Energie

Streitgespräch
„Es wird einen Solarboom 2.0 geben“

Wie teuer wird Strom noch? Ist die Solar-Förderung sinnvoll? Sitzen wir bald im Dunkeln? Handelsblatt Online traf sich mit den Energieexperten Manuel Frondel (RWI) und Claudia Kemfert (DIW) zum Schlagabtausch.
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Das Wetter scheint wie gemacht für Manuel Frondel an diesem Mai-Tag in Berlin. Von der Sonne ist seit Stunden nichts zu sehen, dafür regnet es. Und vor allem: Der Wind bläst so stark, dass beim anschließenden Fototermin der Wind die Lichtanlage des Fotografen fast vom Dach weht. Manuel Frondel ist Leiter des Kompetenzbereichs Umwelt und Ressourcen am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und ein erklärter Gegner der Solarförderung. Die ausufernde Subventionierung, sagt Frondel, sei ein Fehler gewesen. Windparks an Land seien in Deutschland zu bevorzugen. Eine völlig andere Meinung hat Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DWI) in Berlin. Sie sagt: „Der Solarenergie gehört die Zukunft.“

Meine Stromrechnung ist Anfang des Jahres um zwei Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Woran liegt das?

Manuel Frondel: Das liegt hauptsächlich an der EEG-Umlage (Förderungssätze für erneuerbare Energien, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelt sind, Anm. der Redaktion). Die stieg im vergangenen Jahr um 1,7 Cent pro Kilowattstunde plus Mehrwertsteuer. Seit 2009 hat sie sich vervierfacht. Von 1,3 Cent auf jetzt 5,3 Cent pro Kilowattstunde. Hauptursache dafür ist der übermäßige Ausbau der Photovoltaik in Deutschland.

Claudia Kemfert: Es gibt aber auch preissenkende Faktoren der erneuerbaren Energien! Der Börsenpreis für Strom ist zum Beispiel sehr niedrig, auch die Preise für CO2-Zertifikate und Kohle sind sehr niedrig. Die Frage ist, warum dieser gesunkene Preis nicht bei den Bürgern ankommt. Es gibt sogar Studien, die belegen, dass manche Energieversorger die Preise über die Steigerung der EEG-Umlage hinaus erhöht haben. Wir brauchen da mehr Transparenz.

Also sind es doch nicht nur die Subventionen für die erneuerbaren Energien, die unseren Strompreis nach oben treiben, Herr Frondel?

Frondel: Es ist selten so, dass ein Preis nur von einem Faktor getrieben wird. Aber ich bleibe dabei: In der Hauptsache wurde der Strompreis seit 2009 von der EEG-Umlage getrieben. Und wenn tatsächlich, wie Frau Kemfert sagt, ein Stromversorger über die Umlage hinaus den Strompreis anhebt, hat doch jeder die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Damit muss man sich nicht abfinden.

Kommentare zu " Streitgespräch : „Es wird einen Solarboom 2.0 geben“"

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  • Ja, wenn man mit Dummheit und Ignoranz noch Energie erzeugen könnte, hätten wir mit dem Teilnehmer "Energieverbraucher" schon ein ordentliches Kraftwerk zur Verfügung. Der Beitrag ist eigentlich einen Kommentar nicht wert!

  • Die "Expertin" zeigt sich als als Analphabetin: 20 Milliarden werden jährlich verbrannt für einen Gegenwert von 2-3 Milliarden und das ist alles ganz toll. Das sich jeder jetzt sein Kohlekraftwerk baut, nur um sich an den Kosten nicht beteiligen zu müssen: Ebenfalls klasse.
    Das sich die Investoren die Taschen füllen, ohne einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten zu müssen, ist ein Skandal ohne Gleichen.

    Mir graut vor solchen Expertinnen

  • @ Vandale
    "Was spricht denn gegen moderne Formen der Energieerzeugung wie Kohle, Erdgas, oder die umweltfreundliche Kernenergie?"

    Aus meiner Sicht spricht hauptsächlich dagegen, dass wir unseren Konsum auf Kosten anderer leben. Der Nutzen hier, der Dreck und Leiden da. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen.

    Die Steinkohle für Hamburg kommt aus Kolumbien, Uran kommt aus Mali, Niger, den australischen Aborigines Gebieten?
    Ich wohne zudem zu nah am Hamburger Hafen, als dass ich die Gefahr von z.B. Uranhexafluoridladung auf brennenden Schiffen ignorieren möchte.
    Erdgas kommt aus Rußland und der Iran hat das Potenzial den Gasweltmarkt nach Belieben zu steuern, sobald sie ihre Selbstversorgung in den Griff bekommen haben.

    Die Kraftwerksgrößen der von ihnen genannten Technologien sind üblicherweise so groß, dass man die Versorgungskette und die Kraftwerke selbst, die Möglichkeit von Terrorismus angenommen, als neuralgische Punkte besonders schützen müsste.

    Die Abhängigkeit der Politik von einzelnen Konzernen zeigt sich in Hamburg in der den Bürgern gegenüber dargestellten "Alternativlosigkeit". Ein neues GuD Gaskraftwerk in Wedel ist sicherlich vergleichsweise effizient. Aber erklären sie mir bitte, warum ich mich für 40 Jahre von einem einzelnen schwedischen Staatskonzern und ausländischen Gasanbietern abhängig machen soll; oder gar die Trinkwasservorräte für Fracking riskieren. Dazu am besten vollständige Drohnenüberwachung, damit niemand einen Anschlag auf die Gasleitung durchführt?!

    Alternative: mehrere Gas Motorkraftwerke in KWK z.T. als Regelleistung, Geothermie für Fernwärme und eine ordentliche Anbindung von Wind und Sonne aus den Flächen um die Stadt. Der eindeutige Haken ist natürlich, dass mit letzterer Variante vielen Organisationen das Geschäftsmodell abhanden kommt.

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