Energie

Teillösung für Übersee-Stahlwerke
Thyssen-Krupp verschiebt Bilanzvorlage

Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger hat sich zu einem schmerzlichen Schritt entschlossen. Die für Donnerstag geplante Vorlage der Bilanz wird abgeblasen. Das US-Stahlwerk steht vor dem Verkauf, Brasilien bleibt ein Problem.
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Essen/DüsseldorfThyssen-Krupp verschiebt seine für Donnerstag geplante Bilanzpressekonferenz. Das hat der Vorstand am Dienstagabend beschlossen. Thyssen-Krupp befinde sich in exklusiven Verhandlungen über den Verkauf des neuen Stahlwerks im US-Bundesstaat Alabama, teilte das Unternehmen nach der Sitzung des Gremiums mit.

Ein Konsortium um Arcelor-Mittal will das US-Stahlwerk übernehmen. Ein Vertrag über die Veräußerung könnte zeitnah unterzeichnet werden, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr. Zum Interessenten machte der Ruhrkonzern selbst indes keine Angaben. Sollten Thyssen-Krupp und das Konsortium handelseinig werden, dann wäre dies ein enorme Entlastung für den Konzern.

Die Gespräche beinhalteten auch mögliche langfristige Lieferungen von Stahl aus dem Werk in Brasilien. Diese Formulierung legt nahe, dass Thyssen-Krupp die Anlage in Brasilien behält. Der Konzern versucht seit eineinhalb Jahren, die verlustreichen Fabriken in Brasilien und den USA abzustoßen. Den Geschäftsbericht will der Mischkonzern nun am 2. Dezember statt am Donnerstag vorlegen.

Konzernchef Heinrich Hiesinger kann damit für das drängendste Problem des Ruhrkonzerns – den Verkauf der gesamten Sparte Steel America, die monatlich bis zu 100 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet – immerhin eine Teillösung präsentieren. Das Werk in Alabama könnte dauerhaft aus den Büchern verschwinden. Doch überwunden ist die Misere damit nicht.

Die negative Nachricht lautet: Thyssen-Krupp hat keinen Käufer für das Stahlwerk in Brasilien gefunden. Die Hütte ist das Hauptübel für die wirtschaftliche Not des Traditionskonzerns. Gelingt aber der Verkauf des US-Werks, würde Arcelor-Mittal für das Werk in Alabama Stahl aus Brasilien zu fest vereinbarten Preisen beziehen und damit das Ergebnis der Hütte nahe Rio de Janeiro positiv beeinflussen. Neuerliche Abschreibungen auf die Werke würden damit wohl nicht nötig, hieß es.

Die Übersee-Stahlwerke haben rund zwölf Milliarden Euro verschlungen – das ist mehr als die fünffache Summe, die im ursprünglichen Investitionsplan stand. Der geplante Verkauf des Werks in Alabama könnte allerdings eine erneute milliardenschwere Abschreibung verhindern.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte immer wieder Rückschläge bei den Verkaufsbemühungen hinnehmen müssen. Auch jetzt zeigte sich der Konzern noch nicht erfreut. „Ein erfolgreicher Abschluss der Transaktion ist zurzeit noch offen.“

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Thyssen-Krupp verschiebt Bilanzvorlage

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Hiesinger treibt Kapitalerhöhung voran

Kommentare zu " Teillösung für Übersee-Stahlwerke: Thyssen-Krupp verschiebt Bilanzvorlage"

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  • Echte Qualität gibt's eben nicht zum Diskontpreis!

    Cromme war zu gierig oder zu dumm, die beiden Übersee-Werke von der erprobten konzerneigenen Errichtungsgesellschaft bauen zu lassen.

    Schade, daß unfähige Manager immer zu lange Schaden anrichten dürfen, bevor sie gehen müssen.

    Und ebenfalls schade, daß sie für den angerichteten Schaden nie bestraft werden.

  • @ realsatire

    dann kannn ich ja jederzeit im aufsichtsrat oder vorstand von TK mitstümpern

    vorbereitende jakresbilanzarbeiten beginnen spätestens im 4.quartal und ansonsten laufend,sonst gäbs keine quartalsberichte

  • Die Ad-hoc Meldung ist doch sowieso fragwürdig. Darin heißt es: Insbesondere vor diesem Hintergrund wird die "Aufstellung des Jahresabschlusses" für das Geschäftsjahr 2012/13 bis zum 2. Dezember 2013 verschoben.

    Der JA kann erst geprüft werden, wenn er erstellt wurde. Er scheint ja noch nicht mal erstellt worden zu sein.

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