Energie

Strategiewechsel
Eon behält die Atomkraftwerke

Die Politik zwingt Eon-Chef Johannes Teyssen zu einer entscheidenden Änderung seines Aufspaltungsplanes. Der Konzern wird doch nicht die Kernkraftwerke abgeben, sondern sich selbst um Rückbau und Entsorgung kümmern.

DüsseldorfEnde 2014 hatte Eon-Chef Johannes Teyssen die Öffentlichkeit mit einem radikalen Strategiewechsel überrascht. Der Energiekonzern wollte sich komplett auf das Geschäft mit der Energiewende konzentrieren - und das alte Geschäft mit den Kraftwerken für immer abspalten.

Jetzt überrascht Teyssen die Öffentlichkeit mit einem neuerlichen Strategieschwenk: Die Eon SE wird die Kernkraftwerke doch behalten und sich selber um die Abwicklung des Atomausstiegs kümmern. „Der verbleibende Betrieb und Rückbau der konzerneigenen deutschen Erzeugungskapazität aus Kernenergie gehen nicht auf Uniper über, sondern bleiben in der Verantwortung von Eon“, teilte das Unternehmen am Mittwochabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrates mit.

Kohle- und Gaskraftwerke werden dagegen wie geplant in das neue Unternehmen Uniper ausgelagert. „Die Aufspaltung in zwei Unternehmen erfolgt aus heutiger Sicht im Zeitrahmen“, erklärte Deutschlands größter Energiekonzern.

Dieses Mal ist der Strategieschwenk allerdings unmittelbar von der Politik erzwungen. Nachdem die Bundesregierung ihre Pläne präsentierte, die Haftungsregeln für Atomkonzerne zu ändern, sah Teyssen keine Chance mehr, die Vorhaben wie geplant durchzuziehen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte in der vergangenen Woche seinen Gesetzentwurf vorgestellt, demzufolge die Atomkonzerne unbegrenzt für die Folgen der Kernenergie haften müssen - auch wenn sie die Sparten veräußern. Bisher war die Nachhaftung auf fünf Jahre begrenzt.

Für die Eon SE würde das in der Praxis bedeuten, dass der Konzern zwar die Atomkraftwerke samt Rückstellungen an Uniper abspalten könnte, trotzdem aber keinen klaren Schnitt hätte ziehen können. Zwar hält Eon den Gesetzentwurf für rechtlich bedenklich und hat schon eine Klage angekündigt, die Abspaltung müsste aber in wenigen Wochen schon vollzogen werden.

„Mit dieser Entscheidung beugen wir Risiken für die Umsetzung unserer Konzernstrategie vor. Denn wir können und wollen nicht auf etwaige politische Entscheidungen warten, die die Abspaltung von Uniper verzögern könnten“, sagte Teyssen. Deshalb sei aktives Handeln geboten.

Insbesondere das Risiko einer gesetzlich verankerten Entkopplung zwischen Haftung und unternehmerischem Einfluss sei nicht tragbar, erklärte Eon. Ein verantwortungsvoller Vorstand könne seinen Eigentümern nicht vorschlagen, unbegrenzt für völlig unabhängiges Handeln einer anderen Gesellschaft zu haften. „In der globalen Wirtschaftswelt gibt es bei der Auftrennung von Eigentum kein vergleichbares Vorgehen für eine Haftungsregelung ohne Beschränkung von Dauer und Umfang. Dennoch will Deutschland diesen Sonderweg offenbar einschlagen“, betonte Teyssen.

Für Teyssen ist das zweifellos ein schwerer Rückschlag. Seine neue Strategie fußte bewusst auf der klaren Trennung zwischen alter und neuer Energiewelt. Jetzt muss sich die Eon SE neben Vertrieb, Netz und erneuerbaren Energien auch noch um Rückbau und Entsorgung der Atomkraftwerke kümmern.

„Unsere Entscheidung ermöglicht den nötigen Freiraum, die Konzernstrategie und den laufenden Abspaltungsprozess im vorgesehenen Zeitrahmen umzusetzen. Damit schaffen wir gute Perspektiven für unsere Mitarbeiter und eine wertorientierte Neuaufstellung für unsere Eigentümer“, sagte Teyssen.

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