Energie

RWE-Hauptversammlung
Der Kampf um die Braunkohle

In Berlin tobt derzeit der Kampf um die Braunkohle. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel plant eine Klimaabgabe. Beim Energieerzeuger RWE bestimmt der Streit den Auftakt der Hauptversammlung.
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EssenFür die Aktionäre von RWE ist es ein gewohntes Bild: Wenn sie im Frühjahr zur Hauptversammlung in die Essener Grugahalle kommen, müssen sie traditionell an Demonstranten und Polizisten vorbei. Früher skandierten ihn die Aktivisten „Atomkraft? Nein, danke“ entgegen. Nachdem dieser Kampf gewonnen ist, haben Greenpeace & Co. längst ein neues Feindbild ausgemacht: die Braunkohle. Schließlich ist RWE Deutschlands der größte Förderer des klimaschädlichen Energieträgers und der größte Braunkohlestromproduzent.

Am Donnerstag haben sich nicht viele Aktivisten vor der Halle positioniert. Sie haben aber etwas Eindrucksvolles mitgebracht: Ein großes, aufgeblasenes Modell einer Baggerschaufel mit fünf Meter Durchmesser – und eine eindeutige Botschaft: „Stoppt die Kohlebagger – und Klimakiller“.

Und auch RWE-Chef Peter Terium stellte das Thema Braunkohle gleich zu Beginn seiner Rede. „Ihre RWE steckt in der Krise“, sagte er vor den Anteilseignern. Das sei nicht neu. „Doch nun hat die Krise eine neue Dimension erreicht.“ Das liege an den jüngsten Plänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der einen „Klimabeitrag“ für konventionelle Kraftwerke einführen wolle. Damit gehe es an die „Substanz“: „Die Abgabe würde nämlich das sofortige Aus für einen Großteil der Braunkohletagebaue und Braunkohlekraftwerke bedeuten“, sagte Terium, „aber wir geben nicht auf. Wir kämpfen weiter.“

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte im März die Energiebranche mit seinen Plänen für einen solchen Klimabeitrag überrascht. Dem Entwurf zufolge soll das Ziel der Bundesregierung, die jährliche Emission des klimaschädlichen CO2 um zusätzliche 22 Millionen Tonnen zu drücken, ausschließlich alten Kraftwerken aufgebürdet werden. Es sollen Anlagen herangezogen werden, die im Jahr 2020 älter sind als 20 Jahre. Diese sollen nur eine kleine Freigrenze für die CO2-Emission bekommen – und für jede Tonne, die sie zusätzlich ausstoßen, mit einer Strafzahlung belegt werden. Von der Regelung wären vor allem Braunkohlekraftwerke betroffen.

Seitdem läuft RWE Sturm und wird unter anderem von der Gewerkschaft IGBCE massiv unterstützt. Am Samstag wollen die Braunkohle-Befürworter in Berlin gegen die Pläne demonstrieren. Gleichzeitig wollen aber auch die Gegner ihre Macht demonstrieren. Mit einer Menschenkette im rheinischen Revier.

Dass die Belastung für RWE kaum noch zu tragen sei – daran ließ Terium vor den Aktionären Zweifel. Er bat zu Beginn seinen kompletten Vorstand mit auf die Bühne, um zusammen mit Vize Rolf Martin Schmitz, Finanzvorstand Bernhard Günther und Personalvorstand Uwe Tigges den Ernst der Lage zu schildern: „Im Zuge des Ausbaus der erneuerbaren Energien verdienen unsere Gas- und Kohlekraftwerke zu wenig Geld. Ein Teil unserer Kraftwerke ist nicht mehr wirtschaftlich“, sagte Terium.

Die großen Kraftwerke von RWE leiden tatsächlich unter dem Boom von Wind- und Solarenergie. Weil deren Strom den Markt flutet und vorrangig ins Netz eingespeist wird, sind die Preise im Stromgroßhandel in den vergangenen drei Jahren um zwanzig Euro auf nur noch knapp über 30 Euro gesunken. Im vergangenen Jahr hat RWE in der konventionellen Stromerzeugung gerade noch eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce) von 5,2 Prozent eingespielt, gegenüber 6,8 Prozent im Vorjahr. Das reichte bei weitem nicht, um die Kapitalkosten von 9,5 Prozent zu decken. Das Betriebsergebnis des Konzerns sank um ein Viertel auf vier Milliarden Euro.

Kommentare zu " RWE-Hauptversammlung: Der Kampf um die Braunkohle"

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  • http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Kernenergie/China-baut-aktuell-31-neue-Kernkraftwerke

    China geht im Klimaschutz ganz andere Wege als Deutschland.....

  • Die beste Vermeidung von CO2 ist ein ausgewogener Kraftwerkspark aus Kohle, Gas und vor allen der Kernkraft. Aber das Grün Ideologische Deutsche Volk/Politik/Medien wollen aus der sicheren, zuverlässigen und CO2 armen Kernkraft lieber aussteigen. Weltweit wird dagegen die Kernkraft ausgebaut und führt dazu, dass andere Länder "Grüner" und "schonender" mit ihrer Natur/Umwelt umgehen. Zum Wohl Aller! Danke dafür!

  • Klima -Abgabe ??

    Yaa, endlich sehen wir, warum man uns hinsichtlich Weltklima-Kyklen belügt. Es geht (auch dem Bund) nur ums Geld.

    Etwas später werden wir auch noch dafür zahlen müssen, weil die Sonne untergeht. Oder warum im Herbst die Blätter abfallen.

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