Energie

Sturmtief
„Xaver“ knackt Windstromrekord

Der landesweit wehende Sturm „Xaver“ hat für einen Höchstwert bei der Stromproduktion gesorgt. Noch nie lieferten Windräder in Deutschland so viel Strom. Die Netzbetreiber stellte das vor Herausforderungen.
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DüsseldorfAm späten Donnerstagnachmittag haben die Windräder in Deutschland mehr Strom geliefert als jemals zuvor. In der Stunde von 17 bis 18 Uhr produzierten die Anlagen im ganzen Land etwa 26 Gigawattstunden Strom – das entspricht der Leistung von etwa 15 Atomkraftwerken. Den bisherigen Rekord hatte laut Energieinstitut IWR das Sturmtief „Christian“ Ende Oktober mit einer Spitzenleistung von 24,7 Gigawatt Stromproduktion in der Spitze aufgestellt.

Bei zu starkem Wind ab Windstärke 9 oder 10 drehen die meisten Windräder die Blätter aus dem Wind, um Schäden zu vermeiden. Bei starken Stürmen sinkt daher die Windstromproduktion in den betroffenen Regionen häufig auf null. Dadurch, dass „Xaver“ jedoch über ganz Deutschland kräftig wehte (Liveblog zu „Xaver“), fielen die Abschaltungen kaum ins Gewicht. In den späten Abendstunden des Donnerstags stammten fast 40 Prozent des gesamten in Deutschland produzierten Stroms aus Windenergie.

Den gesamten Tag über hatten die Netzbetreiber daher alle Hände voll zu tun. Sie fürchteten zum einen Schäden an Hochspannungsleitungen wegen möglicherweise umstürzender Bäume. Außerdem kamen die Übertragungsleitungen in Richtung Süddeutschland an ihre Kapazitätsgrenzen, wie etwa die Welt berichtete.

Die Netzbetreiber forderten daher von süddeutschen Kraftwerken eine höhere Stromproduktion an und drosselten die Produktion in konventionellen Kraftwerken in Norddeutschland. Windstrom wird mit Priorität ins Netz eingespeist. Die Entschädigungszahlungen für solche außergewöhnlichen Maßnahmen trägt der Stromverbraucher über die Netzentgelte, die Teil des Strompreises sind.

Auf Basis der Daten des Energiebörse EEX errechnet sich für Donnerstag eine Windstromproduktion von 479 Gigawattstunden, aus konventionellen Quellen stammten fast 1100 Gigawattstunden. Auch am Freitag dürfte ein ähnlicher Wert für die Windstromproduktion erreicht werden, denn die Stromnetzbetreiber erwarten jeweils mehr als 20 Gigawattstunden Windstrom pro Stunde.

Zum Stichtag 30. Juni 2013 drehten sich in Deutschland 23.312 Windräder mit einer Maximalleistung von 32 Gigawatt. Nur ein kleiner Teil der Anlagen steht auf offener See (zum Stichtag 89 Windräder mit einer Kapazität von 0,39 Gigawatt).

Anm. d. Red.: In einer ersten Fassung waren versehentlich die Windstromdaten für Österreich mit angegeben worden, an der Grundaussage ändert sich nichts. Die EEX weist offiziell viertelstündlich die Spitzenleistung der Energieerzeugung aus (in MW). Eine Mittlung der viertelstündlichen Werte auf eine Stunde lässt auf die produzierte Strommenge in MWh bzw. GWh schließen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Sturmtief: „Xaver“ knackt Windstromrekord"

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  • Zitat: "Machen Sie sich nicht lächerlich. "

    Geben Sie sich keine Mühe. Die großen Entscheider in den Energiekonzernen haben früher auch mal über die grünen Spinner gelacht, die mit Windrädchen oder Solarpaneelen Strom erzeugen wollten.

    Glauben Sie etwa, dass bei Vattenfall, RWE, Eon oder EnBW noch jemand über die erneuerbaren Energien lacht??

    Da lacht keiner mehr denn die haben mitbekommen, dass es auch ohne sie geht. Und wenn die nicht langsam spuren und die Energiewende aktiv mittragen, sind diese Versorger bald weg vom Fenster.

  • @ Adauenst „...dass die Zeit des Monopols für Großkraftwerke insbesondere der AKWs abläuft.“

    Bis zur „Regulierung des Strommarktes“ durch die EU in D waren die Energieversorger mehrheitlich in der Hand der Kommunen, sprich der Bürger. Daß diese Unternehmen Gewinne machen, ist klar, denn sonst könnten sie ihre Kraftwerke nicht unterhalten und Geld für deren Ersatz generieren.

    „Die Energiewende hin zu verantwortbarer Energieversorgung ist aber unumkehrbar.“

    Mit anderen Worten, Sie halten die Versorgung eines Landes durch Zufallsstrom für verantwortbar. Sind Sie sich dieser Konsequenz bewußt?

  • @ Mad_Cow „Warum sollten wir das tun?“
    Weil mit modernen Kernkraftwerken eine stetige und umweltfreundliche Energieversorgung möglich ist. Mit Windmühle und Co bleibt die Versorgung dem Zufall Wetter überlassen. Mit welcher Technik gedenken Sie die Zeit zwischen den Winden, das sind ca. 6860 Std/a, zu überbrücken? Mit welcher Technik regulieren Sie Einspeiseschwankungen der Windmühlen?

    „Die Menschen in Deutschland sind mit großer Mehrheit dafür, die zukünftige Energieversorgung auf die Basis der erneuerbaren Energieträger zu stellen.“

    Sind „die Menschen“ in D jemals dazu befragt worden ob sie das wirklich wollen? Ich kann mich nicht daran erinnern. Wissen diese Menschen auch, wie ein Drehstromstromnetz funktioniert? Welche „Mehrheit“ hat sich dazu geäußert? War es zufällig die, die mit diesen Windmühlen Geld verdient? Also Projektierer, Banken, Hersteller? Daß die daran ein Interesse haben, kann ich mir lebhaft vorstellen.

    „Die Politik ist nicht dazu da, die Wünsche einzelner Menschen oder einzelner Interessensgruppen oder einzelner Konzerne zu befriedigen.“

    Das tut sie seit Verabschiedung des Einspeisegesetzes unter Kohl und der Verabschiedung des EEG unter Schröder. Mit diesen Gesetzen wurden/werden Partikularinteressen auf Kosten der Allgemeinheit bedient. Das EEG sorgt zudem dafür, daß die bis dahin zuverlässige, stetige und kostengünstige Versorgung mit elektrischer Energie getauscht wird in ein System, das witterungsabhängig Strom produziert. Für den Industriestandort D eine Katastrophe.

    „....etwas mehr Verantwortung für unsere Zukunft auf diesem Planeten zeigen.“

    Und was möchten Sie mit dem Produkt Zufallsstrom in D retten? Die Welt, „das Klima“? Machen Sie sich nicht lächerlich.

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