Energie

Shell in Nigeria 70 Millionen Euro für nigerianische Fischer

Ende eines jahrelangen Streits: Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell entschädigt nach Umweltverschmutzungen in Nigeria 15.600 Fischer und Bauern – und geht so einem Gerichtsprozess aus dem Weg.
Update: 07.01.2015 - 15:15 Uhr Kommentieren
Shell beendete mit einer Zahlung in zweistelliger Millionenhöhe einen langen Rechtsstreit. Quelle: dpa

Shell beendete mit einer Zahlung in zweistelliger Millionenhöhe einen langen Rechtsstreit.

(Foto: dpa)

LondonDer Ölkonzern Shell zahlt Fischern und Bauern im Nigerdelta eine Entschädigung von rund 70 Millionen Euro. Der britisch-niederländische Konzern und die Anwälte von mehr als 15.000 nigerianischen Dorfbewohnern legten damit außergerichtlich den Streit über die Folgen von zwei Ölkatastrophen im Jahr 2008 bei, wie beide Seiten am Mittwoch in London mitteilten.

Den Angaben zufolge zahlt die nigerianische Tochter des Unternehmens, SPDC, den Fischern und Bauern der im Süden des Landes gelegenen Stadt Bodo umgerechnet fast 45 Millionen Euro. Weitere 25, 5 Millionen Euro erhält die Gemeinde Bodo, wie Shell und das Anwaltsbüro Leigh Day in London erklärten. SPDC verpflichtete sich zudem zur Reinigung der verschmutzten Gebiete, die in zwei bis drei Monaten beginnen soll.

Jeder der rund 15.600 betroffenen Kläger erhält 2800 Euro, was der Zahlung des nigerianischen Mindestlohns über einen Zeitraum von rund drei Jahren entspricht. Mit der Einigung endet ein dreijähriger Rechtsstreit. Ein Prozess vor dem Obersten Gericht in London, der im Mai 2015 hätte beginnen sollen, wurde damit abgewendet.

Nach Angaben der Anwälte der Betroffenen verschmutzte aus einer Pipeline auslaufendes Öl im Jahr 2008 zwei Mal die Umwelt so sehr, dass Bauern und Fischer ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt wurden. Demnach liefen insgesamt rund 600.000 Barrel Öl aus. Shell räumte im Jahr 2011 seine Verantwortung ein.

Welche Multis den Ölmarkt dominieren
Waves crash over the conical drilling unit Kulluk where it sits aground on the southeast side of Sitkalidak Island, Alaska
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Stürmische Zeiten: Trotz der weltweiten Wirtschaftsflaute fahren die größten Ölkonzerne der Welt satte Gewinne ein. Der Energie-Informationsdienst Oilandgasiq hat die zehn größten Öl- und Gaskonzerne nach dem täglichen Fördervolumen zusammengestellt.

Stand: Mai 2013

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Platz 10: Kuwait Petroleum Corporation (KPC)

Den letzten Rang unter den Top-10 Ölkonzernen der Welt erreicht der staatliche Ölförderer von Kuwait. Die Kuwait Petroleum Corporation ging aus der Anglo-Persian Oil (heute BP) und Gulf Oil (heute Chevron) hervor. Die Kuwaitis beschäftigen 15.800 Menschen und fördern 3,2 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass oder Barrel entspricht rund 159 Litern. Im Golfkrieg in den 1990ern setzten irakischen Streitkräfte mehr als 700 kuwaitische Ölquellen in Brand.

Pump jacks are seen in the Midway Sunset oilfield in this file photo
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Platz 9: Chevron

Die Wurzeln des drittgrößten Unternehmens der USA reichen bis 1879 zurück, als die Pacific Coast Oil Company gegründet wurde. Später schluckte Standard Oil das Unternehmen und nannte es SoCal. 1984 schlossen sich dann SoCal und Gulf Oil unter dem Namen Chevron zusammen. Die Kalifornier fördern 3,5 Millionen Barrel am Tag. Rund 62.000 Menschen arbeiten weltweit für den Konzern.

The "Lolair" drilling platform from state oil monopoly Petroleos Mexicanos (PEMEX) is seen off the port of Veracruz, Mexico
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Platz 8: Pemex

Mexiko verstaatlichte 1938 die gesamte Ölindustrie. Heute gilt der Energieriese als eines der größten Unternehmen Lateinamerikas und größter Steuerzahler Mexikos. Die 138.000 Mitarbeiter fördern 3,6 Millionen Fass Öl am Tag.

An old Shell logo is seen on a vintage fuel wagon at a railway station in the town of Naumburg
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Platz 7: Royal Dutch Shell

Der siebtgrößte Ölförderer der Welt entstand 1907 aus dem Zusammenschluss einer niederländischen und einer britischen Firma. Der weltweit bekannte Konzern setzte sich 2012 mit einer Marktkapitalisierung von 140 Milliarden Dollar an die Spitze des britischen Leitindex FTSE. Mit 87.000 Angestellten fördert der Multi 3,9 Millionen Barrel Öl am Tag.

Gulf Oil Spill-Settlement
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Platz 6: BP

Auf eine lange Historie blickt auch British Petroleum, kurz BP, zurück. Die Burmah Oil Company ging 1909 in der Anglo-Persian Oil Company auf, die später zur Anglo Iranian Oil und schließlich zu BP wurde. Einen schweren Schlag erhielt der Konzern, als eine Explosion auf der Plattform Deepwater Horizon 2010 mehrere Arbeiter töte. Das auslaufende Öl verseuchte den Golf von Mexiko und richtete eine der größten Umweltkatastrophen an. Der Konzern wurde zu Milliardenstrafen und Entschädigungen verurteilt. Weitere Prozesse laufen.

BP beschäftigt 85.700 Menschen und fördert 4,1 Millionen Fass Öl am Tag.

A oil field worker works at a well head in PetroChina's Daqing oil field in China's northeastern Heilongjiang province
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Platz 5: Petrochina

Den fünften Rang unter den größten Energiekonzernen der Welt hat Chinas Petrochina erobert. Die Karriere des erst 1999 gegründeten Unternehmens ist steil. Der staatseigene Konzern fördert mit 550.000 Arbeitern 4,4 Millionen Barrel.

Shell hatte zunächst weniger bezahlen wollen, doch unter dem Druck von Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International räumte der Konzern ein, dass mehr Öl ausgelaufen sei als die ursprünglich vom Konzern angegebenen 4000 Barrel.

Martyn Day von dem auf Umwelt spezialisierten britischen Anwaltsbüro Leigh Day äußerte Genugtuung über die Einigung. Zugleich kritisierte er, dass der Konzern den Kompromiss über Jahre in die Länge gezogen habe.

Shell muss außerdem unter Aufsicht eines ehemaligen niederländischen Botschafters in Nigeria die vom Öl verseuchte Region säubern. Der nigerianische Umweltschützer Ako Amadi sagte, es werde mindestens zehn Jahre dauern, den vorherigen Zustand wieder herzustellen.

Amnesty International schätzt, dass es an Pipelines in Nigeria jährlich Hunderte von Lecks gibt. Grund sei die starken Korrosion der Leitungen, die schlechte Wartung der Infrastruktur durch Firmen wie Shell oder das italienische Unternehmen Eni sowie Sabotage und Diebstahl.

Nigeria ist der größte Ölproduzent Afrikas. Dennoch leben die meisten Bewohner des ölreichen Nigerdeltas in bitterer Armut.

  • afp
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