Energie

RWE -Tochter
Briten wollen Dea-Verkauf nach Russland verhindern

RWE muss sich auf Gegenwind einstellen: Großbritannien könnte sich gegen eine Verkauf der Ölbohrtochter Dea an einen russischen Oligarchen aussprechen. Dabei hat die Bundesregierung dem Deal schon zugestimmt.
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FrankfurtDer milliardenschwere Verkauf der RWE -Tochter Dea steht vor einer neuen Hürde. Für einen Abschluss der Veräußerung der Öl- und Gasfördertochter an eine Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman stünden noch verschiedene Zustimmungen aus, teilte RWE am Sonntag mit. So sei vereinbart worden, dass für einen Vollzug ein sogenannter "Comfort Letter" des britischen Energieministeriums vorliegen müsse. Derzeit sei aber unsicher, ob dieser erteilt werde und der Deal damit grünes Licht aus dem Vereinigtem Königreich erhalte. RWE gehe nicht davon aus, dass der Verkauf damit auf der Kippe stehe, "da beide Partner weiterhin gewillt sind, die Transaktion abzuschließen", erklärte eine Konzernsprecherin. Für den hoch verschuldeten Versorger ist die rund fünf Milliarden Euro schwere Transaktion von großer Bedeutung.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte ohne Angaben von Quellen berichtet, dass Großbritannien, vor dessen Küste Dea diverse Gasquellen ausbeutet, Vorbehalte gegen die Veräußerung an die Investorengruppe um den russischen Oligarchen habe. Es könnte zu einem Entzug der Lizenzen kommen. Die britische Regierung habe sich dazu nicht äußern wollen. Bei RWE werden dem Bericht zufolge bereits Krisenszenarien besprochen, auch der Aufsichtsrat sei über drohende Verzögerungen informiert worden. Beim britischen Energieministerium war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Die Bundesregierung hatte RWE trotz der Ukraine-Krise bereits im August grünes Licht für den umstrittenen Verkauf gegeben. Vorstandschef Peter Terium will den Deal bis Ende des Jahres über die Bühne bringen. Dea ist in über einem Dutzend Länder aktiv, darunter neben Deutschland in Großbritannien, Norwegen, Dänemark und Ägypten. Dea produzierte 2013 in Großbritannien 505 Millionen Kubikmeter Gas von insgesamt 2625 Millionen Kubikmetern. Beim Erdöl waren es 43 Millionen von 2316 Millionen Kubikmetern.

Die Prüfung durch die Bundesregierung galt als größte politische Hürde. Die EU-Kommission hatte den Verkauf von Dea im Juli aus wettbewerbsrechtlicher Sicht genehmigt. Die im Frühjahr bekanntgewordenen Pläne sind wegen der Rolle Russlands in der Ukraine-Krise politisch umstritten. So hatte Grünen-Chef Cem Özdemir kritisiert, Fridman bekomme damit Zugriff auf strategische Erdgas- und Ölvorräte. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), hatte moniert, das Geschäft passe "jetzt nicht in die Landschaft".

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Nur gut, dass wenigstens unsere europäischen Nachbarn unsere eigenen Interessen waren. Von deutscher Seite werden essentielle Firmen / Unternehmungen verschleudert und die Rohstoffe dürfen wir dann wieder teuer von eben dem bewussten Käufer zurückkaufen.Aber wie bei allen Energiedeals wird es darauf hinauslaufen, dass man den verantwortlichen Politiker resp. den ausführenden politischen Beamten wieder mit einem ausgezeichnet dotierten Job in der Energieindustrie (auf deutscher oder russischer Seite ) belohnt. Das war schon damals der Fall, als Ruhrgas durch Herrn Staatssekretär Tacke, der dann einen prima Direktorenposten erhielt.

  • Gut, dass das Grundgesetz die Möglichkeit der Enteignung vorsieht. Also dem Verkauf des fraglichen Teils zustimmen, und sollten die Russen auf die Idee kommen, Gas in den Grenzen Deutschlands zur politischen Erpressung zu nutzen, verstaatlichen, und zwar ohne Entschädigung.
    Die Investoren aus der freien Welt werden Verständnis haben, dass dies eine außergewöhnliche Situation ist.

  • @ Teito Klein:

    "Dabei hat die Bundesregierung dem Deal schon zugestimmt."

    Nachdem 20% der Gasspeicher (=strategische Reserve) in russicher Oligarhenhand ist - mit Zustimmung der Politik - folgt jetzt die Öl-Sparte. Man muß sich langsam fragen, ob in der Politik überhaupt noch so etwas wie Verstand vorhanden ist. Oder ob man die Bundesregierung wegen Hochverrats anklagt [...].

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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