Energie

Salzgitter verschärft Sparkurs
Stahlkocher bleibt im Krisenmodus

Die Zeiten sind nicht leicht für Salzgitter. Zwar macht die Preisentwicklung Hoffnung, doch Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern kündigt einen weiteren Stellenabbau an – und hofft auf die EU.

SalzgitterWie andere europäische Stahlmanager auch hat Heinz Jörg Fuhrmann in den vergangenen Monaten jede öffentliche Bühne genutzt, um auf die dramatische Situation der krisengeschüttelten Branche hinzuweisen: Überkapazitäten und Preisverfall, ausgelöst durch die Flut chinesischer Billigimporte nach Europa, dazu die drohende Verschärfung der Klimaschutzvorgaben durch die EU.

Der lautstarke Protest zeigt erste Erfolge: Die EU-Kommission hat inzwischen eine Reihe von Anti-Dumping-Maßnahmen auf den Weg gebracht und Schutzzölle gegen Hersteller aus Asien und Russland verhängt. Die Preise erholen sich, wenn auch auf niedrigem Niveau. „Vor vier Monaten war da noch nichts, jetzt haben wir einen sichtbaren Unterschied“, sagte Salzgitter-Chef Fuhrmann am Freitag am Hauptstandort von Deutschlands zweitgrößtem Stahlkocher. „Es geht deutlich in die richtige Richtung.“ Auf das Ergebnis sollen sich die höheren Einnahmen aber erst im zweiten Halbjahr auswirken.

Doch ist Fuhrmann zu lange im Geschäft, um sich auf politische Entscheidungen allein zu verlassen. Parallel dazu verschärft er den Sparkurs in seinem Konzern, der zu einem Viertel dem Land Niedersachsen gehört. So wird das seit drei Jahren laufende Effizienzprogramm „Salzgitter 2015“ weitergeführt, das einschließlich der Stilllegung mehrerer Werke die Kosten pro Jahr bereits um 300 Millionen Euro gesenkt hat. Zusätzliche Sparmaßnahmen sollen weitere 260 Millionen Euro einspielen.

Dazu gehört auch ein Abbau von mehreren hundert Arbeitsplätzen in vier Werken außerhalb Niedersachsens. Wie viele Stellen genau wegfallen werden, wollte Fuhrmann mit Hinweis auf die laufenden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern nicht sagen. Bis Ende 2015 hatte der Konzern bereits 1500 Vollzeitstellen abgebaut. „Wir tun, was möglich ist“, sagte Fuhrmann. „Die Belastungen durch die chinesischen Importe und die verschärften Umweltauflagen können wir aber dadurch nicht kompensieren.“

So rechnet der Salzgitter-Chef für das laufende Jahr allenfalls mit einem ausgeglichenen Ergebnis vor Steuern und damit etwas weniger als 2015, als der Konzern zwölf Millionen Euro Gewinn auswies. Auch der Umsatz werde nur das Vorjahresniveau von 8,6 Milliarden Euro erreichen. „Die Herausforderungen bleiben enorm“, sagte Fuhrmann. „Dennoch blicken wir verhalten optimistisch nach vorn.“

Dazu gehört auch, dass der Konzern im laufenden Jahr knapp 300 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Anlagen investieren will: Das ist zwar deutlich weniger als 2015 mit 410 Millionen Euro, allerdings war darin auch der Kraftakt einer aufwändige Erneuerung eines Hochofens enthalten.

Auch auf der Kundenseite gibt es den einen oder anderen Lichtblick: Die Autoindustrie als wichtigster Abnehmer wird ihre stabilisierende Rolle auch 2016 spielen, einige Hersteller wie die aus Frankreich ordern sogar mehr. Die Maschinenbauer dürften angesichts ihrer guten Geschäftserwartungen wenigstens in der Größenordnung der Vorjahre bestellen.

Manchmal trägt auch Unerwartetes zur Stimmungsaufhellung bei: So hat die Röhrentochter Europipe, die Salzgitter zusammen mit der Dillinger Hütte betreibt, einen Großauftrag für die Lieferung von Röhren für die Erweiterung der Nordsee-Pipeline erhalten. Das Gesamtvolumen beträgt 2,2 Millionen Tonnen, 40 Prozent davon liefert Europipe. Das Werk in Mülheim an der Ruhr ist damit bis weit ins Jahr 2017 ausgelastet. „In diesen Zeiten ist das ein warmer Regen“, sagte Salzgitter-Chef Fuhrmann.

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