Energie

Stahlwerk in Brasilien Thyssen-Krupp verkauft seinen teuren Fehlschlag

Thyssen-Krupp beendet sein teures Abenteuer in Amerika: Das Werk in Brasilien geht für 1,5 Milliarden Euro an den Stahlkonzern Ternium. Das passt in die Umbaupläne – beschert Thyssen-Krupp aber einen erneuten Verlust.
Update: 22.02.2017 - 10:55 Uhr Kommentieren
Der Essener Konzern beendet endgültig die verlustträchtige Expansion nach Amerika. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Der Essener Konzern beendet endgültig die verlustträchtige Expansion nach Amerika.

(Foto: dpa)

BerlinNach mehr als einem Jahrzehnt beendet Thyssen-Krupp endgültig die verlustträchtige Expansion seines Stahlgeschäfts nach Amerika. Wie der Essener Konzern am frühen Mittwoch mitteilte, wird das brasilianische Stahlwerk CSA für 1,5 Milliarden Euro an den Konkurrenten Ternium verkauft. „Das ist ein wichtiger Meilenstein beim Umbau von Thyssen-Krupp hin zu einem starken Industriekonzern“, erklärte Vorstandschef Heinrich Hiesinger.

Die gescheiterte Expansion in die USA und nach Brasilien kostete laut Thyssen-Krupp unter dem Strich rund acht Milliarden Euro. „Die Auswirkungen sind bis heute in der Bilanz sichtbar“, räumte das Dax-Unternehmen ein. Auf das Werk in Brasilien werde eine Wertberichtigung in Höhe von 900 Millionen Euro fällig.

Der Verkauf wird negative Auswirkungen auf den Jahresüberschuss haben. Thyssen-Krupp werde einen Jahresverlust ausweisen, sagte Finanzchef Guido Kerkhoff am Mittwoch. Zu dessen Höhe äußerte er sich nicht. Die übrigen Jahresziele für das Geschäftsjahr 2016/17 hätten indes Bestand, betonte er. Der Konzern rechnet unter anderem mit einer Steigerung des bereinigten Ebit auf rund 1,7 Milliarden Euro. Zudem werde die Nettofinanzverschuldung des Konzerns um 1,5 Milliarden Euro verringert, betonte Kerkhoff.

Bei den Anlegern kam der Befreiungsschlag in Brasilien gut an. Die Papiere schossen am Mittwoch um bis zu 6,4 Prozent auf 24,65 Euro nach oben und waren mit Abstand größter Gewinner im Leitindex Dax.

Hiesinger will mehr Geschäfte mit profitableren Industriegütern und Dienstleistungen machen. Thyssen-Krupp erzielt nach eigenen Angaben in diesen Bereich inzwischen einen Umsatz von 75 Prozent. Noch im Jahr 2005 hatte sich das Management entschieden, Stahl billig in Brasilien zu kochen und in den USA und Europa weiterzuverarbeiten und zu verkaufen. Hiesinger stellte das Projekt nach seinem Amtsantritt als Konzernchef 2011 auf den Prüfstand.

Aber auch im europäischen Stahlgeschäft des Konzerns könnte es in Zukunft zu einem Umbruch kommen. Thyssen-Krupp spricht mit dem Konkurrenten Tata Steel über eine Stahlfusion. Der Konzern kämpft mit Gewinnrückgängen in seinem europäischen Stahlgeschäft.

Hiesinger hatte schon einen ersten wichtigen Schritt zur Beendigung des Amerika-Engagements beim Stahl geschafft. Bereits im Jahr 2014 verkaufte Thyssen-Krupp das Stahlverarbeitungswerk in Alabama an Arcelor-Mittal und Nippon Steel. In Brasilien bestanden zunächst Bindungen an den Mitgesellschafter Vale, die im vergangenen Jahr gelöst wurden. Hiesinger erklärte, das Werk sei inzwischen operativ in den schwarzen Zahlen. „Unsere Ausdauer und Beharrlichkeit haben sich gelohnt.“

„Das Weltwunder von Rottweil“
Lösungen für Megacitys
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Bis ins Jahr 2050 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Gebäude schießen deshalb in die Höhe. Anders ist der steigende Platzbedarf in den Megacitys der Welt gar nicht zu bewältigen. Nach einem Bericht des McKinsey Global Institute steigt die Geschossfläche von Gebäuden dadurch allein bis 2025 um schätzungsweise 85 Prozent. Die Menschen möglichst effizient von A nach B zu bringen, ist eine bauliche Herausforderung. Die Lösungen dazu entstehen ab 2016 in Rottweil – im Testturm von Thyssen-Krupp.

Wachablösung nach 700 Jahren
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Unmittelbare Auswirkungen hat das für den Kapellenturm in Rottweil. Das mittelalterliche Bauwerk entzückt schon seit Jahrhunderten kulturhistorischer Besucher in der ältesten Stadt Baden-Württembergs – zudem war der 70 Meter hohe gotische Kirchturm gut 700 Jahre lang das höchste Gebäude der Stadt. Doch diesen Rekord ist er los.

Der Testturm überragt alles
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Die Ausnahmestellung ist dahin, weil Thyssen-Krupp in einem Industriegebiet am Rande der Stadt einen 246 Meter hohen Testturm gebaut hat, der alles überragt.

40 Millionen für den Testturm
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In dem Riesenzylinder will der Industriekonzern seine modernsten Aufzüge testen, um damit im Konkurrenzkampf mit Otis, Schindler oder Kone punkten. 40 Millionen Euro hat Thyssen-Krupp in den Bau seines derzeit größten Testturms rund 90 Kilometer südlich von Stuttgart investiert. Am Montag, 12. Dezember, nahm das Unternehmen offiziell den Forschungsbetrieb auf

Thyssens Ertragsperle
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Der Essener Traditionskonzern gehört zu den großen Aufzugsherstellern der Welt: Rund 7,2 Milliarden Euro setzte die Sparte zuletzt um und ist mit einer Marge in zweistelliger Höhe die Ertragsperle des Konzerns. Sie steuerte mit einem operativen Ergebnis von 860 Millionen Euro zuletzt mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn bei. Bis spätestens 2020 soll die Sparte die Marke von einer Milliarden Euro knacken.

Neun Aufzugsschächte für Tests
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In Rottweil kann Thyssen Krupp seine Aufzüge unter ganz realen Bedingungen überprüfen. Zwölf Schächte sind in dem Testturm eingebaut, davon werden neun für die Tests mit Aufzügen benutzt, deren Höchstgeschwindigkeit 64,8 Kilometer pro Stunde beträgt. Herzstück des Rundturms ist ein aktiver Schwingungstilger – ein 240 Tonnen schwerer Betonblock, der an vier Doppelseilen in 190 Metern Höhe hängt. Dieser Block soll die vom Wind ausgelösten Schwingungen ausgleichen. Gleichzeitig kann er über Motoren aber so aktiviert werden, dass er das Gebäude selbst in Schwingungen versetzt. „Damit können wir das Verhalten eines jeden Gebäudes simulieren, bevor es gebaut wird“, sagte Andreas Schierenbeck, Chef von Thyssen-Krupp Elevator

Aufzüge mit elektromagnetischem Antrieb
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Gleich drei Schächte sind für den „Multi“ reserviert. Bei dem neuen Aufzugskonzept wird auf ein Seil verzichtet, stattdessen bewegt sich der Multi dank eines elektromagnetischen Antriebs. Entlehnt ist das Prinzip aus dem Transrapid, den Thyssen-Krupp zusammen mit Siemens entwickelt hat. Angetrieben von eigenen Motoren können gleich mehrere Kabinen in einem Schacht computergesteuert auf- und abfahren. Der Aufzug fährt nicht nur vertikal sondern kann sich auch seitwärts über mehrere Schächte hinweg bewegen oder Gebäude miteinander verbinden. Bis zu 50 Prozent weniger Fläche erhofft sich Schierenbeck — bei deutlich höheren Kapazitäten.

Der Verkauf von CSA soll laut Thyssen-Krupp bis zum 30. September unter Dach und Fach sein. Die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen. Der Käufer Ternium verfügt über Produktionsanlagen unter anderem in Mexiko, Argentinien, Kolumbien, den USA und Guatemala. Mit Abschluss der Transaktion erhalte Thyssen-Krupp einen „deutlichen Mittelzufluss“, hieß es weiter. Damit wird der Konzern seine Netto-Finanzschulden „signifikant reduzieren“.

Insgesamt hatte Thyssen-Krupp rund zwölf Milliarden Euro in sein Stahlgeschäft in Amerika gepumpt. Insbesondere der Bau des Brasilienwerks war von Pleiten, Pech und Pannen begleitet. Die Anlage fuhr Milliardenverluste ein. Auch nach Abzug unter anderem der Verkaufserlöse für die Werke verbleibe unter dem Strich ein Verlust von rund acht Milliarden Euro.

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