Energie

SMA Solar
Ein Börsenliebling verliert an Glanz

Massiver Preisdruck zwingt den Wechselrichterhersteller SMA Solar zu Einschnitten. Der TecDax-Konzern schließt sein zweitgrößtes Werk, streicht hunderte Stelle und verkauft die Bahntechniksparte. Die Aktie bricht ein.

DüsseldorfIn der Gunst der Anleger stand Pierre-Pascal Urbon bis vor wenigen Tagen noch ganz oben. Schließlich bescherte der Chef des Wechselrichterherstellers SMA Solar seinen Aktionären alleine im vergangenen Jahr einen Kursanstieg von rund 238 Prozent. Nach zwei Jahren mit tieforten Zahlen schaffte er mit SMA 2015 den Turnaround und schüttete seinen leidgeplagten Anteilseignern erstmals wieder eine Dividende aus. Doch nun geht es an der Börse bergab.

Der Aktienkurs von SMA bricht ein. Am Donnerstag betrug das Minus zwischenzeitlich fast neun Prozent. Lag der Kurs Anfang des Jahres noch bei mehr als 50 Euro pro Aktie, sind es heute nicht einmal 37 Euro. Auf den ersten Blick wirkt die Reaktion des Kapitalmarktes übertrieben. Denn SMA steigerte seinen Umsatz von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf rund 494 Millionen Euro. Der Vorstand bekräftigte zudem seine Prognose. Im Gesamtjahr will SMA mehr als eine Milliarde Euro Umsatz und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 80 und 120 Millionen Euro erwirtschaften. Aber zwei Ankündigungen schockieren die Anleger.

Erstens weist Konzernboss Urbon erstmals ausdrücklich darauf hin, dass ein Ergebnis von 120 Millionen in 2016 „ambitioniert ist“. Wahrscheinlich deutlich zu ambitioniert. Und zweitens ist keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil. „Der Markt hat in den letzten Wochen eine deutliche Veränderung erfahren“, sagte SMA-Chef Urbon dem Handelsblatt. Weil der chinesische Solarmarkt kollabiere, kommen die Preise für Wechselrichter „massiv ins Rutschen“, so Urbon. Der Manager rechnet damit, dass sich der Preisdruck 2017 noch weiter verschärfen wird und asiatische Wettbewerber infolge eines reduzierten Zubaus von Photovoltaikanlagen in China, ihre Produkte zu Spottpreisen auf dem Weltmarkt verramschen.

„Wir reagieren umgehend und proaktiv darauf, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärte Urbon. Konkret macht der SMA-Chef das zweitgrößte Werk des Konzerns in Denver (USA) mit fast 300 Mitarbeitern sowie eine kleine Fabrik in Kapstadt (Südafrika) dicht. Den Geschäftsbereich Railway Technology, in dem etwa 165 Mitarbeiter Umrichter für die Energieversorgung von Zügen und U-Bahnen herstellen, will Urbon verkaufen. Der Personalstand des Gesamtkonzerns soll von aktuell etwa 3500 Mitarbeitern bis Mitte 2017 auf gut 2900 Beschäftigte reduziert werden.

Arash Roshan Zamir hält die Maßnahmen von SMA-Chef Urbon zwar prinzipiell für richtig. „Aber das ist eine relativ kurzfristige Medizin“, sagte der Analyst von Warburg Research dem Handelsblatt. „Wir befürchten, dass es zunehmend schwieriger wird für SMA weitere Fixkosten einzusparen.“ Schließlich hat das Unternehmen künftig nur mehr in Kassel und China Produktionsstandorte. Und in den vergangenen drei Jahren hat SMA bereits gut 1400 Stellen gestrichen.
„Einem anhaltenden Preisdruck wird SMA zukünftig wohl nur über eine kontinuierliche Reduktion der variablen Kosten entgegentreten können“, sagt Roshan Zamir. Im Schnitt fallen die Preise für Solartechnikprodukte wie Wechselrichter, die Gleichstrom aus Photovoltaikanlagen in Wechselstrom für die Steckdose umwandeln, jährlich um mehr als zehn Prozent.

SMA-Boss Urbon will nun gezielt in neue Technologien investieren und kündigte weitere Produktinnovationen an. Dadurch soll die Weltmarktführerschaft des Unternehmens mit Sitz in Niestetal bei Kassel gefestigt werden. Urbon betonte zudem, dass die Perspektive für jene Wechselrichterhersteller, die die derzeitige Konsolidierungsphase überleben, sehr gut sei. „Photovoltaikstrom wird noch vor Ende des Jahrzehnts voll wettbewerbsfähig mit Windenergie an Land sein“, erklärte Urbon. Dadurch würden sich „völlig neue Wachstumschancen“ ergeben.

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