Energie

SMA Solar
Vorsichtiger Optimismus nach der Talfahrt

Nach zwei Jahren in den roten Zahlen wagt SMA Solar einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Photovoltaikbranche steht dabei vor einem großen Umbau.
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Wenn es ganz schlimm kommt, sorgt jede kleine Trendwende für Hoffnung. „Wir werden im ersten Quartal einen deutlich höheren Umsatz erreichen als im Jahr zuvor“, zeigte sich Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon vorsichtig optimistisch.

Die voraussichtlich 210 bis 230 Millionen Euro Umsatz und der Auftragsbestand von 150 Millionen Euro „ergeben schon fast die Hälfte des Umsatzes, den wir dieses Jahr erreichen wollen“, sagte Urbon bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Er peilt für das Gesamtjahr einen Umsatz von 730 bis 770 Millionen Euro an.

Beim weltgrößten Hersteller von Wechselrichtern aus Niestetal bei Kassel, der jahrelang nur auf Erfolgskurs war, ist neue Bescheidenheit eingekehrt. Vor zwei Jahren stürzte das Unternehmen erstmals in die roten Zahlen – und vergrößerte seinen Verlust 2014 vor Zinsen und Steuern Ebit auf 165 Millionen Euro. Nächstes Jahr erwartet Urbon „wieder ein positives Ebit“.

Der Grund für die Talfahrt: Die Preise für Wechselrichter sind im vergangenen Jahr im „zweistelligen Prozentbereich gefallen“. Außerdem sind einstmals wichtige Märkte wie Deutschland drastisch geschrumpft, weil die Solarförderung weiter gesunken ist. So ist der deutsche Markt seit 2010 um rund 75 Prozent eingebrochen. Das bringt das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Photovoltaikbranche in arge Schwierigkeiten.

Es fordert harte Konsequenzen. SMA muss sich von weltweit rund 1.600 der 4.667 Vollzeitmitarbeiter trennen. „Der Umbau ist die größte Veränderung in unserer Unternehmensgeschichte“, sagte Urbon. Er ist froh, dass der Personalabbau schnell und voraussichtlich ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne geht. Rund 1.500 Beschäftigte haben inzwischen ein Abfindungsangebot angenommen.

Kritiker haben immer wieder moniert, dass Urbon zu spät auf die stärkere Konkurrenz auf dem Weltmarkt reagiert hat. Außerdem musste er seine Prognosen in den vergangenen eineinhalb Jahren mehrmals nach unten korrigieren. „Sicherlich hätten wir vielleicht früher reagieren können“, räumte er ein. „Aber wenn wir von vornherein viel vorsichtiger gewesen wären, hätten wir in unseren guten Jahren nicht so schnell wachsen können.“

Urbon ist schon länger dabei, gegenzusteuern. So hat er in den Werken Produktplattformen wie in der Autoindustrie eingeführt, um die Kosten zu senken. Die Ergebnisse der Strategieänderung werden allmählich sichtbar. So hat der neueste kompakte Wechselrichter, der den Solarstrom vom Dach in Wechselstrom für die Steckdose umwandelt, jetzt statt 45 nur noch 16 Bauteile und wiegt nur noch halb so viel wie sein Vorgänger.

Außerdem setzt er auf Kooperationen wie mit dem dänischen Konzern Danfoss, der bei SMA Solar als Großaktionär eingestiegen ist. Durch gemeinsamen Einkauf und zum Teil gemeinsame Produktentwicklung will Urbon alleine in diesem Jahr „zehn bis fünfzehn Millionen Euro“ sparen. Darüber hinaus will er mit anderen Unternehmen strategische Kooperationen eingehen, um künftig komplette Systeme für Solarstrom anzubieten.

Auch die Ansprüche an die chinesische Tochtergesellschaft Zeversolar sind gesunken. Sollte sie einst der Türöffner für den riesigen Solarmarkt China sein. So will Urbon nach zahlreichen Schwierigkeiten und Verlusten sich nur noch „selektiv für Solarprojekte in China bewerben“. Statt dessen setzt er darauf, die einfachen Wechselrichter-Modelle von Zeversolar als günstige Zweitmarke für den Export zu nutzen.

Urbon sieht seine eigene Position in den anhaltend schwierigen Zeiten nicht gefährdet. Sein Vorstandsvertrag läuft noch bis 2017. „Und ich bin voll überzeugt, dass wir die Wende schaffen“, sagte er. Er sei sicher, „dass wir im laufenden Jahr schon einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen Ebitda erzielen“.

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