Solarindustrie: EU weitet Anti-Dumping-Verfahren gegen China aus

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EU weitet Anti-Dumping-Verfahren gegen China aus

Europas Solarindustrie hat mit der Billigkonkurrenz aus China zu kämpfen. Viele Hersteller werfen chinesischen Firmen Preis-Dumping vor. Nun weitet die EU-Kommission ihre Ermittlungen aus.
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BrüsselDie EU-Kommission weitet die Anti-Dumping-Verfahren gegen die chinesische Solarindustrie aus. Neben Herstellern von Solarmodulen, -zellen und -wafern sind nun auch die Produzenten von Solarglas ins Visier der Ermittler von Handelskommissar Karel De Gucht geraten. Nun leiteten sie entsprechende Untersuchungen ein. Das teilte die Kommission mit. Anlass ist eine Beschwerde der Initiative EU ProSun. Sie gebe Hinweise darauf, dass europäische Unternehmen tatsächlich massiv benachteiligt sein könnten, so die Kommission.

Solarglas wird als Spezialglas zur Herstellung von Photovoltaikmodulen verwendet. Weltweit liegt der jährliche Umsatz bei rund 1,2 Milliarden Euro mit der Produktion dieser Spezialgläser, die als Abdeckung für Solarmodule verwendet werden. Die Gläser müssen zum einen resistent gegen Witterungseinflüsse sein und zum anderen möglichst lichtdurchlässig.

Die europäischen Hersteller werfen chinesischen Firmen vor, mit massiven Dumpingpreisen gegen ihre Konkurrenz vorzugehen. Die aktuellen Preise für Solarglas aus China deckten oft nicht einmal die Rohstoffkosten für die Glaserzeugung, heißt es. Seit 2010 hätte China seine Solarexporte in die EU trotz stagnierender Nachfrage verdreifachen können, so die Kritik. Europas Solarindustrie hat schwer zu kämpfen. Allein in Deutschland wurden bereits Tausende Jobs abgebaut, Unternehmen machten dicht. Zuletzt war auch das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld massiv in die Verlustzone geraten.

China hat die Solarwirtschaft zu einer der Schlüsseltechnologien erklärt, die besonders gefördert werden soll. Festgeschrieben ist dies im letzten Fünfjahresplan. Alleine in den Jahren 2010 und 2011 erhielten die Unternehmen Kredite in Höhe von 41 Milliarden Dollar. Mit dem Geld bauten die chinesischen Solarfirmen ihre Kapazitäten massiv aus und förderten zugleich durch Lieferantenkredite ihren Export.

Mit dem nun eingeleiteten Verfahren, laufen nunmehr drei Untersuchungen gegen die chinesische Solarindustrie. Das Antidumpingverfahren gegen Hersteller von Solarwafern, Solarzellen und Solarmodulen läuft seit September 2012, das Antisubventionsverfahren gegen die gleiche Produktgruppe seit November. Die Entscheidung über Strafzölle im ersten Verfahren steht im Juni an. Diese könnten dann drei Monate rückwirkend in Kraft treten.

Chinas Solarindustrie weist die Vorwürfe der Europäer scharf zurück und warnt vor einem Handelskrieg. Dumpingpreise gebe es nicht. Die Behörden in den USA sehen dies allerdings anders. Dort wurden bereits Strafzölle von bis zu 250 Prozent auf Importe aus China verhängt.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

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  • Und warum sollte China das interessieren? Wenn überhaupt, fällt maximal Deutschland als Markt weg. Was an sich auch unwahrscheinlich ist.

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