Energie

Solarworld
Ein Pleitier wagt den Neustart

Solarworld-Gründer Frank Asbeck kauft mit Geld aus Katar die deutschen Fabriken seines insolventen Photovoltaikkonzerns. Die Gläubiger stimmten seinem Rettungskonzept zu. Doch auch die neue Firma ist kaum wettbewerbsfähig.
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BonnNeue Firma, alte Eigentümer: Ausgerechnet Solarworld-Gründer Frank Asbeck kauft mit finanzieller Unterstützung aus Katar die beiden deutschen Fertigungsstätten von Europas einst größtem Photovoltaikkonzern aus der Insolvenzmasse. Die Gläubiger des Pleitekonzerns stimmen dem Konzept von Asbeck am Freitag mehrheitlich zu. Auch das Bundeskartellamt genehmigte den Deal.

Das neue Unternehmen heißt Solarworld Industries GmbH und wird wieder von Asbeck geführt. Gesellschafter der Firma ist neben Asbeck die Qatar Solar, eine Tochterfirma der Qatar Foundation, die schon vor der Pleite mit 29 Prozent an Solarworld beteiligt war.

Bereits in der kommenden Woche will Asbeck die Produktion von Solarzellen und Modulen wieder hochfahren. Damit behalten zumindest 500 Mitarbeiter an den beiden Fertigungsstätten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt sowie in der Zentrale in Bonn zunächst ihre Jobs. Gut 1200 Beschäftigte verlieren aber gleichzeitig ihren Arbeitsplatz. 

„Ich freue mich, dass es nach zähen Verhandlungen gelungen ist, wieder eine Zukunft für die Solarworld-Fertigungen zu entwickeln. Mit dem Neustart stellen wir sicher, dass in Deutschland weiterhin Solarprodukte auf höchstem Niveau entwickelt und produziert werden“, erklärte Asbeck am Freitag nach der Gläubigerversammlung.

Asbeck will sich mit der neuen Solarworld ausschließlich auf die Herstellung von Premiumprodukten konzentrieren. Künftig sollen nur noch Module auf Basis der sogenannten PERC-Technologie gefertigt werden. Dabei handelt es sich um Hochleistungsmodule mit beidseitiger Energiegewinnung. Dadurch hätten Kunden geringere Kosten pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Allerdings sind in dieser vermeintlichen Nische auch Wettbewerber wie der chinesische Riese Trina Solar aktiv. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal können Experten daher auch bei der neuen Solarworld nicht ausmachen.

„Mir ist daher schleierhaft, welche wirtschaftliche Perspektive es jetzt für diese neue Solarworld geben sollte. Es ist nicht ersichtlich, warum Solarworld mit dezimierter Truppe und geringeren Produktionskapazitäten auf einmal Gewinne generieren soll“, sagt etwa Götz Fischbeck von Smart Solar Consulting.

Durch den Asset-Deal entledigen sich Asbeck und die Kataris zwar von den hohen Schulden von zuletzt mehr als 300 Millionen Euro und einer drohenden Schadensersatzzahlung in Höhe von 800 Millionen Dollar wegen gebrochener Lieferverträge mit dem Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor. Aber Solarworld ist es in den vergangenen Jahren nicht einmal gelungen, vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen profitabel zu wirtschaften, erläutert Fischbeck.

Sicher ist, dass die Aktionäre von Solarworld bei dem Neustart völlig leer ausgehen. Dabei haben die Anteilseigner schon einmal viel Geld mit der Firma verloren. 2013 stand Solarworld schon einmal vor der Pleite. Damals verzichteten die Aktionäre aber auf 95 Prozent ihres Kapitals, um das Unternehmen zu retten. Jetzt verlieren sie alles.

Kommentare zu " Solarworld: Ein Pleitier wagt den Neustart "

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  • Vielleicht tut er sich ja mit Lars Windhorst zusammen, dann können die doppelt so schnell Geld verbrennen.

  • Ein Pleitier wagt den Neustart...
    ein genialer Typ in bin stolz auf meinen Berufstand.

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