Energie

Stadtwerke Neuss
Razzia bei Energieversorger

Verdacht auf Korruption und Untreue: Am Mittwochmorgen durchsuchte ein Großaufgebot von Polizei und Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume der Stadtwerke Neuss. Im Visier der Ermittler: Stadtwerke-Chef Heinz Runde.

DüsseldorfMittwoch, 9 Uhr morgens: Bei den Stadtwerken Neuss meldeten sich zeitgleich an 20 Objekten ungebetene Gäste für eine Visite. Rund 80 Beamte durchsuchten Räumlichkeiten der Stadtwerke Neuss sowie von Privatpersonen in den nordrhein-westfälischen Landkreisen Krefeld, Wesel, Heinsberg und Neuss. Die Ermittler gehen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wuppertal dem Verdacht von Untreue- und Korruptionsstraftaten nach.

Im Visier der Strafverfolgungsbehörde steht vor allem Heinz Runde, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke Neuss. Er soll als Gegenleistung für die Vergabe von Aufträgen durch die Stadtwerke Neuss, von einem Bauunternehmen Bau- und Sachleistungen für sein privates Eigenheim erhalten haben – und damit zum finanziellen Nachtteil der Stadtwerke agiert haben. Das wäre, sofern sich der Vorwurf erhärtet, ein „klassischer Bestechungsfall“, sagte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert dem Handelsblatt. Runde war am Mittwoch für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Seit 2013 führt die Staatsanwaltschaft Wuppertal ein Ermittlungsverfahren. Ein anonymes Schreiben hatte die Behörde auf mögliche Anhaltspunkte für Bestechlichkeit, Untreue und wettbewerbsverzerrende Absprachen bei Ausschreibungen im Zusammenhang mit dem Energieversorger aufmerksam gemacht. Im Juni 2014 gab es deswegen bereits einmal eine Razzia bei den Stadtwerken. „Neu gewonnene Erkenntnisse“, schreibt die Staatsanwaltschaft in einer Presseerklärung, würden jetzt den Verdacht der Bestechlichkeit gegen Heinz Runde, den Hauptbeschuldigten, „verstärken“.

Die Ermittlungen richten sich aber nicht nur gegen den Stadtwerke-Chef, sondern auch gegen weitere Verantwortliche des Unternehmens. Mehrere Personen sollen demnach private Reise- und Bewirtungskosten als betriebliche Ausgaben abgerechnet haben. Zudem sollen in Neuss ansässige Vereine und Einrichtungen über Sponsorenverträge Geld von den Stadtwerken Neuss erhalten haben – ohne entsprechenden Nutzen für den Versorger.

Ein Sprecher der Staatwerke Neuss bestätigte auf Anfrage des Handelsblatts die laufenden Ermittlungen und erklärte, die Arbeit der Behörden „vollumfänglich“ unterstützen zu wollen. Zu konkreten Vorwürfen wollte er mit Verweis auf das laufende Verfahren keinen Kommentar abgeben.

Nach der ersten Razzia bei den Stadtwerken Neuss im Sommer 2014 hat das Unternehmen eine Sonderprüfung der Anschuldigungen durch den Wirtschaftsberater KMPG durchführen lassen. Deren Ergebnis: „Zu den Vorwürfen einer direkten Einflussnahme durch Herrn Runde [..] ergaben sich aus den KMPG zur Verfügung stehenden Informationen keine Hinweise.“ Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert sagte dem Handelsblatt dagegen, der KMPG-Bericht sei „nicht besonders aussagekräftig“.

Die Durchsuchungen wurden in 19 von 20 Objekten bis Mittwochnachmittag beendet. Nur in der Konzernzentrale der Stadtwerke Neuss dauert die Razzia noch an. Aufgrund des Umfangs an Material, dass die Ermittler hier sicherstellen, dürfte die Untersuchung auch am Donnerstag fortgesetzt werden. „Für alle Beteiligten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung“, erklärt Oberstaatsanwalt Baumert. Ob es zu einer Anklage kommt, ist ungewiss. In den nächsten Tagen sollen Beschuldigte und Zeugen vernommen werden. Zu Festnahmen ist es im Zuge der Razzia nach Angaben der Staatsanwaltschaft Wuppertal bis jetzt  nicht gekommen.

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