Energie

Stahlwerk-Elektroden
SGL Carbon wehrt sich gegen Preisdumping

Der hohe Wettbewerbsdruck im Geschäft mit Graphitelektroden verhagelte SGL Carbon zuletzt die Bilanz. Nun will das Unternehmen von BMW-Aktionärin Klatten reagieren - und die Preise erhöhen.
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SGL Carbon will das Preisdumping im Stahlwerk-Ausrüstergeschäft nicht länger mitmachen. Stattdessen verlangt das Wiesbadener Unternehmen für sein wichtigstes Produkt, Graphitelektroden für die Stahlherstellung, künftig deutlich mehr Geld, wie Klaus Unterharnscheidt, Chef der entsprechenden Sparte, in einem am Dienstag veröffentlichten Reuters-Interview sagte. „In einigen Märkten, insbesondere Europa und Asien, also dort, wo der Preiskampf besonders ausgeprägt war, würde die Erhöhung bis zu 30 Prozent ausmachen.“ Vergangene Woche habe die Firma all ihre Kunden über die neuen Verkaufspreise informiert. „Die neuen Preise gelten per sofort, aber die Effekte daraus werden wir erst im kommenden Jahr realisieren können, da die meisten Kontrakte für dieses Jahr bereits gebucht sind.“

Graphitelektroden werden in Hochöfen eingesetzt, die aus Altmetall Stahl zu produzieren. SGL Carbon, nach eigenen Angaben weltgrößter Hersteller dieser Elektroden, kämpft in dem Geschäft aber zunehmend mit der Billigkonkurrenz aus China. Unterharnscheidt verwies zudem auf die Schwäche des Yen, der in den vergangenen Monaten 30 Prozent seines Wertes eingebüßt habe. „Wichtige Wettbewerber von uns in Japan haben damit kurzfristig einen massiven Vorteil.“ Die Folge: Der Konkurrenzkampf wurde zuletzt härter. „Wir erleben gerade einen Preiskampf, der in dieser Form lange nicht mehr stattgefunden hat.“ Der Preisverfall habe im April in kleineren Märkten eingesetzt und sich dann im Mai und Juni verschärft. Mit den geplanten Erhöhungen komme SGL Carbon "in Bereiche von vor April dieses Jahres“. Bei den Preisen sei der Boden erreicht. „Wir werden keine unprofitablen Geschäfte annehmen“, sagte der Spartenchef. Der Zulieferer wolle seinen Marktanteil mittelfristig verteidigen. Gewisse Schwankungen müsse man „sicherlich in Kauf nehmen“.

Unterharnscheidt sagte weiter, der Konzern habe die Produktion gedrosselt und Wartungs- und Modernisierungsarbeiten vorgezogen. „Wir überprüfen natürlich auch unsere weltweit zwölf Standorte, an denen wir Elektroden fertigen.“ Dies sei ein laufender Prozess, „für den wir uns aber kein Enddatum gesetzt haben“. Der Zulieferer für die Stahl- und Automobilindustrie, an dem Volkswagen und BMW nennenswert beteiligt sind, hatte im Juni seine Prognose erneut gesenkt und erwartet jetzt einen Einbruch des Betriebsgewinns um 50 bis 60 Prozent. Deshalb hatte SGL bereits angekündigt, Restrukturierungen zu prüfen, und auch einen Personalabbau nicht ausgeschlossen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Stahlwerk-Elektroden: SGL Carbon wehrt sich gegen Preisdumping"

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  • "Graphitelektroden werden in Hochöfen eingesetzt, die aus Altmetall Stahl zu produzieren"

    Grammatikalisch "hochwertig" und technisch so nicht zutreffend!

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