Energie

Shell, Total, Exxon Mobil, Chevron Die Gewinnmaschinen sind zurück

Big Oil ist wieder groß im Geschäft: Die Gewinne von Shell, Exxon und Co. sprudeln, die Kassen füllen sich wie in Rekord-Jahren. Doch wer jetzt in Übermut verfällt, läuft schnurstracks in die nächste Krise. Eine Analyse.
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Shell-Plattform in der Nordsee: Bei den Öl-Multis sprudeln die Gewinne. Quelle: AFP
Big Oil

Shell-Plattform in der Nordsee: Bei den Öl-Multis sprudeln die Gewinne.

(Foto: AFP)

DüsseldorfStellen streichen, Beteiligungen verkaufen, Aufträge stornieren: Seit drei Jahren befinden sich die größten Ölkonzerne der Welt im Sparrausch. Um die schwerste Branchenkrise seit mehreren Jahrzehnten zu überwinden, drücken Multis wie Exxon Mobil oder Shell überall die Kosten. Es ist eine Kürzungsorgie mit unvorstellbaren Summen. So hat die globale Öl- und Gasindustrie beispielsweise seit dem Ölpreisverfall im Sommer 2014 gut eine Billion Dollar an ursprünglich angedachten Investitionen zusammengestrichen. Mehr als 440.000 Mitarbeiter haben ihre Jobs verloren.

Nun zeigt die eiserne Kostendisziplin der Ölkonzerne aber endlich Wirkung. Die Schulden schrumpfen, die Umsätze steigen und die Margen schnellen wieder empor. Die Halbjahreszahlen der Multis belegen eindrucksvoll: Die Gewinnmaschinen sind zurück. Big Oil feiert das lange ersehnte Comeback.

Allein die vier Branchenriesen Shell, Total, Exxon Mobil und Chevron haben ihre Umsätze binnen der ersten sechs Monate dieses Jahres auf zusammengerechnet 421 Milliarden Dollar in die Höhe geschraubt. Das ist ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn des Quartetts hat sich mehr als verdreifacht – auf gut 21,4 Milliarden Euro. Und Shell verdient im Tagesgeschäft sogar erstmals wieder so gut wie vor der Krise. Der operative Cashflow des britisch-niederländischen Ölkonzerns hat sich im Vergleich zum Vorjahr versiebenfacht – auf 20,8 Milliarden Dollar.

Diese Männer wollen den Ölpreis bestimmen
Treffen der Opec
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Treffen der Opec in Istanbul. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) würden die Fördermenge gerne begrenzen. Im September 2016 hatte das Ölkartell auch einen entsprechenden Plan verkündet. Passiert ist seitdem aber wenig. Die Skepsis wächst, dass es überhaupt zu einem Abkommen kommt. Diese Männer ringen um eine Einigung.

Saudi-Arabien
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Khalid al-Falih ist seit Mai 2016 Ölminister von Saudi-Arabien – und damit ein mächtiger Mann. Sein Land ist der wichtigste Akteur im Ölgeschäft. Doch auch den Scheichs macht der niedrige Ölpreis zu schaffen.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 158 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 266 Milliarden Barrel

Venezuela
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Der venezolanische Öl- und Bergbauminiser Eulogio del Pino. Vor einigen Jahren überholte Venezuela Saudi-Arabien, was die größten Öl-Reserven der Welt angeht.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 36 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 301 Milliarden Barrel

Die folgenden Teilnehmer des OPEC-Treffens sind nach den Öl-Reserven ihrer Heimatländer sortiert. Quelle: OPEC

Iran
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Der iranische Öl-Minister Bijan Namdar Zanganeh. Im Handelsblatt-Interview hatte er schon früh die Position seines Landes deutlich gemacht, sobald die Sanktionen gegen das Land aufgehoben sind: „Wir wollen schrankenlos Öl und Gas exportieren“

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 27 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 158 Milliarden Barrel

Irak
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Adil Abd Al-Mahdi war bis 2016 irakische Ölminister. Auf ihn folgte Jabbar Ali Hussein Al-Luiebi.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 54 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 143 Milliarden Barrel

Kuwait
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Der Finanz- und Ölminister Kuwaits: Anas Khaled Al-Saleh.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 49 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 101 Milliarden Barrel

Vereinige Arabische Emirate
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Der Energie- und Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed Al-Mazrouei.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 52 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 98 Milliarden Barrel

„Der Ölpreis lag im ersten Quartal um 61 Prozent und im zweiten Quartal um zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. Von diesem Preisanstieg haben die Ölkonzerne klar profitiert“, sagte Cornelia Meyer dem Handelsblatt. Bemerkenswert findet die unabhängige Londoner Energieberaterin, dass sowohl das Upstream-Geschäft (Exploration und Produktion) als auch das Downstream-Geschäft (Raffinerien und Tankstellen) zu den gestiegenen Erträgen bei den Multis beigetragen haben. „Das zeigt, dass die Konzerne in allen Bereichen deutlich effizienter geworden sind“, analysiert Meyer.

Auch John Feddersen sieht die Konzerne auf einem guten Weg, die Krise der vergangene Jahre zu überwinden. „Viele der großen Ölmultis haben es in der Tat geschafft, ihre Kosten drastisch zu senken“, sagte der Chef des britischen Analysehauses Aurora Energy Research dem Handelsblatt. Doch Feddersen mahnt auch vor zu viel Euphorie. Schließlich ist ein Barrel Rohöl (159 Liter) mit einem Preis von derzeit weniger als 52 Dollar weiterhin nur noch halb so viel wert wie Anfang 2014. 

Bei diesem Preisniveau verdient bei der Ölförderung „keiner der Multis richtig viel Geld“, erklärt Feddersen. Den Großteil der Gewinne erzielen die Konzerne derzeit mit ihrem Downstream-Geschäft. Unternehmen die dagegen vorwiegend im Upstream-Bereich aktiv sind, leiden weiterhin. „Die Aktie von Anadarko hat beispielsweise im Jahresverlauf 30 Prozent verloren“, sagt Feddersen.

Das Umfeld bleibt also weiterhin schwierig. Dass der Ölpreis bald deutlich anzieht, glaubt in den Konzernzentralen in London, Paris und Irving (Texas) kaum jemand. Die Chefs von Shell, Total und Exxon Mobil schwören ihre Mannschaften daher auf einen dauerhaft niedrigeren Ölpreis ein.

Der Übermut von heute ist der Verlust von morgen
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