Energie

Solarzellen-Hersteller
Insider-Skandal bei Q-Cells

Die Insolvenz von Q-Cells schlug im vergangenen Jahr hohe Wellen - nun entwickelt sich der Fall zum Wirtschaftskrimi. Ein hochrangiger Staatsmanager soll in einen Insiderhandel mit Solaraktien verstrickt sein.
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DüsseldorfEin Insider-Skandal um Subventionen für das Solarunternehmen Q-Cells alarmiert die Landesregierung von Sachsen-Anhalt. Dinnies Johannes von der Osten, der Geschäftsführer einer landeseigenen Beteiligungsgesellschaft, die Q-Cells förderte, hielt zugleich eine verdeckte Beteiligung an dem Solarzellenhersteller. Dies zeigen Geheimverträge, die dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) vorliegen. Der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Hartmut Möllring, fordert nun rasche Aufklärung. „Sofern sich die indirekte Beteiligung von Herrn von der Osten an Q-Cells bestätigen sollte, ist ein Interessenskonflikt offensichtlich“, sagte Möllring dem Handelsblatt und ergänzte: „Das geht auf keinen Fall.“

Mit den Recherchen des Handelsblatts konfrontiert bestätigte von der Osten, dass er bereits bei der Gründung von Q-Cells im Jahr 1999 Anteile an Q-Cells zeichnete – und zwar verdeckt über einen Treuhänder. Im Jahr 2000 beteiligte sich dann unter seiner Verantwortung als Geschäftsführer der IBG das Land Sachsen Anhalt mit 4,1 Millionen Euro an dem Solarzellenhersteller. Er rechtfertigt sich jedoch, er habe weder einem Verbot unterlegen, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, „noch war ich verpflichtet, derartige Beteiligungen mitzuteilen.“

Q-Cells war 2005 an die Börse gegangen und meldete 2012 Insolvenz an. Nach den Verträgen, die dem Handelsblatt vorliegen, hielt von der Osten über die Firma Capitalnetworks.de GmbH zeitweise eine Beteiligung in Höhe von sechs Prozent an Q-Cells. Treuhänder für Captitalnetworks.de war der Aufsichtsratsvorsitzende von Q-Cells, Thomas van Aubel, der zugleich mit von der Osten befreundet war. Beide verdienten mit dem Verkauf von Q-Cells-Aktien jeweils hohe zweistellige Millionenbeträge.

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Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Solarzellen-Hersteller: Insider-Skandal bei Q-Cells"

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  • Zu Recht werden hier Interessenkonflikte angeprangert, die strafrechtlich relevant sein sollten. Gleichzeitig erinnert mich dieser Fall von unverschämter Selbstbedienung an eine von mir selbst besuchte große Praxis für Physiotherapie (GmbH & Co. KG), deren Gesellschafter durchweg Ärzte sind. So ist es ihnen möglich, via Rezept aus ihren Patienten noch mehr herauszuholen. Ich bin mir sicher, dass derartige Gestaltungen in der Summe der durch sie verursachten Schäden (überflüssiges Verordnen von Rezepten zwecks Kundengenerierung) deutlich höher als bei Q-Cells ausfällt. Warum dürfen Ärzte gewerblich tätig sein? Bei Steuerberatern ist das aus guten Gründen untersagt.

  • In der Tat ist nach den bisherigen Darstellungen eine Insiderstraftat nicht sehr nahe liegend. Dennoch wäre das Handeln, wenn es so war, doch sehr bedenklich! Oder finden Sie es normal, wenn ein Bankdirektor an einem Unternehmen beteiligt ist und diese Bank, vertreten durch ebendiesen Bankdirektor, Kredite an genau dieses Unternehmen vergibt, eine Beteiligung des Bankdirektors nicht offengelegt wird und später die Beteiligung an dem Unternehmen dem Bankdirektor ganz privat (und nicht etwa der kreditgebenden Bank) einen Riesengewinne beschert? Ist es nicht völlig egal, ob man zu Höchstkursen verkauft hat oder nur zu einem, sagen wir akzeptablen, Kurs? Genügt nicht schon allein die Tatsache, dass Herr von Osten möglicherweise Kredite nur vergeben hat, weil er selber an dem Unternehmen beteiligt ist/war? Wenn alles kein Problem ist oder war, dann hätte Herr von Osten doch auch seine Beteiligung offen gelegt? Stattdessen hat er seine Beteiligung, so man dem Artikel Glauben schenken kann, verschleiert. Dass er sich hierzu eines anderen Aufsichtsratsmitgliedes bedient, setzt dem Ganzen die Krone des Griffs in die Staatskasse auf. Ja, leben wir denn in einer Bananenrepublik?

  • Heissen Sie zufaellig "von der" Osten oder "van" Aubel?

    Zumindest ich weiss nun, was solche Traeger von Adelstiteln verdienen: Verachtung! Selbst wenn man in diesem Falle juristisch Probleme haben koennte, ein Fehlverhalten zu ahnden, ist es doch eindeutig, dass hier Aemter und Positionen fuer persoenlichen Profit missbraucht wurden. Es bleibt zu hoffen, das die beiden nicht gluecklich werden mit ihrem Geld!

    Also liegen nur Untreue, (Amts?)Missbrauch und Vertragsverletzung vor? Aber vielleicht kann man den beiden Herren doch Insiderhandel nachweissen (Insider bis 18.6.2009). Haben die wirklich keine Aktien ohne DGAP Meldung ge-/verkauft in dieser Zeit? Wie sieht es denn mit naechsten Verwandten (Frau/Kinder) und Bekannten aus?
    In diesem Zusammenhang fragt man sich auch, wie viele Politiker die das EEG beschlossen haben, sich bei diversen Unternehmen beteiligt haben...

    "Dem Land ist kein Schaden entstanden". Aha. Selbst wenn es so waere, so ist dies nicht massgeblich fuer Ahndung einer Straftat. Wie sieht es denn damit aus, dass ANDERE Unternehmen keine Foerderung bekamen und deswegen u.U. Pleite gegangen sind oder nicht so erfolgreich waren? Vielleicht haette sich ein langfristig erfolgreiches Unternehmen mit entsprechenden Arbeitsplaetzen foerdern lassen? Auch dieser Link wirft grosse Fragen auf:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/strukturfoerderung-in-sachsen-anhalt-die-innovationsverhinderer-a-492370.html

    "Im Übrigen haben sich (sic) die Eigentümer weit vor den Höchstständen der Aktie verkauft." Auch dies ist keine Rechtfertigung. Sollte der Aktienkurs auch durch Erwartung weiterer Foerderungen und Verguenstigungen seitens des Landes getrieben worden sein, so wurden massiv zukuenftige Anleger geschaedigt. Anleger, die auch fuer ihre Rente etc. gespart haben.

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