Energie

RWE-Tochter N-Power
Terium feuert Großbritannien-Chef

Vor einer Woche überraschte RWE mit einem neuen Problem: Bei der britischen Tochter N-Power laufen die Geschäfte aus dem Ruder. Jetzt greift Konzernchef Peter Terium durch – und feuert die zuständigen Manager.
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DüsseldorfDer Handlungsdruck war groß – nicht zuletzt von den Anlegern. Seit RWE-Chef Peter Terium vor einer Woche den Zwischenbericht vorgelegt hat, war die Aktie des Energiekonzerns im freien Fall. Mehr als 15 Prozent büßte sie seither ein und fiel auf 15,30 Euro – so billig war die Aktie seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Terium hatte den Markt mit zwei neuen Problemen überrascht – als hätte der angeschlagene Energiekonzern nicht schon Sorgen genug. Zum einen war die Steuerquote außergewöhnlich hoch. Zum anderen hat die britische Tochter N-Power ernste Probleme und musste die Prognosen radikal zusammen streichen.

Jetzt greift der RWE-Chef aber offenbar durch. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, wechselt RWE die Führung der britischen Tochter aus. Chief Executive Officer Paul Massara muss ebenso gehen wie Finanzvorstand Jens Madrian. Neuer CEO wird Paul Coffey. Terium hatte ihn erst ihm April als Chief Operating Officer installiert. Eine Sprecherin des Konzerns lehnte einen Kommentar ab.

RWE hatte im Zwischenbericht mitgeteilt, es gebe „unerwartete operative und technische Probleme im britischen Vertriebsgeschäft“. Der Konzern führte „Prozess- und Systemprobleme bei der Privatkundenabrechnung“ an. Tatsächlich gibt es bei der britischen Tochter seit langem Misswirtschaft, wie das Handelsblatt bereits im Vorfeld berichtet hatte. Das Unternehmen hat unter anderem schon seit langem eine völlig veraltete IT – mit dramatischen Folgen für das Geschäft: Unter den mehr als fünf Millionen Kunden gibt es Tausende Doppelbuchungen, Kunden klagen über falsche Rechnungen.

Dabei steht N-Power unter enormen Wettbewerbsdruck. Im ersten Halbjahr brach das Ergebnis um 60 Prozent auf 53 Millionen Euro ein. Gleichzeitig senkte RWE die Prognose: „Wir gehen nun nicht mehr davon aus, dass RWE N-Power moderat über Vorjahr abschließen kann, sondern erwarten eine deutliche Ergebnisverschlechterung.“

Problematisch sei vor allem, dass die Probleme im Grundsatz schon länger bekannt sind – das bisherige Management aber nicht energisch genug eingeschritten ist, wird in Konzernkreisen kritisiert. Gleichzeitig sei die Zentrale in Essen über das volle Ausmaß der Probleme im Unklaren gewesen.

Bewegung gibt es auch im Aufsichtsrat des Energiekonzerns. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, will Daimler-Chef Zetsche aus dem Gremium ausscheiden. Im kommenden Jahr läuft die Amtszeit aller Vertreter aus. Auch Aufsichtsratschef Manfred Schneider wird dann das Gremium verlassen. Nach Informationen des Handelsblatts soll der ehemalige SAP-Finanzvorstand Werner Brandt dann die Führung übernehmen.

Kommentare zu " RWE-Tochter N-Power: Terium feuert Großbritannien-Chef"

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  • Tut mir leid, das sagen zu müssen aber bei den Versorgern war die Entwicklung seit langer Zeit absehbar. Während meiner Zeit im Stromhandel konnte man deutlich verfolgen, wie gedacht wurde. Man war quasi Monopolist und lebte gut damit. Auch mit der EEG Umlage, herauslösen der Netze etc hat man sich über Jahre gut durchgemogelt. Das es Probleme geben würde, hat man frühzeitig erkannt. Die Lösung : Personal Entlassungen in großem Stil.......nichts anderes.
    Jedes Unternehmen in dieser Grössenordnung hat einen "Think Tank". Diese Unternehmen hielten das niemals für nötig, weil .......to big to fail.
    Wer also das Verhalten der Versorger verfolgt hat, konnte erkenn, dass hier ein Disaster vorprogrammiert war, nicht zuletzt durch den Atomausstieg und damit nicht mehr vorhandenen (nahezu kostenlosen) Strom.

    Aber Sie sind nicht der einzige,der auf Grounternehmen vertraut. Meine Verluste bei der DEutschen Bank bewegen sich bei 60 % , nichtahnend mit welcher Bravour krimminelle Aktivitäten durchgeführt wurde, natürlich zu Lasten der Allgemeinheit und der Aktionäre.

  • RWE oder besser die Anteilseigner von RWE haben eine Problem. Vor allem diejenigen, wie meine Wenigkeit, welche Aktien des Unternehmens vor ca. 1 Jahr gekauft haben: Wertverlust sage und schreibe 50 (in Worten: fünfzig) %. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wohlgemerkt reden wir hier nicht von irgendeineml x-beliebigen windigen Internetstartup, sondern von einem deutschen Versorgungsunternehmen, ehemals Monopolisten!!! Und die sog. "Energiewende" ist ja auch nicht gestern über die Bühne gegangen, so dass die Entschuldigung wohl allmählich auch nicht mehr zieht. Zusammenfassend möchte ich sagen: Den Börsenwert eines Dax-Unternehmens mal eben in 1 Jahr zu halbieren, dazu gehört einiges. Hut ab und vielen Dank für den (herben) Verlust, den ich erlitten habe!

  • Terium hätte mal iieber seine Erneuerbaren Energiewende Gurus feuern sollen. Weil eines ist sicher auf Subventionsgesetzen ist kein Wirtschaften zu machen. EEG = Subvention pur. Erneuerbare Energie = EEG.
    Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge, dann der Betrug/Selbstbetrug danach der Mangel und zum Schluss die Armut!

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