Energie

Stahlkonzern Posco
Gunst der Geografie

Aus dem Nichts ist Posco in wenigen Jahrzehnten zum größten Stahlhersteller aufgestiegen. Verankert in der Boomregion Asien meisterte Posco alle Krise ohne Verluste. Dennoch scheiterten IPOs von Tochterfirmen.
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SeoulDie Südkoreaner lieben und leben Superlative, auch in der Stahlindustrie. Das größte und modernste Stahlwerk der Welt ist natürlich in Südkorea beheimatet, behauptet der Stahlriese Posco. Und mit einer Produktionskapazität von mehr 18 Millionen Tonnen Stahl ist das Werk in der im Süden gelegenen Hafenstadt Gwangyang ist tatsächlich beeindruckend.

Noch stolzer macht die Koreaner nur, dass sie den Aufstieg in die Elite der Stahlwelt in Rekordtempo geschafft haben. "Gegründet im Jahr 1968 nahezu ohne Kapital, Technik und Erfahrung ist Posco in nur drei Dekaden an die Spitze der Stahlwelt aufgestiegen", tönt das Unternehmen auf seiner Homepage.

Tatsächlich haben die Koreaner den Sprung unter die Top-5 sogar in der Hälfte der Zeit geschafft. Allerdings unterschlägt das Unternehmen dabei ein peinliches Detail: Es erfreute sich enormer Starthilfe - und zwar vom einstigen Kolonisator Japan. Und dies kam so:

Südkoreas Diktator Park Chung-Hee wurde in den 1960er Jahren von der Überzeugung angetrieben, dass die Macht einer Industrienation aus seinen Stahlöfen entspringt. Mit dem heute größten Werkzeugmaschinenhersteller Asiens Taegu Tec gründete seine Regierung daher ein Joint Venture. Das notwendige Startkapital lieh er sich vom ehemaligen Kolonisator Japan, die Technik vom Japans Stahlriesen Nippon Steel, zwei wichtige Details, die der Konzern in seiner Selbstdarstellung im Internet verschweigt.

1972 wurde dann bereits die erste Stahlplatte im Stammwerk in der Hafenstadt Pohang gewalzt. Von da an ging es - staatlich protegiert - steil bergauf. Modernste Technik war Posco gerade gut genug. Nach der Privatisierung des Staatsunternehmens im Jahr 2000 folgte dann auch die Expansion ins Ausland. Dabei konzentrierte sich Posco bisher auf Wirtschaftswunderländer wie China, Indien und Vietnam.

Das Resultat: Durch seinen Fokus auf die Boomregion Asien wuchs der Konzern rasant. 2009 war Posco nicht nur der wertvollste Stahlhersteller der Welt. Das Unternehmen hatte auch das Kunststück vollbracht, als einziger Hersteller in den letzten Jahrzehnten keine roten Zahlen geschrieben zu haben, weder in der Asienkrise 1997 noch in der Weltwirtschaftskrise 2008.

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