Energie

Stromnetzstabilität
Energiekonzerne bekommen mehr Geld für Netz-Eingriffe

Wenn die Stromproduktion von Wind- und Sonnenkraftwerken schwankt, müssen Kohle- und Gasanlagen schnell einspringen. Die Industrie fordert dafür mehr Geld. Jetzt hat sie von einem Gericht in einem Punkt recht bekommen.
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DüsseldorfDeutschlands Stromkonzerne müssen mehr Geld für das kurzfristige Hoch- oder Herunterfahren von Kraftwerken zur Sicherung der Stromnetzstabilität bekommen. Die bisherigen, sehr knapp bemessenen Vorgaben der Bundesnetzagentur für die Bezahlung seien „zu restriktiv“, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf am Dienstag und hob die Vorgaben auf. Neue Regelungen für eine „angemessene Vergütung“ müsse die Netzagentur im Rahmen ihres Ermessens bestimmen. Wie viel die Konzerne mehr bekommen müssen, sagte das Gericht nicht. Die Kosten trägt der Verbraucher über den Strompreis.

Es reiche nicht, den Energiekonzernen nur ihre Kosten etwa für Brennstoffe zu erstatten, bemängelte das Gericht. Es müssten auch weitere Kosten und zum Beispiel entgangene Gewinnmöglichkeiten ersetzt werden. Beschwerde beim Bundesgerichtshof gegen die Entscheidung ist noch möglich. Die Bundesnetzagentur wollte am Dienstag zu der Entscheidung keine Stellung nehmen.

Die Eingriffe werden von den großen Netzbetreibern bei starken Schwankungen des Angebots kurzfristig angeordnet. Wegen des sprunghaften Wachstums der Wind- und Sonnenstromkapazitäten am Markt haben sich die Eingriffe - von Fachleuten „Redispatch“ genannt - seit 2010 mehr als verfünffacht. Allein von 2007 bis 2011 stiegen die Kosten dafür von 60 auf mehr als 120 Millionen Euro.

Ein Sprecher der Verbraucherzentrale NRW reagierte mit Kritik. Die Zahl der Netzeingriffe werde voraussichtlich weiter stark wachsen, sagte er. „Es darf nicht sein, dass dieses Risiko allein der Verbraucher über die Netzentgelte trägt.“

Der Branchenverband BDEW zeigte sich dagegen zufrieden. Nun müssten die betroffenen Kraftwerksbetreiber so schnell wie möglich eine vollständige Kostenkompensation erhalten, forderte der Verband. Die bisherige Praxis habe bereits aufseiten der Kraftwerksbetreiber zu finanziellen Schäden geführt. „Es geht nicht darum, hier reich zu werden, sondern um eine angemessene Vergütung für eine wichtige Leistung, nämlich die Zuverlässigkeit der Stromversorgung“, sagte ein Sprecher des größten deutschen Energiekonzerns Eon, der zu den Klägern zählt.

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