Energie

SMA Solar

Ein Börsenliebling verliert an Glanz

Massiver Preisdruck zwingt den Wechselrichterhersteller SMA Solar zu Einschnitten. Der TecDax-Konzern schließt sein zweitgrößtes Werk, streicht hunderte Stelle und verkauft die Bahntechniksparte. Die Aktie bricht ein.
Der Solartechnikhersteller schließt seine Produktionsstandorte in Denver und Kapstadt. Quelle: dpa
SMA Solar

Der Solartechnikhersteller schließt seine Produktionsstandorte in Denver und Kapstadt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIn der Gunst der Anleger stand Pierre-Pascal Urbon bis vor wenigen Tagen noch ganz oben. Schließlich bescherte der Chef des Wechselrichterherstellers SMA Solar seinen Aktionären alleine im vergangenen Jahr einen Kursanstieg von rund 238 Prozent. Nach zwei Jahren mit tieforten Zahlen schaffte er mit SMA 2015 den Turnaround und schüttete seinen leidgeplagten Anteilseignern erstmals wieder eine Dividende aus. Doch nun geht es an der Börse bergab.

Der Aktienkurs von SMA bricht ein. Am Donnerstag betrug das Minus zwischenzeitlich fast neun Prozent. Lag der Kurs Anfang des Jahres noch bei mehr als 50 Euro pro Aktie, sind es heute nicht einmal 37 Euro. Auf den ersten Blick wirkt die Reaktion des Kapitalmarktes übertrieben. Denn SMA steigerte seinen Umsatz von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf rund 494 Millionen Euro. Der Vorstand bekräftigte zudem seine Prognose. Im Gesamtjahr will SMA mehr als eine Milliarde Euro Umsatz und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 80 und 120 Millionen Euro erwirtschaften. Aber zwei Ankündigungen schockieren die Anleger.

So groß sind die Solar-Marktführer
Platz 15: Solarworld (Deutschland)
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Solarworld-Chef Frank Asbeck ist der letzte Überlebende aus der Glanzzeit der deutschen Solarindustrie. Während beinahe alle anderen heimischen Photovoltaikkonzerne in den vergangenen Jahren im Kampf gegen die asiatische Billigkonkurrenz pleitegingen, existiert die Firma des Bonner Ökopioniers immer noch. Dennoch ist die Zukunft von Solarworld ungewiss. Ein 770-Millionen-Dollar schwerer Rechtsstreit mit dem Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor bedroht den Fortbestand des Unternehmens. Die drei Fabriken von Solarworld liefen 2015 ungeachtet der Klage aber auf Hochtouren. Nach Berechnungen des Analysehauses IHS produzierte Solarworld Paneele mit einer Kapazität von mehr als tausend Megawatt.

Jahresproduktion: 1.117 Megawatt

Platz 14: REC Group (Norwegen)
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Neben Solarworld ist REC die größte verbliebene Photovoltaik-Marke in Europa. Richtig europäisch ist REC freilich nicht. Das Unternehmen hat zwar seinen Hauptsitz in Norwegen, aber produziert wird vorrangig in Singapur. Anfang 2015 wurde REC zudem von der Elkem Group übernommen. Elkem ist eine Tochter des chinesischen Konzerns Bluestar und stellt Silizium her – das Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Photovoltaikzellen. REC beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von rund 755 Millionen Dollar.

Jahresproduktion: 1.188 Megawatt

Platz 13: Sunpower (USA)
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Amerikas zweitgrößter Photovoltaikkonzern ist 2015 wieder in die roten Zahlen gerutscht. Bei einem Umsatz von rund 1,4 Milliarden Dollar meldet Sunpower Verluste in der Höhe von fast 300 Millionen Dollar. 2016 soll es aber wieder aufwärts gehen. Das kalifornische Unternehmen rechnet mit Erlösen von bis zu drei Milliarden Dollar. Sunpower fertigt nicht nur Module, sondern errichtet und betreibt auch eigene Solarparks. In Deutschland erlangte der Konzern als Haupt- und Trikotsponsor des Fußballvereins Bayer 04 Leverkusen Bekanntheit. Die Partnerschaft endete 2013 aber bereits nach zwei Jahren, weil Sunpower wirtschaftlich in Probleme geriet.
Jahresproduktion: 1.253 Megawatt

Platz 12: Shanghai Aerospace Automobile (China)
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In keinem anderen Land der Welt werden so viele Solarmodule hergestellt und Photovoltaikanlagen ans Stromnetz angeschlossen wie in China. Das Reich der Mitte hat Deutschland 2015 als größte Solarnation abgelöst. Und kein Land schickt sich derzeit an, China wieder vom Thron zu stoßen. Im Gegenteil. Bis 2020 will die Staatsregierung in Peking die Solarkapazitäten sogar auf 143 Gigawatt ausbauen. Das wäre eine Verdreifachung der bisherigen Kapazitäten. Einer der größten Profiteure der fernöstlichen Ökorevolution ist schon jetzt die chinesische Firma Shanghai Aerospace Automobile.

Jahresproduktion: 1.282 Megawatt

Platz 11: Risen Energy (China)
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In der ostchinesischen Provinz Zheijang ist Risen Energy beheimatet. Das Unternehmen wurde 1986 gegründet und beschäftigt aktuell etwa 3000 Mitarbeiter. Seine Solarmodule verkauft Risen überwiegend direkt im Reich der Mitte. Einen Grund daran etwas zu ändern, gibt es ohnehin nicht. Schließlich wächst der chinesische Solarmarkt aktuell um gut 48 Prozent pro Jahr.

Jahresproduktion: 1.292 Megawatt

Platz 10: EGing PV (China)
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Allein 2015 war der chinesische Markt für 32 Prozent der weltweit neu installierten Photovoltaikkapazität verantwortlich. Von diesem gigantischen Wachstum profitiert auch die Firma EGing PV überproportional. Das Unternehmen existiert seit 2003 und ist in Schanghai an der Börse notiert. Das Geschäftsmodell der chinesischen Firma umfasst nach eigenen Angaben die Produktion sämtlicher Solarprodukte – von Ingots, Wafern und Zellen bis hin zu Photovoltaikmodulen und der kompletten Errichtung von Solaranlagen.

Jahresproduktion: 1.324 Megawatt

Platz 9: GCL (China)
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Von den 15 weltgrößten Solarkonzernen kommen gleich zehn Unternehmen aus China. Die Staatsregierung rief vor mehr als einem Jahrzehnt zum Aufbau einer eigenen Photovoltaikindustrie auf. GCL zählt zu den führenden Modulproduzenten in China und könnte künftig noch größer werden. Der Konzern ist zuletzt bei dem angeschlagenen Konkurrenten Chaori Solar eingestiegen.

Jahresproduktion: 1.722 Megawatt

Erstens weist Konzernboss Urbon erstmals ausdrücklich darauf hin, dass ein Ergebnis von 120 Millionen in 2016 „ambitioniert ist“. Wahrscheinlich deutlich zu ambitioniert. Und zweitens ist keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil. „Der Markt hat in den letzten Wochen eine deutliche Veränderung erfahren“, sagte SMA-Chef Urbon dem Handelsblatt. Weil der chinesische Solarmarkt kollabiere, kommen die Preise für Wechselrichter „massiv ins Rutschen“, so Urbon. Der Manager rechnet damit, dass sich der Preisdruck 2017 noch weiter verschärfen wird und asiatische Wettbewerber infolge eines reduzierten Zubaus von Photovoltaikanlagen in China, ihre Produkte zu Spottpreisen auf dem Weltmarkt verramschen.

„Wir reagieren umgehend und proaktiv darauf, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärte Urbon. Konkret macht der SMA-Chef das zweitgrößte Werk des Konzerns in Denver (USA) mit fast 300 Mitarbeitern sowie eine kleine Fabrik in Kapstadt (Südafrika) dicht. Den Geschäftsbereich Railway Technology, in dem etwa 165 Mitarbeiter Umrichter für die Energieversorgung von Zügen und U-Bahnen herstellen, will Urbon verkaufen. Der Personalstand des Gesamtkonzerns soll von aktuell etwa 3500 Mitarbeitern bis Mitte 2017 auf gut 2900 Beschäftigte reduziert werden.

Arash Roshan Zamir hält die Maßnahmen von SMA-Chef Urbon zwar prinzipiell für richtig. „Aber das ist eine relativ kurzfristige Medizin“, sagte der Analyst von Warburg Research dem Handelsblatt. „Wir befürchten, dass es zunehmend schwieriger wird für SMA weitere Fixkosten einzusparen.“ Schließlich hat das Unternehmen künftig nur mehr in Kassel und China Produktionsstandorte. Und in den vergangenen drei Jahren hat SMA bereits gut 1400 Stellen gestrichen.
„Einem anhaltenden Preisdruck wird SMA zukünftig wohl nur über eine kontinuierliche Reduktion der variablen Kosten entgegentreten können“, sagt Roshan Zamir. Im Schnitt fallen die Preise für Solartechnikprodukte wie Wechselrichter, die Gleichstrom aus Photovoltaikanlagen in Wechselstrom für die Steckdose umwandeln, jährlich um mehr als zehn Prozent.

SMA-Boss Urbon will nun gezielt in neue Technologien investieren und kündigte weitere Produktinnovationen an. Dadurch soll die Weltmarktführerschaft des Unternehmens mit Sitz in Niestetal bei Kassel gefestigt werden. Urbon betonte zudem, dass die Perspektive für jene Wechselrichterhersteller, die die derzeitige Konsolidierungsphase überleben, sehr gut sei. „Photovoltaikstrom wird noch vor Ende des Jahrzehnts voll wettbewerbsfähig mit Windenergie an Land sein“, erklärte Urbon. Dadurch würden sich „völlig neue Wachstumschancen“ ergeben.

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