Energie

Teldafax-Prozess
Bayer 04 Leverkusen vor Gericht

Monatelang hielten sich die Verantwortlichen bei Bayer Leverkusen Augen und Ohren zu, wenn es um die Machenschaften ihres Geldgebers Teldafax ging. Das hat nun ein teures Nachspiel.
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KölnDa saß er nun, ausgerechnet hier, ausgerechnet heute. Gekleidet im dunklen Anzug und weißen Hemd, vor sich einen schwarzen Notizkalender, neben sich zwei Anwälte. Immer wieder lächelte Wolfgang Holzhäuser den Vorsitzender Richter an, als verstehe er gar nicht, wie es bloß zu diesem Treffen kommen konnte. „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“, hatte Holzhäuser noch im Mai gesagt, als er seinen Rücktritt als Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen ankündigte. Doch daraus wurde nichts. Heute, zwölf Tage vor seinem Karriereende, führte Holzhäusers Weg ins Landgericht Köln.

„Vorsätzliche Gläubigerschädigung“ lautet der Vorwurf, den der Insolvenzverwalter von Teldafax, Biner Bähr, gegen Holzhäusers Verein erhebt. Teldafax, einst größter Billigstromanbieter Deutschlands, aber heute nur noch ein insolventer Trümmerhaufen, war mit Hilfe von Bayer 04 Leverkusen groß geworden. Millionen kassierte der Verein dafür, dass seine Mannschaft und Sportdirektor Rudi Völler mit dem Slogan „Wechseln is’n Klax. Mit Teldafax“ für das Unternehmen warben. Als Teldafax im Juni 2011 überschuldet zusammenbrach, hinterließ es hunderttausende von Gläubigern. Bayer Leverkusen aber machte für Teldafax Reklame bis zum bitteren Ende.

Das soll sich nun rächen. 17,5 Millionen Euro – inklusive Zinsen - fordert Insolvenzverwalter Bähr von Bayer 04 Leverkusen zurück. Für ihn ist klar: Teldafax war nicht erst bei Insolvenzanmeldung im Juni 2011 zahlungsunfähig, sondern schon zwei Jahre zuvor. Und Wolfgang Holzhäuser wusste davon, hielt aber weiterhin die Hand auf.

Bähr führt vor Gericht zahllose Dokumente an. Insolvenzgutachten für Teldafax, die schon im September 2009 fertig waren. Krisengespräche zwischen Holzhäuser und dem kriminellen Kopf von Teldafax, Michael Josten, im selben Monat. Schriftwechsel aus Oktober 2009, in dem Bayer Leverkusen wegen der Zahlungsschwierigkeiten des Sponsors einer Ratenzahlung zustimmt. Und Schließlich eine ganze Serie von Zeitungsartikeln, die ab Oktober 2010 das Chaos bei Teldafax und die kriminelle Vergangenheit seines Gründers Michael Josten detailliert aufarbeiteten.

Doch so überwältigend die Beweislage auch sein mag, der Fall ist kompliziert. Das stellte der Vorsitzende Richter Knechtel am Mittwoch im Saal 131 des Landgerichts Köln gleich zu Beginn klar: „Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Klägerin oder die Beklagte zu 100 Prozent durchsetzen wird“, sagte er. Und sollten beide Parteien auf ihren Positionen bestehen, gehe er davon aus, dass der Fall bis zum Bundesgerichtshof getragen wird. Deshalb unterbreitete er einen Vergleichsvorschlag: Statt der geforderten Summe solle Bayer Leverkusen 7,3 Millionen Euro zahlen – aber das sofort.

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Bayer 04 Leverkusen vor Gericht

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Ein Klax wird es nicht.

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