Energie

Tesla baut Solardächer

Der geht aufs Haus

Elon Musk will nun auch Solardächer verkaufen. Seine neuen Dachpfannen sollen nicht nur saubere Energie für Elektroautos erzeugen, sondern gleichzeitig für eine umstrittene Übernahme werben.
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Tesla-Chef Elon Musk präsentiert seine neuen Dachziegel mit Solarfunktion. Quelle: PR
Dach unter Strom

Tesla-Chef Elon Musk präsentiert seine neuen Dachziegel mit Solarfunktion.

(Foto: PR)

DüsseldorfSelbst ein schnödes Produkt wie Dachziegel weiß Elon Musk eindrucksvoll zu inszenieren. Um der versammelten Weltpresse seine jüngste Erfindung zu präsentieren, lud der Elektropionier auf das Gelände des Freizeitparks der Universal Studios nahe Los Angeles. Am ehemaligen Set der Serie „Desperate Housewives“ erklärte der Tesla-Chef den überraschten Journalisten „Alle Häuser hier sind Solarhäuser. Haben Sie das bemerkt?“

Und natürlich hatte es keiner bemerkt. Die Dächer sahen aus, als wären sie mit ganz normalen, schwarz-schimmernden Schindeln gedeckt. So kann man sich irren. Die neuste Erfindung von Musk sieht auf den ersten Blick unspektakulär aus, hat es aber in sich. Im wahrsten Sinne des Wortes: In den Dachschindeln steckt eine flache Solarzelle von Panasonic, die das Licht, das aufs Dach fällt, in Strom wandelt.

Nur zwei Prozent betrage der Energieverlust, sagt Musk. Dann lobt er die Eigenschaften der Dachziegel. Diese seien nicht nur „hart wie Stahl“, sondern auch aus Quartz gemacht – und damit nahezu unendlich haltbar, selbst bei Hagel und Sturm. Doch bei den entscheidenden Details schweigt sich der Tesla-Chef dagegen aus: Musk erklärte weder, was genau die Solarzellen leisten, noch was sie konkret kosten sollen.

Tatsächlich dürfte die Präsentation sich nicht nur an die potentielle Kundschaft, sondern vor allem an die eigenen Aktionäre richten. Die schönen Ziegel sind auch ein Lockmittel, das für eine Übernahme trommeln soll, die bei Experten umstritten ist. Am 17. November will Musk seine beiden Firmen Solar City und Tesla unter einem Dach lenken. Dann sollen die Anteilseigner darüber abstimmen, ob das 2,2 Milliarden Dollar schwere Kaufangebot von Tesla für Solar City angenommen werden soll. Erst dann, so Musk, steige auch die Chance, die Solarziegel zeitnah auf den Markt zu bringen.

Gerade für das Solargeschäft von  Musk sind die Solarschindeln ein dringend benötigtes Erfolgsprodukt. Nach Jahren des rasanten Wachstums produzierte Solar City zuletzt vor allem ein mächtiges Defizit. Der Nettoverlust fiel in den ersten sechs Monaten mit 250 Millionen Dollar sogar noch deutlich höher aus als der Umsatz.

Kein Wunder, dass auch die Aktionäre unruhig werden. Im Laufe des Jahres ist der Aktienkurs von Solar City von gut 57 Dollar auf 19 Dollar abgeschmiert. Auch die Übernahmegerüchte konnten den Kurs nicht nachhaltig stabilisieren. Zu den Verlierern gehört auch Musk persönlich. Immerhin hat sein Aktienpaket von rund 20 Prozent gut zwei Drittel seines einstigen Wertes eingebüßt. Ein Grund mehr, Solar City so schnell wie möglich unter das Dach von Tesla zu holen. Einer Marke, der Anleger die Revolution zutrauen.

Neue Bilder von Teslas Megabaustelle
Baustelle in der Wüste
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Bei Teslas Gigafactory in der Wüste Nevadas geht der Bau zügig voran. Anfang Januar nahm der Elektroautobauer zusammen mit dem Kooperationspartner Panasonic in Teilen der Fabrik die Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen auf. Diese Zellen eines neuen Typs sollen zunächst nur in den Powerwall-Heimspeichern verwendet werden. Die Batterieproduktion für das kommende Elektroauto Model 3 soll in den kommenden Monaten starten. (Stand: Januar 2017)

Foto: Tesla

Deutlicher Baufortschritt
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Die im Januar veröffentlichten Luftbilder zeigen den Baufortschritt deutlich. In einigen der errichteten Gebäude wird schon gearbeitet, in anderen die Produktion vorbereitet. Auch der Bau der Gebäude selbst wird noch weitergehen.

(Foto: Tesla)

Die Baustelle vor einem Jahr
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Zum Vergleich: So sah es vor einem Jahr in der Wüste bei Reno aus. Damals stand nur ein kleiner Teil der heutigen Anlagen.

Baustelle Gigafactory im Juli 2016
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Im Juli 2016 hatte Tesla zur offiziellen Eröffnung erstmals Presse-Fotografen auf das Gelände gelassen. Die Gigafactory wird nach Fertigstellung zu den größten Produktionsstätten weltweit gehören.

Eröffnungsfeier vor der Fertigstellung
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Im Juli waren erst 14 Prozent der Anlage in Betrieb. Dennoch hatte Tesla-Gründer Elon Musk Ende Juli zur Eröffnungsfeier geladen – einige Tage vorher durften sich bereits Journalisten und Fotografen auf dem Fabrikgelände umsehen. Voll in Betrieb soll die Anlage erst 2018 sein. Bis dahin wird an allen Ecken und Enden gebaut.

Vom Nischen- zum Massenhersteller
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Auch wenn es noch nicht so aussieht: Diese Halle ist einer der Grundpfeiler der Strategie von Elon Musk, mit der er Tesla von einem Nischen- zu einem Massenhersteller machen und ganz nebenbei dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen will.

Eigene Batterien sind unerlässlich
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Die eigenen Batterien sind unerlässlich, wenn Tesla mit dem Model 3 (im Bild ein ausgestellter Prototyp) in diesem Jahr die Massen mobilisieren soll. Zum einen, weil momentan gar nicht genügen Akkus für die angepeilten Stückzahlen des Model 3 zugekauft werden könnten. Zum anderen, weil sie schlichtweg zu teuer wären. Der angekündigte Preis von 35.000 Dollar für den Wagen wäre nicht zu halten.

Gemeinsam mit dem Elektropionier, der selbst zuletzt nur mit Mühe und Not die Gewinnschwelle erreichte, plant Musk mit seinen Dachziegeln Großes. Gemeinsam könnten die Firmen in nur zwei Produktionsjahren auf rund fünf Prozent der rund fünf Millionen Dächern vertreten sein, die jährlich in den USA gebaut werden, kündigt Musk an. „Die Leute denken, wir sind eine Elektroauto-Firma, aber es geht uns darum, den Aufstieg nachhaltiger Energien zu beschleunigen“, sagt er.

Und natürlich geht es dabei um größeres als eine profane Übernahme: Am Ende stehe ein integriertes System. Die Solarzellen im Dach sollen nicht nur das Auto völlig emissionsfrei laden, sondern auch einen Energiespeicher, für den Tesla ebenfalls eine neue Generation im Angebot hat. Wie mit seinen Elektroautos verkauft Musk seinen Aktionären mit seinen jüngsten Ankündigungen vor allem wieder einmal den Traum von einer emissionsfreien Welt. Diesmal geht er aufs Haus.

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  • Es gab schon immer kommunikativ begabte Mitmenschen die Visionen(Illusionen) verbreiteten und das eingesammelte Geld in einem Nichts verschwinden liessen.

    Seit der Jahrtausendwende haben sich diese begabten Mitbürger von Immobilien auf Ferieninseln, Steuersparmodellen und Ostimmobilien (90er Jahre) den "Erneuerbare Energien" zugewandt. Die Wirtschaftswoche hatte einst hierzu interessante Artikel z.B. "Die Geldkollektoren" geschrieben.

    "Erneuerbare Energien" gibt es gem. des 1 HS der Thermodynamik (Naturwissenschaft) natürlich nicht. Der Begriff wurde wahrscheinlich bewusst gewählt um zu zeigen dass man sich jenseits der Grenzen von Technik und Ökonomie bewegt. In der Realität ist der erzeugte Strom nicht bedarfsgerecht und damit weitgehend wertlos.

    Viele Mitmenschen glauben diese Visionen und geben gerne ihr Geld für solche. So sind diese "Erneuerbaren Energien" ein Feld in dem Visionen verbreitet werden.

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