Energie

Sparprogramm
RWE will Stellen in Niedriglohnländer verlagern

Wer Kraftwerke stilllegt, benötigt auch weniger Mitarbeiter. Das ist die einfache Logik von RWE-Chef Peter Terium. Doch auch in weiteren Bereichen werden Jobs wegfallen – und teilweise nach Polen verlagert.
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Frankfurt/Düsseldorf/EssenRWE-Chef Peter Terium macht mit seinen Sparplänen ernst: „Wir werden künftig mit weniger Mitarbeitern auskommen müssen“, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“. „Weil wir gezwungen sind, Kraftwerke stillzulegen, wird der verbleibende Kraftwerkspark von einer entsprechend kleineren Mannschaft gefahren.“ Betroffen seien auch Jobs in „Querschnittsfunktionen“. Wie viele Stellen wegfielen, sei noch offen.

Einige Arbeitsplätze würden auch in andere Länder mit niedrigeren Löhnen verlagert. „Wir fangen mit Pilotprojekten für die Reisekostenabrechnung und im Bereich Rechnungswesen an, die maximal 100 Mitarbeiter betreffen, deren Aufgaben wir künftig im polnischen Krakau erledigen lassen“, sagte Terium der Zeitung weiter. Das sei „ausbaufähig“. Mit den Arbeitnehmer-Vertretern stehe er in einem „intensiven Austausch“ über die Pläne.

Neben dem Stellenabbau will sich RWE einem Medienbericht zufolge von unrentablen Kohlekraftwerken trennen. „RWE beschäftigt sich mit dem Gedanken, einzelne Kohlekraftwerke an Finanzinvestoren zu veräußern, um Geld in die Kasse zu bekommen“, zitiert die „Wirtschaftswoche“ einen RWE-Insider. Die Erlöse wolle das Unternehmen auch zum Schuldenabbau verwenden. Auch am Frankfurter Finanzplatz ist dem Magazin zufolge von RWE-Sondierungsgesprächen mit Finanzinvestoren die Rede. Offen sei allerdings, welche Investoren bereit seien, angesichts der Marktaussichten in das Geschäft mit Kohlekraftwerken einzusteigen.

Den nach Eon zweitgrößten deutschen Energieversorger drücken Schulden in Höhe von 35 Milliarden Euro. Dem Konzern machen zudem wie zahlreichen Konkurrenten die stark gefallenen Großhandelspreise für Strom zu schaffen. Am Donnerstag hatte Terium bereits den Aktionären die Dividende für 2013 auf einen Euro je Aktie halbiert. „Wenn auch die Belegschaft einen großen Teil der Belastungen schultert, dann muss auch der Kapitalmarkt einen Beitrag leisten“, sagte Terium der Zeitung nun. Analysten sehen in der Dividendenkürzung auch eine taktische Finesse, mit der Terium seine Verhandlungsposition gegenüber den Gewerkschaften Verdi und IG BCE verbessert, um Jobabbau und Lohnpausen durchzusetzen – denn so treffe der Sparzwang ebenfalls die Anteilseigner.

Allein die kommunalen Eigentümer, die zusammen rund 24 Prozent halten, müssen durch die Dividendenkürzung Einnahmeausfälle von zusammen rund 150 Millionen Euro verkraften. Der Essener Kämmerer Lars-Martin Klieve sprach von einer „zwar nicht überraschenden, aber dennoch bitteren Nachricht für die Stadt“.

Für die Dortmunder Stadtwerke DSW 21 bedeutet die Kürzung beispielsweise gut 19 Millionen Euro Einnahmen weniger im kommenden Jahr. Die Stadt Mülheim muss auf etwa 10 Millionen Euro verzichten, Essen auf etwa 19 Millionen, wie Sprecher am Freitag vorrechneten. Die Kommunen müssen nun ihrerseits Sparprogramme auflegen. Die Kommunen halten ihre RWE-Aktien allerdings auch zur Standortsicherung und Sicherung von Beschäftigung, wie der Chef der Dortmunder Stadtwerke, Guntram Pehlke, sagte.

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  • RWE zockt die Verbraucher jahrelang mit hohen Strompreisen ab und jetzt, wo die Gewinne nicht mehr so reichlich sprudeln, werden wieder Stellen abgebaut. [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @nixeahnung

    Soso, der Begriff "intitutionelle Investoren" bedeutet also, dass es Angelsachsen gehört. So stellt sich Klein-Fritzi die Wirtschaft vor, vor allem wenn er etwas braun oder rotrot angehaucht ist.

    Schauen Sie doch einfach bei RWE nach, da gibt es eine Seite mit der Aktionärsstruktur. Der grösste Anleger bei REW ist die RWE Beteiligungsgesellschaft der NRW-Kommunen.

  • Im Artikel finde ich keinen einzigen Hinweis auf den Grund für die kritische Lage von RWE. Im Interview mit der WELT dreht sich dagegen alles um ihn: Es ist der subventionierte Grünstrom. Kein Unternehmen kann überleben, wenn der Staat dessen Konkurrenz subventioniert und obendrein dem Kunden vorschreibt, dass er das Konkurrenzprodukt vorrangig kaufen muss.

    Dieselben Leute, die das nicht sehen wollen, beklagen aber, dass deutsche Solarunternehmen keine Chance gegen chinesische hätten, weil diese vom Staat subventioniert würden. Ist das nicht ein wenig schizophren oder zumindest abgrundtief verlogen?

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