Energie

Siemens im Bieterkampf
Alstom-Chef geht auf Kaeser zu

Alstom-Chef Kron will die Wogen im Bieterkampf zwischen Siemens und General Electric glätten. Es habe ein „herzliches“ Telefonat gegeben, in dem Kron Siemens-Chef Kaeser ein „transparentes Vorgehen“ zugesichert habe.
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ParisIm Bieterkampf um Alstom will dessen Konzernchef Patrick Kron offenbar den Streit mit dem Kaufinteressenten Siemens entschärfen. In einem Telefonat mit Siemens-Chef Joe Kaeser habe Kron am Montag beim Verkauf der Alstom-Energiesparte ein vollkommen „transparentes“ Vorgehen zugesichert, verlautete am Montag aus informierten Kreisen. Zuvor hatten der französische Konzern und der deutsche Industrie-Riese in Briefen an die jeweils andere Seite gegenseitig schwere Vorwürfe erhoben. Siemens will ebenso wie der US-Konkurrent General Electric die Alstom-Energiesparte übernehmen.

Kron und Kaeser hätten in einem „herzlich“ geführten Telefonat über die Absicht von Siemens gesprochen, in einen „Prozess“ um eine solche Übernahme einzusteigen, verlautete aus den informierten Kreisen. Kron habe zugesagt, „dass Alstom diesen 'Prozess' strikt transparent organisieren wird, genauso, wie es bei General Electric gehandhabt wurde“.

Der Alstom-Verwaltungsrat hatte sich vergangene Woche für das Angebot von General Electric ausgesprochen, der US-Konzern will für die Energiesparte des französischen Unternehmens 12,35 Milliarden Euro zahlen. Siemens kann aber noch in den kommenden Wochen ein eigenes ausformuliertes Angebot vorlegen. Siemens hat bereits Interesse an einem Kauf der Alstom-Energiesparte angemeldet und bewertet diese bislang mit bis zu elf Milliarden Euro. Alstom baut unter anderem Kraftwerke und den Hochgeschwindigkeitszug TGV und will sich künftig ganz auf das Schienengeschäft konzentrieren.

Der Bieterkampf führte zu viel bösem Blut zwischen Siemens und Alstom. Der deutsche Konzern warf Kron vor einer Woche in einem Schreiben eine "mangelnde Kooperation" vor. Kron sei an einem "direkten Dialog" über das mögliche Geschäft mit Siemens nicht interessiert gewesen. Der französische Konzernchef reagierte am Wochenende in einem Brief an Kaeser, in dem er laut deutschen Medien von "unfairen Äußerungen" von "Kollegen" des Siemens-Chefs spricht. Er wolle diesen Vorwürfen "stark widersprechen".

Der deutsche Konzernbetriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall haben nun in dem Bieterkampf eine faire Standortpolitik gefordert. „Es bedarf der Gleichbehandlung der verschiedenen deutschen und internationalen Standorte, um ein gegenseitiges Ausspielen der betroffenen Regionen und Länder zu vermeiden“, hieß es in einer Mitteilung vom Montag. Siemens und General Electric haben Interesse an dem Konzern.

Die bisherigen Informationen reichen aus Betriebsratssicht nicht aus, um einen Favoriten zu nennen: „Ausschlaggebende Kriterien für eine solche Entscheidung sind in erster Linie die Perspektiven einer möglichst nachhaltigen Unternehmenspolitik und Arbeitsplatzsicherung an den weltweiten Standorten der beteiligten Unternehmen.“

Derweil wurde der Vorstandsvorsitzende von Alstom Deutschland mit Sitz in Mannheim, Alf Henryk Wulf, im Amt bestätigt. Sein Vertrag wurde um weitere drei Jahre verlängert. „Gerade vor dem Hintergrund eines schwierigen Umfeldes in der Energiewirtschaft ist die Verlängerung des Vertrages ein besonderer Vertrauensbeweis des Unternehmens“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Mangold.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Siemens im Bieterkampf: Alstom-Chef geht auf Kaeser zu "

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  • Zitat : Es habe ein „herzliches“ Telefonat gegeben


    Ohne einer Due-Diligence-Prüfung geht nichts : da kann es sogar intime Telefonate geben.....die nützen in diesem Fall nichts !

    Finger weg von einem maroden Franzosenladen !

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