Energie

Studie zu Glencore und Co.
Das Endspiel der Rohstoffhändler

Schrumpfende Margen und digitale Umbrüche setzen Rohstoffhändlern wie Glencore oder Vitol zu. Um Kosten zu senken, wird Größe wird zum alles entscheidenden Faktor. Eine neue Studie prophezeit: Wer zu klein ist, stirbt.
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DüsseldorfEgal, ob die Konzerne mit Öl, Metallen oder Weizen handeln: Überall schrumpfen die Margen. Lag die Bruttogewinnspanne der gesamten Industrie 2015 noch bei mehr als 44 Milliarden Dollar, sackte sie im vergangenen Jahr auf nur noch 41 Milliarden Dollar ab. Und die Erträge der Rohstoffhändler dürften weiter erodieren. Das zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die dem Handelsblatt vorliegt. „Das Endspiel der Industrie hat begonnen“, heißt es darin.

Die Branche rund um Schwergewichte wie den Schweizer Konzern Glencore, der jährlich mehr als 150 Milliarden Dollar umsetzt, kämpft in vielen Ländern mit gewaltigen Umbrüchen. Von Europa und Nordamerika bis hin zu aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und Südamerika verringert sich die Volatilität der Märkte.

Was für die verarbeitende Industrie meist gut ist, da sie besser planen kann, ist für Rohstoffhändler äußerst schlecht. Denn je größer die Preisschwankungen bei Edelmetallen, Getreide oder Erdgas sind, desto höher sind die zu erzielenden Margen. Rohstoffhändler leben von schwankenden Preisen. Die derzeitige Stabilität ist für sie Gift.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Digitalisierung das Geschäftsmodell der Händler auf nie dagewesene Effizienz trimmt. Bei Energierohstoffen wird bereits heute die Hälfte aller Kontrakte in Europa und Nordamerika über automatisierte Handelssysteme abgewickelt – ohne menschliches Zutun. Die Computertechnik, die dafür vonnöten ist, können sich aber nur die führenden Konzerne leisten.

Die Folge dieser Entwicklungen: „Binnen der nächste Jahre wird sich das Profil der Industrie verändern“, schreiben die Experten von Oliver Wyman in ihrer Studie. Und zwar hin zu einer Branche, die „noch stärker von den größten Akteuren dominiert wird“. Im harten Wettbewerb der Rohstoffhändler wird der Aufbau von Skaleneffekten und einer kritischen Größe zum alles entscheidenden Faktor.

Schon jetzt zeigt sich: Je größer die Konzerne, desto konstanter erzielen sie hohe Margen. Über alle Rohstoffklassen hinweg hatten Händler mit einer Umsatzrendite von mehr als 500 Millionen Dollar in den vergangenen sechs Jahren eine um 30 Prozent geringere Volatilität bei ihren Margen als die Vergleichsgruppe jener Konzerne, die eine Umsatzrendite von weniger als 500 Millionen Dollar erzielte.

Als Konsequenz ihrer Widerstandsfähigkeit konnten Branchenriesen wie Trafigura und Vitol sowie die Ölmultis BP und Shell höhere Risiken eingehen, größere Deals abschließen und ihre Marktanteile weiter ausbauen. Kleine und mittelgroßer Händler geraten dagegen zunehmend ins Hintertreffen.

„Eine weitere Konsolidierung ist zu erwarten“, sagte Roland Rechtsteiner dem Handelsblatt. Der Rohstoffexperte von Oliver Wyman in Zürich empfiehlt kleinen und mittelgroßen Unternehmen aus dem Sektor einen „klaren Fokus und eine differenzierende Strategie“, die Partnerschaften und Kostensenkungsprogramme beinhaltet.

Rechtsteiner sieht aber nicht nur die kleineren Konzerne, sondern die gesamte Branche unter Zugzwang: „Auch die großen Händler müssen sich kontinuierlich weiterentwickeln, um ihren Wettbewerbsvorsprung zu erhalten – etwa über zusätzliche Marktintelligenz, die auf digitalen Anwendungen inklusive künstlicher Intelligenz basiert.“

Insgesamt kommen der erfahrene Berater und seine Kollegen in der Studie zur Zukunft der Rohstoffhändler zu dem Schluss, dass der Kreis der Akteure, die in der Lage sind, mit den Branchenschwergewichten mitzuhalten, dramatisch sinken wird. Im Klartext: Das Endspiel der Rohstoffhändler werden längst nicht alle Konzerne überleben.

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