Weltwirtschaft ab. Der Preis für Platin, das in Diesel-Katalysatoren verwendet wird, fährt Achterbahn. Die Produzenten in Südafrika stehen mit dem Rücken zur Wand.

Kapstadt/DüsseldorfDer Volkswagen-Skandal um vorsätzlich umgangene Abgasvorschriften bei Diesel-Fahrzeugen zieht Kreise bis nach Afrika. Nachhaltig beeinflussen die Ereignisse die Rohstoffmärkte, speziell die Preise von Platin und Palladium. Beide Edelmetalle werden für Autokatalysatoren benötigt. Für die ohnehin gebeutelten Förderer ist das ein weiterer Rückschlag.

„Es ist nicht die beste Zeit für Platinproduzenten“, räumt Gabor Vogel, Rohstoffexperte der DZ Bank, ein. Er rechnet damit, dass Platin auch weiterunter der VW-Abgaskrise leiden wird. Platin sei eben für Katalysatoren in Dieselfahrzeugen sehr wichtig. Doch die Technologie sei durch die Ereignisse rund um VW stark in die Kritik geraten.

Der Diesel-Skandal bereitet zahlreichen Branchen Probleme. Dem Zulieferer Schäffler etwa verhagelte die Affäre den Börsengang. Die Metallhändler, die nach Angaben des Branchenverbands 20 Prozent des Umsatzes direkt oder indirekt mit VW machen, bereiten sich auf einen Einbruch der Bestellungen vor. Sogar Fußballklubs wie der VfL Wolfsburg oder der FC Ingolstadt fürchten, dass der Autobauer seine Sponsoringausgaben drosseln könnte.

Direkt nach Bekanntwerden der Manipulationen im Wolfsburger Konzern war der ohnehin unter Druck stehende Platinpreis Anfang Oktober zeitweise auf fast 800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gefallen und damit auf den tiefsten Stand in über sechs Jahren. Das hat die Aktienkurse der großen südafrikanischen Produzenten Anglo American (Angloplat) und Impala Platinum, die weltweit insgesamt rund zwei Drittel allen Platins fördern, zeitgleich mit nach unten gerissen. Die Papiere markierten ebenfalls mehrjährige Tiefstände. Besonders stark getroffen hat es Lonmin. Der weltweit drittgrößte Förderer des Edelmetalls notiert zurzeit um fast 75 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn.

Inzwischen haben sich die Aktienkurse der Platinproduzenten leicht erholt, genau wie die Metallpreise. Wie nachhaltig diese Erholung ist, wird sich aber erst noch erweisen müssen. „Der Markt ist vorsichtig und reagiert auf kleinste Veränderungen der Nachrichtenlage“, heißt es beim Hanauer Technologie- und Edelmetallkonzern Heraeus. „Der Emissions-Skandal sowie das daraus resultierende fehlende Vertrauen in Dieselfahrzeuge gehörten auch in der vergangenen Berichtsperiode unverändert zu den Topthemen“, schreiben die Experten in ihrem Marktbericht.

Praktisch unersetzlich ist Platin in Dieselmotoren, da diese wegen ihrer Verbrennungstemperaturen einen besonders „edlen“ Katalysator brauchen. Als einziger Ersatzstoff käme hier Palladium in Betracht. Doch in einem Dieselmotor wäre zwei bis drei Mal so viel Palladium wie Platin notwendig. Aus diesem Grund wird Palladium fast nur für Benzinmotoren mit höherer Temperatur verwendet.
In Europa waren im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der zugelassenen Autos Dieselfahrzeuge. Kein Wunder also, dass die Abgaskrise auf den Preis von Platin durchschlägt. Laut Statista waren die beliebtesten Marken für Dieselautos neben Volkswagen die Marken BMW und Audi.

Der VW-Abgasskandal trifft entsprechend stark die Platinproduzenten in Südafrika, dem größten Förderland der Welt. Lange hatten sie darauf gehofft, dass die in Europa beliebten Dieselfahrzeuge sich mittelfristig auch in Asien und den USA durchsetzen werden. Diese Hoffnung scheint nun erst einmal dahin. Dabei war der Platingehalt in den Katalysatoren bislang wegen der angeblich höheren Effizienz zuletzt immer weiter gesunken. Pro Katalysator werden etwa sechs Gramm Platin benötigt. Immerhin blieben alle Substitutionsbemühungen bislang erfolglos.

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