Energie

Rosneft-Privatisierung
Russischer Ölgigant auf Brautschau in Asien

Die russische Regierung will Anteile an Ölgigant Rosneft verkaufen. Der Käufer soll aus Asien kommen, bevorzugt aus China oder Indien, und muss mindestens zehn Milliarden Euro für knapp 20 Prozent der Anteile mitbringen.

MoskauEs kommt Bewegung in die Privatisierungspläne der russischen Regierung: Bis Jahresende will Moskau für die Rekordsumme von mindestens zehn Milliarden Euro ein Aktienpaket am Ölgiganten Rosneft an mehrere strategische Investoren veräußern.

Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew nannte auf dem Internationalen Petersburger Wirtschaftsforum die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Abschlusses „ziemlich hoch“. Die Agentur Bloomberg will erfahren haben, dass die potenziellen Käufer eines Pakets über 19,5 Prozent der Rosneft-Aktien in Indien und China sitzen.

Aus strategischer Sicht würde das Geschäft durchaus Sinn machen: Russland strebt seit längerer Zeit die Eroberung des asiatischen Markts an, speziell die energiehungrigen aufstrebenden Großmächte China und Indien kämen da zupass. Zumal die Beziehungen nach Peking und New Delhi völlig intakt sind – im Gegensatz zu Moskaus Verhältnis gegenüber dem Westen.

Beide Länder haben zudem mehrfach ihr Interesse an einer verstärkten Kooperation im Energiesektor mit Russland bekundet. Die staatliche chinesische Ölgesellschaft CNPC ist sogar schon Aktionär bei Rosneft – auch wenn der Anteil mit einem Prozent deutlich niedriger ist als der von BP (19 Prozent).

Darüber hinaus ist Rosneft über ein langjähriges Lieferabkommen an das Reich der Mitte gebunden: Bis 2038 soll der Konzern 360 Millionen Tonnen Öl liefern – vorfinanziert über chinesische Kredite. Auch mit Indien gibt es bereits Verknüpfungen: Vor wenigen Tagen erst hat sich ein indisches Konsortium, bestehend aus Oil India, Indian Oil, Bharat Petro Ressources und OGNC Videsh mit fast 40 Prozent bei der Rosneft-Lagerstätte Wankor in Sibirien eingekauft.

Indiens Ölminister Dharmendra Pradhan betonte jüngst beim Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg, dass sich Indien nicht als Konkurrent Chinas verstehe und er sich auch gemeinsame Projekte vorstellen könne. Ein gemeinsamer Einstieg bei Rosneft könnte gut in dieses Schema passen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow dementierte allerdings, dass die russische Führung schon eine Entscheidung getroffen habe. Politische Vorlieben gebe es nicht, verschiedene Varianten würden diskutiert, sagte er. „Es gibt eine Balance zwischen der Zweckmäßigkeit der künftigen Zusammensetzung der Aktionäre und den Preisparametern, also den Einnahmen, die Russland von der Privatisierung erhält“, fügte Peskow hinzu.

Was die Zweckmäßigkeit betrifft, wäre der Einstieg von Indern und Chinesen für Rosneft und den Kreml optimal. Russland behält mit dem Verkauf des Pakets nicht nur weiterhin die Kontrollmehrheit über den aus dem Yukos-Erbe hervorgegangenen Rosneft-Konzern, sondern schließt auch aus, dass ein Teilhaber sich eine Sperrminorität sichert.

Da Rosneft von westlichen Sanktionen betroffen ist – es gibt Restriktionen bei der Erschließung der Vorräte auf dem Schelf – gibt es laut Raiffeisenbank-Analyst Andrej Polischtschuk neben China und Indien auch keine realen Bewerber für das Paket. Für Rosneft könnte die Beteiligung den Vorteil bieten, über seine neuen Partner an die notwendigen Technologien für die Erschließung von Küstenlagerstätten zu kommen.

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