Shell in Nigeria: 70 Millionen Euro für nigerianische Fischer

Energie

Shell in Nigeria
70 Millionen Euro für nigerianische Fischer

Ende eines jahrelangen Streits: Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell entschädigt nach Umweltverschmutzungen in Nigeria 15.600 Fischer und Bauern – und geht so einem Gerichtsprozess aus dem Weg.
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LondonDer Ölkonzern Shell zahlt Fischern und Bauern im Nigerdelta eine Entschädigung von rund 70 Millionen Euro. Der britisch-niederländische Konzern und die Anwälte von mehr als 15.000 nigerianischen Dorfbewohnern legten damit außergerichtlich den Streit über die Folgen von zwei Ölkatastrophen im Jahr 2008 bei, wie beide Seiten am Mittwoch in London mitteilten.

Den Angaben zufolge zahlt die nigerianische Tochter des Unternehmens, SPDC, den Fischern und Bauern der im Süden des Landes gelegenen Stadt Bodo umgerechnet fast 45 Millionen Euro. Weitere 25, 5 Millionen Euro erhält die Gemeinde Bodo, wie Shell und das Anwaltsbüro Leigh Day in London erklärten. SPDC verpflichtete sich zudem zur Reinigung der verschmutzten Gebiete, die in zwei bis drei Monaten beginnen soll.

Jeder der rund 15.600 betroffenen Kläger erhält 2800 Euro, was der Zahlung des nigerianischen Mindestlohns über einen Zeitraum von rund drei Jahren entspricht. Mit der Einigung endet ein dreijähriger Rechtsstreit. Ein Prozess vor dem Obersten Gericht in London, der im Mai 2015 hätte beginnen sollen, wurde damit abgewendet.

Nach Angaben der Anwälte der Betroffenen verschmutzte aus einer Pipeline auslaufendes Öl im Jahr 2008 zwei Mal die Umwelt so sehr, dass Bauern und Fischer ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt wurden. Demnach liefen insgesamt rund 600.000 Barrel Öl aus. Shell räumte im Jahr 2011 seine Verantwortung ein.

Shell hatte zunächst weniger bezahlen wollen, doch unter dem Druck von Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International räumte der Konzern ein, dass mehr Öl ausgelaufen sei als die ursprünglich vom Konzern angegebenen 4000 Barrel.

Martyn Day von dem auf Umwelt spezialisierten britischen Anwaltsbüro Leigh Day äußerte Genugtuung über die Einigung. Zugleich kritisierte er, dass der Konzern den Kompromiss über Jahre in die Länge gezogen habe.

Shell muss außerdem unter Aufsicht eines ehemaligen niederländischen Botschafters in Nigeria die vom Öl verseuchte Region säubern. Der nigerianische Umweltschützer Ako Amadi sagte, es werde mindestens zehn Jahre dauern, den vorherigen Zustand wieder herzustellen.

Amnesty International schätzt, dass es an Pipelines in Nigeria jährlich Hunderte von Lecks gibt. Grund sei die starken Korrosion der Leitungen, die schlechte Wartung der Infrastruktur durch Firmen wie Shell oder das italienische Unternehmen Eni sowie Sabotage und Diebstahl.

Nigeria ist der größte Ölproduzent Afrikas. Dennoch leben die meisten Bewohner des ölreichen Nigerdeltas in bitterer Armut.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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