Energie

Schwieriger Heimatmarkt
Energieversorger verlagern Stellen nach Osteuropa

Die Energieversorger kämpfen mit schrumpfenden Gewinnen - vor allem im Heimatmarkt. Nun zieht es neben Eon auch RWE nach Osteuropa. Der Grund dafür ist einfach.
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Düsseldorf/EssenDer Essener Versorger RWE bereitet angesichts schrumpfender Gewinne die Verlagerung von Stellen nach Polen vor. RWE baue derzeit ein zentrales Servicecenter für Querschnittsaufgaben im Personal-, Finanz- und Rechnungswesen auf, sagte Finanzvorstand Bernhard Günther am Mittwoch bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal.

Beschäftigt würden in der Pilotphase zunächst unter 100 Mitarbeiter, hieß es. Hintergrund sei das niedrigere Lohnniveau in Polen, bestätigte eine Firmensprecherin. Auch Konkurrent Eon hatte bereits im Mai vergangenen Jahres Pläne vorgestellt, nach denen sich im rumänischen Cluj 600 Mitarbeiter um das Rechnungswesen des Konzerns kümmern sollen. Der Standort zeichne sich „insbesondere durch gute Verkehrsanbindungen sowie geringe Betriebs- und Lebenshaltungskosten aus“, hieß es damals von Eon.

Der Verdi-Landesfachbereichsleiter Hans-Peter Lafos bezeichnete die RWE-Pläne als „betriebswirtschaftlichen Unsinn“. Einem Pilotprojekt mit maximal 99 Stellen habe die Arbeitnehmerseite aber nicht im Weg stehen wollen, sagte Lafos, der auch RWE-Aufsichtsratsmitglied ist.

Nach der Erprobung bis zum Jahresende wolle RWE entscheiden, wie groß der Krakauer Servicestandort wird, sagte Günther. Europaweit arbeiten nach Günthers Worten mehrere tausende Beschäftigte in Geschäftsbereichen, die theoretisch für eine Verlagerung infrage kommen. An Beschäftigtenzahlen in diesem Umfang sei aber nicht gedacht.

Die Energieversorger orientieren sich angesichts des schwierigen Heimatmarktes immer mehr ins Ausland. So hatte Eon-Chef Teyssen bereits Ende vergangenen Jahres ein Joint Venture mit der mächtigen türkischen Familien-Holding Sabanci besiegelt und hatte sich mit 50 Prozent an dem türkischen Energieunternehmen Enerjisa beteiligt. Der Vorstoß in der Türkei ist Teil der Internationalisierungs-Strategie des Konzerns. „Unseren Marktanteil in Deutschland werden wir nicht halten können“, hatte der Eon-Chef Ende April in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. „Wachsen wird dafür das Geschäft im Ausland“.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schwieriger Heimatmarkt: Energieversorger verlagern Stellen nach Osteuropa"

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  • Aber die Energiewende bringt uns doch Arbeitsplätze! Oder lügen die Grünen etwa ;-)

  • Verlagerung von Arbeitsplätzen!
    Vielleicht wäre die Verlagerung der (bekanntlich nicht ganz billigen, teilweise auch nicht preiswerten) Führungsarbeitsplätze in diese Billiglohnländer. Die sind ja fürs Tagesgeschäft mit den Kunden hierzulande nicht nötig (ich habe nicht geschrieben: nicht brauchbar!)Da könnte man sicher eine Menge sparen. Und es wäre ein innovativer Ansatz. Da kann man in den Medien punkten.

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