Energie

Stahlbranche in der Krise
Konsolidierung kommt – nur wann?

Europas Stahlindustrie darbt. Da wundert es nicht, dass Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger erwägt, eine Allianz mit Tata Steel zu schmieden. Das wäre der Anfang einer Konsolidierung der ganzen Branche. Ein Kommentar.
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Europas Stahlindustrie steht vor großen Veränderungen, keine Frage. Zu groß und übermächtig ist der Druck, dem sich die Traditionsbranche gegenübersieht: Überkapazitäten, Preisverfall, Importflut chinesischen Billigstahls und absehbare Belastungen über verschärfte Klimaschutzregeln der EU – jeder einzelne Punkt würde schon ausreichen, den Stahlhütten das Leben schwer zu machen.

Welch Wunder, dass Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger daher raus will aus dem volatilen Stahlgeschäft – es ist ihm einfach zu riskant und zu wenig kalkulierbar. Seit vielen Monaten laufen daher entsprechende Sondierungsgespräche mit der Konkurrenz. Eine mögliche strategische Allianz mit Tata Steel ist derzeit die Option, die am vielversprechendsten ist. Ob sie aber wirklich zustande kommt, hängt noch von vielen Wenns und Abers ab. Fix ist da noch gar nichts.

Zum einen müssen sich die Inder erst einmal – wie angekündigt – von ihrem britischen Stahlgeschäft trennen. Das ist hochdefizitär und hat Tata immer wieder zu Abschreibungen in Milliardenhöhe gezwungen. Doch das wird nicht einfach, angesichts der schwierigen Marktbedingungen überhaupt einen Käufer zu finden. Zumal Tata sich nicht nur trennen will, sondern auch noch Geld kassieren möchte.

Geld, das die Inder brauchen, um die Milliarden zu stemmen, die sie für eine Übernahme der Stahlsparte von Thyssen-Krupp auf den Tisch legen müssen. Denn auch der Essener Industriekonzern wird seine Stahlsparte nicht für lau abgeben, so gern er sich davon auch verabschieden möchte.

Schließlich steht der Bereich mit mehreren Milliarden in den Büchern, Sonderabschreibungen kann sich der Konzern wegen seiner dünnen Eigenkapitaldecke gar nicht erlauben. Hinzu kommen noch hohe Pensionslasten. Thyssen-Krupp wird daher peinlich darauf achten, dass sich Tata erst von seinem britischen Problem trennt, bevor es zu konkreten Verhandlungen kommt.

Auch andere Varianten sind nicht so leicht zu verwirklichen: Immer wieder taucht der Salzgitter-Konzern auf, wenn es um Konsolidierungsspekulationen geht. Doch die Niedersachsen zieren sich und glauben weiter fest daran, allein besser durch die Krise zu kommen. Zumal der größte Anteilseigner, das Land Niedersachsen, darauf pochen wird, dass keine Vereinbarung zu Lasten der Standorte in dem Bundesland getroffen wird. Doch der Sinn von Joint-Ventures, Übernahmen oder Kooperationen ist es nun einmal, dass Kapazitäten stillgelegt werden, um den Preisdruck zu mildern und das Überleben der restlichen Stahlhütten zu sichern.

Ohne eine weitere Reduzierung der Belegschaften wird das nicht gehen. Deshalb reagieren die Gewerkschaften schon misstrauisch auf die Ankündigung solcher Sondierungsgespräche. Auch die Politik dürfte sich einmischen, wenn es um die Entlassung tausender Stahlarbeiter gehen sollte.

Eine Konsolidierung der Stahlindustrie kommt, keine Frage. Aber es können noch Monate ins Land ziehen, bis sich wirklich greifbare Ergebnisse abzeichnen werden.

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