Energie

RWE wird geteilt

Terium spaltet den Konzern auf

RWE spaltet sich ähnlich wie Konkurrent Eon in zwei Unternehmen auf. Das hat der Vorstand des Konzerns am Mittwoch beschlossen. Das Geschäft mit Erneuerbaren Energien und Netzen kommt an die Börse.
Update: 01.12.2015 - 15:49 Uhr 12 Kommentare

RWE spaltet sich nun doch auf

DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium will nun doch den Energiekonzern aufspalten. Das hat der Vorstand des Unternehmens am Mittwochmittag beschlossen. Allerdings muss der Aufsichtsrat noch am 11. Dezember darüber beraten. Zuvor hatte das Handelsblatt über den Vorgang berichtet.

Bei der Aufspaltung soll das Zukunftsgeschäft mit Netz, Vertrieb und Erneuerbaren Energien in eine neue Gesellschaft ausgegliedert werden. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollten voraussichtlich Ende 2016 im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse gebracht werden. RWE bleibe langfristig Mehrheitsaktionär der neuen Gesellschaft und werde diese voll in seine Bilanz einbeziehen. Der Mutterkonzern werde sich auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Die Haftungsmasse für die Kernkraftwerke werde nicht verändert.

Zeitgleich oder auch später könnten weitere Anteile an der neuen Gesellschaft veräußert werden, hieß es. Mit der Aufteilung der Geschäftsfelder schaffe RWE für das dort gebündelte Geschäft neue Finanzierungs- und zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten, begründete der Vorstand den Schritt. „Der Konzernumbau ist unsere Antwort auf den Umbau der europäischen Energielandschaft“, sagte Terium. „Wir schaffen zwei zukunftsfähige Unternehmen unter einem Dach. Die neue Tochtergesellschaft mit eigenem Zugang zum Kapitalmarkt stärkt unsere Wachstumsperspektive.“

Vor einem Jahr hatte Eon-Chef Johannes Teyssen mit einer Aufspaltung des Konzerns überrascht. Terium hatte lange einen ähnlichen Schritt abgelehnt. Die beiden Strategien unterscheiden sich auch in einem entscheidenden Punkt. Im Gegensatz zu Eon behält RWE das alte Geschäft mit den Kraftwerken.

„Blutspuren in unserer Bilanz“
Peter Terium
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„Das Unternehmen geht durch ein Tal der Tränen.“
(RWE-Chef Peter Terium bei der Quartalsbilanz im November 2013)

Bernhard Günther
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„Die niedrigen Strompreise hinterlassen ihre Blutspuren in unserer Bilanz.“
(RWE-Finanzvorstand Bernhard Günther, Mitte, im Mai 2014)

Peter Terium
3 von 6

„Das Tal der Tränen ist also noch nicht durchschritten.“
(RWE-Chef Peter Terium bei der Jahresbilanz im März 2015)

Ingo Speich
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„RWE muss sich gesundschrumpfen und braucht an der Spitze keinen Visionär, sondern einen Sanierer.“
(Fondsmanager Ingo Speich bei der Hauptversammlung im April 2014)

Marc Tüngler
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„Womit verdient RWE in fünf Jahren sein Geld - das ist die Gretchenfrage.“
(Aktionärsvertreter Marc Tüngler bei derselben Hauptversammlung)

Matthias Hartung
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„Unabhängig von Länder- und Spartengrenzen: Es geht ums Überleben.“
(RWE-Kraftwerkschef Matthias Hartung im Juli 2015)

Die Aufspaltungspläne haben die Anleger am Dienstag in Kauflaune versetzt. Die Aktien des Versorgers kletterten am Nachmittag um mehr als 14 Prozent auf 12,43 Euro, den höchsten Stand seit fast drei Wochen. Sie setzten sich damit an die Spitze des Dax.

„Das ist ein kluger Schachzug von RWE“, lobte Thomas Deser, Fondsmanager bei Union Investment. „Herr Terium sendet damit ein positives Signal an den Kapitalmarkt, die Politik und die Ratingagenturen: Verbesserte Liquiditätssituation, Sicherung des Kreditratings, Zugang zu frischen Mitteln für Wachstumsinvestionen. RWE wird wieder als glaubwürdiger Partner der Energiewende wahrgenommen und ebnet – genau wie Eon– durch Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen den Weg zu einer Atomstiftung oder Stiftungslösung für die atomaren Altlasten.“

Konkurrent Eon befindet sich bereits mitten in der wohl größten Aufspaltung der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Der Konzern wechselt von Düsseldorf nach Essen und konzentriert sich auf Erneuerbare Energie und den Vertrieb. Die Kraftwerkssparte bleibt zusammen mit dem Handel unter dem neuen Namen Uniper in Düsseldorf. Später soll Uniper auch an der Börse notiert werden. Eon-Chef Johannes Teyssen will mit der Aufteilung in „alte“ und „neue“ Energie die Potenziale beider Bereiche besser ausschöpfen.

Den Aufspaltungsplan hatte der Konzern rund ein Jahr unter strikter Geheimhaltung vorbereitet. Am 30. November 2014 stimmte der Aufsichtsrat zu, einen Tag später präsentierte das Unternehmen die Pläne. Die Börse reagierte freundlich. In jüngster Zeit gab es aber auch vermehrt kritische Stimmen dazu, ob eine neue Organisation dem lahmenden Kraftwerksgeschäft wirklich neue Impulse verleihen kann. Die Kosten der Aufspaltung liegen nach Schätzungen aus Branchenkreisen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Erzeugungssparte läuft schlecht
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12 Kommentare zu "RWE wird geteilt: Terium spaltet den Konzern auf"

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  • @Harald Meier
    Der Stromverbraucher hat durch die asoziale Energiewende mit seinen marktfeindlichen EEG nur steigende Strompreise (EEG Umlage + Steuer + Ausbau der Netze + Offshore Umlage usw.) zu tragen. Diese asoziale Energiewende mit seinen marktfeindlichen EEG ist nicht nur Marktfeindlich und Wertevernichtend (Vernichtung von Kohle, Gas und vor allen Kernkraft) sondern auch eine Umverteilung von ARM nach REICH.
    Und die öffentliche Hand, dass sind die Einrichtung und die Infrastruktur unserer Gesellschaft. Somit werden Hallenbäder u.a. öffentliche Einrichtungen schließen müssen und der öffentliche Nahverkehr wird seine Preise anheben müssen.
    Die Gier und die Abzocker ist nicht bei den Kohle, Gas und Kernkraftwerksbetreiber zu verorten, sondern bei den egoistischen Geldgierigen Erneuerbaren Energiebefürworter = EEG Mafia Verein.

  • Die Staatschefs auf der Weltklimakonferenz in "Berlin" wollen im Kampf gegen den Klimawandel mehr Marktwirtschaft wagen und den Verbrauch von Kohlendioxid verteuern.
    Aus der FAZ dem Merkelkampfblatt kopiert.

  • Da den "Erneuerbaren" bei der Einspeisung des Stroms aus politischen Motiven Vorrang eingeräumt wird und das zu Festpreisen, die deutlich über den politisch gewollt zerbombten "Marktpreisen" liegen, ist der "Sigeszug" der Erneuerbaren tatsächlich nicht mehr aufzuhalten, solange politisch an dem Projekt festgehalöten wird.

    Die Befürworter sollten sich aber nicht wundern, wenn bei 100% Biostrom-Anteil der Strom nicht mehr zu jeder Tages- und Nachtzeit aus der Steckdose kommt. Sinngemässes gilt für E-Fahrzeuge, denen bis dato eine CO2-freie Energiequelle fehlt.

    Da AKW und Kohlekraftwerke politisch nicht mehr gewollt sind, sollte man die konsequenter Weise allesamt abschalten und schauen, was passiert. Jedenfalls erwarte ich nicht, dass man mit Konzernspaltungen Energie freisetze.

    Schönen Abend!

  • Herr Hofmann,
    noch mehr Geschwafel.
    Lassen wir doch das Geld in den Taschen der Verbraucher und gehen nicht den teuren Umweg über die öffentliche Hand. Kein öffentlicher Haushalt soll, auch nur teilweise, über Stromverkauf finanziert werden. Öffentliche Haushalte werden über Steuern finanziert.
    Das ist Marktwirtschaft.
    Thema Monopol, ja stimmt, jetzt gibt's Wettbewerb. Deshalb auch die Probleme von RWE&Co. Nur vorher gab es jahrzehntelang eben keinen Wettbewerb, sondern Monopole in den jeweiligen Regionen.
    Vielleicht werden sie ja durch viel Handelsblatt lesen irgendwann mal verstehen, was Marktwirtschaft ist.


  • @Harald Meier
    Es gibt in der Deutschen Stromerzeugung keine Monopolstellung. Es gibt neben RWE, ENBW, EON und Vattenfall auch noch unzählige Stadtwerke die per Kohle- und Gaskraftwerken einen Gewinn für den öffentlichen Haushalt erwirtschafteten. Dies war alles vor der asozialen Energienwende, den rechtwidrigen Kernkraftausstieg und dem markt- und damit gesellschaftsfeindlichen EEG.
    Weder die Windrad noch die Solarbesitzer erwirtschaften einen Gewinn für die öffentliche Hand. Diese Erneuerbare Energie Mafia hat nur ihren eigenen Geldbeutel im Sinn und die Gesellschaft ist denen egal. Im Gegensatz zu den Kraftwerksbetreibern der großen Energiekonzerne, die mit ihren Kohle, Gas und vor allen Kernkraftwerken einen Gewinn -nicht nur fü sich- sondern für die Anteileigner erwirtschaftet haben. Und diese Anteilseigner sind zum Großen Teil die Kommunen, Städte und Länder...also die öffentliche Hand und somit wir als Soziale und Solidarische Gesellschaft.

  • Was für ein Geschwafel.
    Es hat nichts, aber auch gar nichts mit Marktwirtschaft zu tun, wenn sich Konzerne mangels Wettbewerb dumm und dämlich verdienen. Monopole und Marktwirtschaft, das geht nicht zusammen. Setzen sechs, Herr Hofmann.

  • @Harald Meier
    Die Marktwirtschaft hat dazu beigetragen, dass die Energiekonzerne Gewinne erwirtschaften konnten, die Strompreise bezahlbar waren und die Stromversorgung abgesichert war. Die Gewinne der Stromkonzerne wurden unter den Anteilseignern in Form von Dividendenzahlungen ausgeschüttet. Die Anteilseigner an den marktwirtschaftlichen (Kohle, Gas und Kernkraftwerken) Stromkonzernen waren zum Großen Teil die öffentlichen Haushalte der Kommunen, Länder und Städte. Wir als Gesellschaft haben also von den Gewinnen der Stromkonzerne profetiert. Und jeder Bürger in diesen Land konnte sich auch noch Private Aktien von dem Erfolgsmodell der marktwirtschaftlichen Stromkonzernen = Kraftwerkmixpark aus Kohle, Gas und vor allen Kernkraft ins Depot legen. Auch die Lebensversicherungen und die staatlichen Rentenpapiere haben vom Erfolg/Gewinn der Stromkonzerne profetiert.
    Jetzt mit der asozialen Energiewende und ihren marktfeindlichen EEG wird der Profit nicht der deutschen Gesellschaft = Öffentlichkeit zukommen, sondern den Abzockern der EE-Branche. Die Verlust hingegen werden sozialisiert und der Gesellschaft aufgedrückt.

  • Denken Sie nicht auch, daß die Aufspaltung dazu dient, die Rückstellungen zum
    Abbau der Atomkraftwerke verschwinden zu lassen ?

  • Wozu braucht es Stromkonzerne, wenn man ohne großen Aufwand und Kosten den Strom selbst erzeugen kann?
    Adieu RWEONENBWVATTENFALL, ihr habt uns jahrzehntelang das Geld aus der Tasche gezogen bis wir gemerkt haben, wie einfach Stromproduktion ist.

  • CEO Terium hat offenbar erkannt, wohin der Hase läuft; in Richtung Erneuerbare Energien und in Richtung Dekarbonatisierung. Es wird ja heute schon nicht mehr akzeptiert, dass wir Braunkohle verstromen. In 10 Jahren, wenn kein Kernkraftwerk mehr abgeschaltet werden kann, weil in Deutschland keins mehr am Netz ist, wird es durch den weiter fortschreitenden Ausbau Erneuerbarer Energien ganz eng für Braunkohlekraftwerke.

    Noch vor Mitte des Jahrhunderts werden wir nur noch Strom aus Erneuerbaren Energien und aus Gas- bzw. Steinkohlekraftwerken haben. Das sind positive Zukunftsaussichten.

    Was Mut macht im November 2015 :
    Über 18 TWh Strom aus Erneuerbaren Energien in Deutschland (Anteil knapp 40%)
    Was bedenklich stimmt im November 2015:
    Mit 7,5°C die höchste je gemessene Durchschnittstemperatur in Deutschland für einen November.

    Man kann nur hoffen, dass wir es noch schaffen, die durch uns forcierte globale Erwärmung beizeiten einzufangen. Sonst sind die jetzt gesehenen "Flüchtlingsströme" im Vergleich zur Zukunft nur ein müde plätscherndes Bächlein gewesen.

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