Energie

RWE streicht Dividende
Kommunen sauer auf Terium – „eine Unverschämtheit“

Die Kämmerer der Kommunen im Ruhrgebiet poltern, weil RWE die Dividende fast komplett streichen will. An der Börse bricht der Kurs des Energiekonzerns ein. Wie will Vorstandschef Terium das Vertrauen wieder herstellen?

EssenEssens Kämmerer Lars Martin Klieve fiel am Mittwochmorgen aus allen Wolken. „Keine Dividende - das ist mir völlig neu“, sagte er. Sein Kollege Guntram Pehlke, Stadtwerke-Chef in Dortmund und als solcher ebenfalls RWE-Großaktionär, schimpfte: „Unverschämtheit, das hätte man nicht entscheiden dürfen, ohne den Aufsichtsrat einzubinden.“ Das Kontrollgremium tagt erst in gut zwei Wochen.

RWE-Chef Peter Terium hat mit seinem neuen Sparvorschlag - einer fast kompletten Dividendenkappung plus weiteren Milliarden-Abschreibungen - viele Anteilseigner überrascht und geschockt. Der Kurs der Aktie fiel bis zum Mittag um mehr als 12 Prozent.

Viele Kommunen, mit fast einem Viertel wichtigste RWE-Eigentümer, sind sauer. Sie müssen insgesamt auf rund 150 Millionen Euro Dividende verzichten, wie die „Rheinische Post“ vorrechnet – und sie fühlen sich an den Entscheidungsabläufen in „ihrer“ RWE immer weniger beteiligt.

„Wir werden den Vorschlag so nicht hinnehmen und alle Möglichkeiten nutzen, um eine Veränderung herbeizuführen“, erklärte der Stadtkämmerer von Mülheim an der Ruhr, Uwe Bonan. Die Null-Dividende für die Stammaktien sei eine böse Überraschung, die ihn an einen Aprilscherz erinnert habe. Mit einem „maßvollen Rückgang“ habe er gerechnet. „Für den jetzigen Vorschlag des Vorstands habe ich kein Verständnis.“ Der Vorschlag zeuge von mangelndem Vertrauen des RWE-Vorstands in die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens.

Im Besitz von Mülheim an der Ruhr sind 9,8 Millionen Aktien. Nach dem Dividendenvorschlag des RWE-Vorstandes würde die Stadt nach eigenen Angaben nur noch rund 120.000 Euro aus den etwa 930.000 Vorzugsaktien erhalten. Mülheim habe mit einer Kürzung der Dividende auf 75 Cent gerechnet, so dass ihr nun rund 7,2 Millionen Euro fehlten. Dieser Betrag könne nicht ausgeglichen werden. Das geplante Defizit rund 67,5 Millionen Euro und die Verschuldung würden daher weiter ansteigen.

Schon bei der Personalie des künftigen Aufsichtsratschefs hatten die Kommunalvertreter 2015 ihren Kandidaten, Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, nicht durchsetzen können. Dass Ende Januar dann der hoch geachtete RWE-Deutschland-Chef Arndt Neuhaus das Unternehmen verlassen musste, sorgte für weiteren Ärger.

Neuhaus galt als Vertrauter der Kommunen. Und aktuell erregt sie Teriums Plan, im Aufsichtsrat der „neuen“ RWE, die im April gegründet werden soll, gar keine kommunalen Vertreter zuzulassen.

Seite 1:

Kommunen sauer auf Terium – „eine Unverschämtheit“

Seite 2:

Welche Lasten kommen auf den neuen Konzern zu?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%