Energie

RWE vor Gericht Peruanischer Bauer ärgert deutschen Kohleriesen

Muss RWE für die Folgen des Klimawandels zahlen? Die Klage eines Kleinbauern aus den Anden gegen die Kohlekraftwerke wird wohl zugelassen. Der Konzern soll für eine Gletscherschmelze haftbar gemacht werden.
4 Kommentare
Auch Umweltschützer protestieren regelmäßig gegen die Kohlekraftwerke von RWE. Quelle: dpa
Kohle in der Kritik

Auch Umweltschützer protestieren regelmäßig gegen die Kohlekraftwerke von RWE.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist nur ein Etappensieg, aber der Zeitpunkt ist perfekt. Während in Bonn die Vereinten Nationen auf der Weltklimakonferenz über Maßnahmen zum besseren Klimaschutz diskutieren, ist es einem peruanischen Kleinbauern gelungen, Europas größten CO2-Emittenten RWE vor dem Oberlandesgericht im westfälischen Hamm zu ärgern. Der Vorsitzende Richter Rolf Meyer hält den zivilrechtlichen Anspruch von Saúl Luciano Lliuya grundsätzlich für möglich und das Klagebegehren für schlüssig.

In der ersten Instanz, beim Landgericht Essen, war der Bauer schon an dieser Hürde gescheitert. Zu prüfen sei nun, ob der Kläger in einem zweiten Schritt beweisen kann, dass speziell die Emissionen der Kohlekraftwerke von RWE für den Klimawandel in den Anden mitverantwortlich sind, sagte Richter Meyer in der mündlichen Verhandlung am Montag zum Auftakt. Ende des Monats will das Gericht entscheiden, ob es in die Beweisaufnahme einsteigt. RWE kann das mit einer schriftlichen Stellungnahme noch verhindern.

Saul Luciano Lliuya lebt in Huaraz in Peru. Dort fürchtet man sich wegen einer beschleunigten Gletscherschmelze vor gefährlichen Fluten durch den über dem Dort liegenden See. Das liegt nach Auffassung des Kleinbauern und Bergführers am Klimawandel - und dafür macht er unter anderem dem RWE-Konzern verantwortlich. RWE baut schließlich nicht nur Braunkohle ab, sondern verfeuert sie wie kein zweiter Konzern in seinen Kraftwerken und stößt dabei so viel des klimaschädlichen CO2 aus, wie kein zweiter Konzern in Europa.

Das sind die größten Kraftwerke der Welt
Wasserkraft: Drei-Schluchten-Staudamm (China)
1 von 12

Der Jangtse liefert das Wasser für dieses gigantische Kraftwerk. 32 Turbinen sorgen für eine Nennleistung von 22.500 Megawatt. Damit ist der Drei-Schluchten-Damm nicht nur das größte Wasserkraft, sondern das größte Kraftwerk überhaupt weltweit.

Groß wie die Leistung war auch die Kritik an dem Bauwerk, das eine einzigartige Landschaft zerstörte und die Umsiedlung vieler Menschen nötig machte. Andererseits dient der Damm auch dem Hochwasserschutz in der oft von den Fluten heimgesuchten Region: Allein im 20. Jahrhundert kamen drei Millionen Menschen bei Überschwemmungen des Jangtse ums Leben.

Kernkraft: Kashiwazaki-Kariwa (Japan)
2 von 12

Trotz der Reaktorkatastrophe von Fukushima setzt Japan nach wie vor auf die Kernkraft. Das größte Kernkraftwerk ist Kashiwazaki-Kariwa in der japanischen Präfektur Niigata. 8.200 Megawatt liefern seine insgesamt sieben Reaktoren, damit ist die Anlage das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Welt.

Seit 1985 in Betrieb, musste das Kraftwerk im Lauf der Jahre wiederholt abgeschaltet werden, unter anderem wegen Beschädigungen durch Erdbeben. So war die Anlage nach einem Beben am 16. Juli 2007 für insgesamt 21 Monate außer Betrieb. Ins Gerede kam der Reaktor auch 2002, nachdem der Betreiber Untersuchungsberichte gefälscht und Störfälle zu vertuschen versucht hatte.

Windkraft: Windpark Gansu (China)
3 von 12

Am Rand der Wüste Gobi entsteht der weltweit größte Windpark an Land. 2010 gingen hier die ersten Windräder ans Netz, bis 2020 sind Windanlagen mit einer Gesamtleistung von 20.000 Megawatt geplant. Würden diese Windräder 4000 Stunden im Jahr unter Volllast laufen, ließe sich die Nennleistung von etwa 15 Kernkraftwerken erreichen.

Offshore-Windpark: London Array (GB)
4 von 12

2013 eröffnete der damalige Premierminister David Cameron den Windpark in der Themsemündung. Mit 175 Windräder und 630 Megawatt Gesamtleistung ist die Anlage die größte ihrer Art weltweit. Eine zweite Ausbaustufe, die zusätzlich 240 Megawatt bringen sollte, wurde 2014 gestoppt - unter anderem wegen möglicher Auswirkungen auf die Seevögel-Population in dem Gebiet.

Thermisches Solarkraftwerk: Ivanpah (USA)
5 von 12

In der kalifornischen Mojave-Wüste steht das weltgrößte solarthermische Kraftwerk: Mehr als 300.000 Spiegel fokussieren die Sonnenstrahlung auf drei Solartürme. Dort heizt sich Wasser auf, der Wasserdampf wird dann über Turbinen zur Energiegewinnung genutzt. Die Nennleistung der Anlage liegt bei 392 Megawatt.

Photovoltaik-Solarkraftwerk: Longyangxia Dam Solar Park (China)
6 von 12

Strom aus Sonne gewinnt auch das weltgrößte Photovoltaik-Kraftwerk. Die Anlage im Gebiet der Longyangxia-Talsperre in der chinesischen Provinz Qinghai erstreckt sich über mehr als 20 Quadratkilometer und bringt es auf eine Nennleistung von 850 Megawatt.

Öl: Shoaiba-Kraftwerk (Saudi-Arabien)
7 von 12

Wo sonst als im Ölstaat Saudi-Arabien sollte das weltgrößte Ölkraftwerk stehen? Auf eine Leistung von 5600 Megawatt bringt es die Anlage an der Küste des Roten Meeres. Das zum Betrieb des Kraftwerks nötige Süßwasser liefern angegliederte Meerwasser-Entsalzungsanlagen, die ihrerseits vom Kraftwerk mit Energie versorgt werden.

Der Landwirt fordert von RWE 17.000 Euro für Schutzmaßnahmen gegen das Überlaufen des Gletschersees. Er hatte sein Haus aufgestockt, weil es in einem besonders gefährdeten Gebiet der 120.000-Einwohner-Stadt liegt.

Die Summe wäre für den Konzern sicherlich zu Verschmerzen. In erster Linie geht es aber um die Reputation des Konzerns und die grundsätzliche Debatte um die Kohleverstromung. Saúl Luciano Lliuya wird bei seiner Klage schließlich von Umweltschützern unterstützt.

RWE bekräftigte nach der Verhandlung, dass der Konzern die Klage für „nicht zulässig und unbegründet“ hält. Nach dem deutschen Zivilrecht könne „ein einzelner Emittent von CO2 nicht für allgemein verursachte und globale Vorgänge wie den Klimawandel und mögliche individuelle Folgen haftbar gemacht werden“.

RWE hat schon in der ersten Instanz auf Entscheidungen des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts aus den 90er Jahren verwiesen. Damals sei die Haftung einzelner Anlagenbetreiber für allgemeine Luftverunreinigungen verneint worden. Der Klimawandel sei ein globales Problem. Dieses müsse auf staatlicher und internationaler Ebene gelöst werden. Einzelne Unternehmen könnten dafür nicht in die Verantwortung genommen werden, so die Argumentation des Energiekonzerns.

Startseite

Mehr zu: RWE vor Gericht - Peruanischer Bauer ärgert deutschen Kohleriesen

4 Kommentare zu "RWE vor Gericht: Peruanischer Bauer ärgert deutschen Kohleriesen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es handelt sich um eine Propagandashow grüner NGO mit dem Ziel Marktanteile zu gewinnen und Umsatz zu generieren.

    Ältere Artikel zu dem Thema zeigen ein Foto des "Bauern" der eher wie ein Akademiker aussieht. Ein Bauer aus den Anden hätte wahrscheinlich Schwierigkeiten Deutschland auf einer Karte zu finden und wird mit dem Namen RWE sowenig anfangen können wie wir mit Wasserquellen und Grassorten auf dem Weideland dortiger Bauern.

    Es spricht viel dafür, dass die Geschichte seitens der grünen NGO komplett erdacht, geplant und organisiert wurde und dann jetzt mittels willfähriger Journalisten propagiert wird.

  • RWE beteiligt sich ja selbst an dem gigantischen Klimaschwindel! Statt die Wahrheit zu sagen, redet man unseren Politikern und Medien nach dem Maul. Dann kann man jetzt auch bezahlen für so viel Heuchelei.
    Der Bauer hat Recht: Man muss die Spinner ausnutzen, wo es nur geht.

  • werbemässig aufgebausche und initiierte Klagen gegen Deutsche. Gut von den Staatssendern präsentiert und alle Deutschen sollen aus Mitleid die Börsen öffnen und Kraftwerke verbieten. Ich dachte so einen Klageschwachsinn gibts nur in den USA, aber das LG in Düsseldorf hat den "Narrenpreis" in diesem Jahr verdient.

  • Germanwatch übernimmt die Kosten der Klage, die mit großer Wahrscheinlichkeit abgewiesen wird. Soweit ich gehört habe, liegen die Klagekosten im 6-stelligen Bereich.

    Germanwatch sollte keine Spenden und keine Zuwendungen aus Bußgeldern mehr erhalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%