Energie

RWE beginnt Rodung
Kampf um den Hambacher Forst

In einem Waldstück im Rheinland wird der Kampf um die Braunkohle ausgetragen: RWE hat Rodungsarbeiten begonnen, Umweltaktivisten versuchen sie zu blockieren. Dabei gehen sie nach Angaben der Polizei auch zu weit.
  • 1

DüsseldorfDer Hambacher Forst ist ein Waldstück im Rheinland. Er liegt unweit der Stadt Düren – vor allem aber grenzt er unmittelbar an den Braunkohletagebau Hambach. Für Umweltschützer hat der Forst deshalb eine hohe Symbolkraft im Kampf gegen die Braunkohle und für den Klimaschutz. Seit Jahren besetzen Aktivisten einen Teil des Waldes, leben in Zelten und Baumhäusern und versuchen so den Ausbau des Tagebaus zu verhindern.

Seit Montag eskaliert der Streit. Der Energiekonzern RWE hat die Rodung wieder aufgenommen. Die Umweltaktivisten versuchen die Arbeiten zu blockieren. Nach Angaben der zuständigen Polizei in Aachen gehen sie dabei aber auch gewaltsam vor: Gegen Mittag hätten rund 50 Personen aus dem Wald heraus über die Landstraße L 276 versucht, „in den Rodungsbereich vorzudringen“, hieß es in der Erklärung der Polizei. „In diesem Zusammenhang kam es auch zu Steinwürfen gegen Polizeibeamte und RWE-Mitarbeiter. Ein Einsatzfahrzeug wurde hierbei beschädigt.“ Daraufhin setzte die Polizei nach eigenen Angaben Pfefferspray ein, was wiederum die Umweltaktivisten kritisieren.

Erst am vergangenen Freitag hatte sich das Verwaltungsgericht in Köln mit dem Streit um den Hambacher Forst beschäftigt und eine Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in erster Instanz abgewiesen. Der BUND wollte mit der Klage die Rodungen verhindern. Der BUND will zwar in der nächsten Instanz klagen und stellte nach eigenen Angaben zudem direkt nach der Gerichtsentscheidung beim Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) einen Antrag, um die Rodungen vorerst zu verhindern. RWE hatte aber angekündigt, mit den Rodungen „zeitnah“ zu beginnen.

Der Vorsitzende Richter Holger Mauerer hatte zuvor versucht, mit einem Kompromissvorschlag den Konflikt beizulegen - auch weil derzeit in der Politik über einen früheren Kohleausstieg debattiert wird. Er hatte vorgeschlagen, dass RWE zwar weiter baggern darf, die Abbaugrenzen aber verschieben soll, um den Wald zu verschonen. RWE und das beklagte Land Nordrhein-Westfalen lehnten den Vorschlag mit der Begründung ab, dass dies technisch nicht machbar sei.

Der Richter bedauerte dies zwar, hielt die Klage des BUND aber für unbegründet. Die Umweltschutzorganisation hatte unter anderem damit argumentiert, dass der Hambacher Forst besonders schützenswert sei. Das sah der Richter am Verwaltungsgericht nicht so.

RWE nahm trotz Protest der Umweltschützern nun am Montag die Arbeiten auf. Nach Angaben der Polizei konnten „drei Störer“ kurzfristig „die Polizeikette durchbrechen“. Sie hätten aber einen Platzverweis erhalten und die Rodungsarbeiten seien „nach kurzer Unterbrechung fortgeführt“ worden.

Die Aktivisten hatten auch auf der Landstraße Barrikaden errichtet, die die Polizei aber ebenfalls beseitigte. Zudem stellte die Polizei „vorgefertigte Nagelbretter“ sicher, die mit Seilen über die Fahrbahn bezogen werden sollten.

Die Aachener Polizei hatte im Vorfeld erklärt, sie schätze die Waldbesetzer-Szene auf rund 200, zum Teil gewaltbereiten Demonstranten aus der linksautonomen Szene ein. Ende Oktober hatten gut 2000 Umweltschützern am Rande der Weltklimakonferenz in Bonn im rheinischen Revier – zum größten Teil friedlich – gegen den Braunkohletagenbau demonstriert.

In Berlin wurde zudem während der Verhandlungen um eine Jamaika-Koalition um einen vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle gestritten. Das Thema dürfte auch bei Gesprächen über eine große Koalition auf die Tagesordnung kommen.

Kommentare zu " RWE beginnt Rodung: Kampf um den Hambacher Forst"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn man ein halbes Jahrhundert fanatisch gegen die eigentlich umweltfreundlichste Energiequelle, die Kernkraft, demonstriert, dann ist es direkt Heuchelei als nächstes gegen Kohle zu demonstrieren. Ohne die ständige Panikmache vor eigentlich winzigen Strahlen-Gesundheitsauswirkungen hätten wir längst alle Kohlekraftwerke mit AKW ersetzen können und die Braunkohle könnte tatsächlich im Boden bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%