Energie

Stromtarife
Auch Eon und RWE erhöhen die Preise

Die höhere Ökostromabgabe und steigende Netzentgelte treiben die Strompreise im neuen Jahr. Über 400 Anbieter haben zum Stichtag kräftige Zuschläge angekündigt. Die SPD machte die Bundesregierung dafür verantwortlich.
  • 7

Düsseldorf/Essen/BerlinIm kommenden Jahr müssen auch hunderttausende Kunden der Energieriesen Eon und RWE deutlich mehr für ihren Strom bezahlen. Der Preis bei Eon steige im Schnitt um 8,7 Prozent, teilte der Eon-Vertrieb am Montag mit. Eon hat rund sechs Millionen Kunden. RWE will den Preis für seine Kunden in der Grundversorgung vorerst stabil halten.

Der Strompreis für die etwa 500.000 Kunden mit Festpreisverträgen werde aber im Schnitt um 8 bis 9 Prozent erhöht, um die höheren staatlichen Abgaben umzulegen, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Außerdem erhöht RWE die Tarife für Nachtspeicherofen- und Wärmepumpenkunden. Davon sind allein in NRW, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz rund 250.000 Kunden betroffen.

Für die Eon-Kunden bringe die Preiserhöhung im Schnitt monatliche Mehrkosten von 6,20 Euro, hieß es in der Mitteilung. Eon liege damit unter dem Marktschnitt von knapp 12 Prozent Aufschlag. Nach Angaben des Internetvergleichsportals Verivox haben bisher 468 der rund 1000 Stromanbieter in Deutschland Preiserhöhungen um durchschnittlich zwölf Prozent angekündigt.

Branchenkenner erwarten angesichts der knappen Margen in der Branche weitere Erhöhungen im Frühjahr. Spätestens bis zu diesem Dienstag (20.11.) müssen die Versorger ihre Kunden über Preiserhöhungen informieren, damit sie bis zum 1. Januar wirksam werden können.

Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, machte die Bundesregierung für den bevorstehenden massiven Strompreisanstieg verantwortlich. „Die schwarz-gelbe Bundesregierung verteuert den Strom unnötig“, sagte Kelber Handelsblatt Online. „80 Prozent der durch erhöhte und neue staatliche Umlagen verursachten Kosten werden nicht für die Förderung Erneuerbarer Energien benötigt, sondern geht für Fehler und falsche Entscheidungen der Koalition drauf, etwa für die Subventionierung von Industrieunternehmen.“ Die Stromanbieter selbst könnten diesen „massiven staatlichen Preisschub“  nicht wegstecken, sondern müssten ihn zumindest zum Teil an die Kunden weitergeben.

„Aber auch hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen“, sagte Kelber weiter. „Faire Anbieter geben die gleichzeitigen niedrigeren Kosten beim eigenen Stromeinkauf, den der wachsende Anteil Erneuerbarer Energien an den Strombörsen möglich macht, an die Kunden weiter und mildern so die Preissteigerung ab.“ Andere Stromkonzerne erhöhen dagegen „skrupellos“ ihre Marge und behielten diese Vorteile für sich. „Die Verbraucher sollten genau hinsehen.“

Der Bund der Energieverbraucher nannte die Erhöhungswelle „unverschämt“. Die zusätzlichen staatlichen Lasten entsprächen einem um 6 bis 8 Prozent höheren Strompreis. Erhöhungen über 8 Prozent sollten die Verbraucher nicht hinnehmen, riet der Bund der Energieverbraucher. Wer einen möglichen Prozess nicht scheue, solle den alten Preis weiterzahlen und schriftlich der Preiserhöhung widersprechen, riet der Verband.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Stromtarife: Auch Eon und RWE erhöhen die Preise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Merkwürdig das niemand hinterfragt warum Konzerne wie RWE nicht an Verträge gebunden sind?
    Preiserhöhung um mehr als die gestiegenen "gesetzlichen Umlagen" bei Festpreisverträgen? Vor Ablauf der vertraglichen Bindung? Sowas können sich nur Konzerne erlauben. Bei allen anderen wäre der mediale Aufschrei gewaltig. Aber da sieht man mal wieder wo die wahre Macht im Staate liegt. Vorher noch mit einem höheren Preis für die Festpreisbindung abkassieren. Hinterher im Kleingedruckten ein Hinweis auf ein Sonderkündigungrecht welches de Fakto nichts Wert ist (Nachtspeichertarife sind eben nur bei dem Grundversorger möglich).
    Na vielen Dank.

  • Mal davon abgesehen, dass die Kosten für das EEG auf meine Gesamtkosten verschwindend gering sind, haben die Erneuerbaren Energien zu einem deutlichen Verfall des Strompreises bei der Industrie geführt.
    Im Klartext müsste heute ein deutsches Auto billiger sein, wenn der Energieanteil bei der Produktion überhaupt eine größere Rolle spielt.
    Das gilt für deutsche Autos wie z.B. von VW genauso wie für ein französisches Auto, weil der Öko-Strom nicht an der Grenze umdreht und zurückfließt.
    Erhält man mit den Rabatten auf ein KFZ also seine EEG-Kosten zurück? Bei meinem aktuellen Auto waren das fast 35% und damit viel mehr, als ich je für das EEG gezahlt habe.

    Also immer vorausgesetzt Energie spielt eine größere Rolle.

    M.E. liegen die Energiekosten bei max. 1% der Produktionskosten eines PKW.

    Stellen Sie sich mal vor Herr Altmaier wüsste, wie belanglos seine Arbeit aus Sicht der Automobilindustrie wäre.
    Der würde sich glatt neue Themen suchen müssen.
    Und mit ihm die meisten anderen Politiker.

    Schlecht wäre das nicht. Wenn denen nichts einfällt gibt es vieleicht Kita-Gruppen für Politiker. Alternativ Betreuungsgeld. Dann müssten wir nur noch die Lücke bis zum Pflegegeld schließen.

  • Diese dreiste Energiewende-Steuer erreicht alle Verbraucher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%