Energie

Shell und der milliardenschwere SS-Kahn
Altes Schiff, neuer Name

Große Kritik mit Wirkung: Ölgigant Shell ist wegen des Namens eines beauftragten Arbeitsschiffs unter Druck geraten. Es war nach einem Ex-Mitglied der Waffen-SS benannt. Nun dreht die Reederei bei.
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LondonAm Ende war der Druck wohl zu groß. Monatelang hatten Initiativen in den Niederlanden eine Umbenennung des etwa drei Milliarden Dollar teuren Arbeitsschiffes „Pieter Schelte“ gefordert, doch dessen Reeder Edward Heerema war stur geblieben.

Doch als nun das Schiff vom Ölgiganten Shell auserkoren wurde, vier riesige Ölfelder des Megafeldes Brent in der Nordsee zu verschrotten, sah sich Heerema neuerlich massiver Kritik vor allem jüdischer Organisationen ausgesetzt. Denn Pieter Schelte war nicht nur ein brillanter Erfinder und Vater von Heerema – sondern auch im Zweiten Weltkrieg zeitweise Mitglied in der Waffen SS, was öffentlichen Protest an der Namensgebung provozierte.

Offen forderte Vivian Wineman, Vorsitzende der jüdischen Vereinigung in Großbritannien, Shell und die britische Regierung auf, darauf zu bestehen, dass das Schiff umbenannt werden müsse. Ein Sturm der Entrüstung der Heeremas Firma Allseas nun zum Einlenken bewog. „Es sei nie seine Absicht gewesen, jemanden zu verärgern“, entschuldigte sich der Niederländer.

Es ist ein später Befreiungsschlag, der vor allem Shell aufatmen lassen dürfte. Shell-Boss Ben van Beurden hatte diesmal nichts falsch machen wollen. Um vier riesige Ölfelder des Megafeldes Brent in der Nordsee zu verschrotten, hatte der britische niederländische Ölgigant Shell penibel darauf geachtet, dass es bei der diese Woche angelaufenen Aktion nicht wie vor 20 Jahren zu einer Auseinandersetzung mit Umweltschützern kommt, als die geplante Versenkung der Plattformen öffentlichen Protest provozierte.

Extra orderte der britische-niederländische Konzern für das neue Mammutprojekt das Monsterschiff von nie gesehenen Ausmaßen, um die tausenden Tonnen Stahl umweltschonend an Land zu schreddern. Doch ausgerechnet der Namenszug auf der etwa drei Milliarden Dollar teuren „Pieter Schelte“, sorgte nun kurzzeitig dafür, was Shell unter allen Umständen zu vermeiden suchte: einen Eklat.

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Kommentare zu " Shell und der milliardenschwere SS-Kahn: Altes Schiff, neuer Name"

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  • Thank you Carsten Herz.
    I enjoyed reading your article. Is this what is called Jewish-Zionist revenge - an eye for an eye - or maybe financial Jewish power? Maybe the ship should be renamed to 'General Ariel Sharon' because "he was so kind to Palestinian civilians in refugee camps" ! Or, maybe my comment is too sarcastic.

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