Energie

Thyssen-Krupp
Beitz wendet sich ab – Cromme geht

Überraschende Wende: Patriarch Beitz hat doch das Vertrauen in den Chefkontrolleur verloren. Cromme räumt die Posten im Aufsichtsrat des Stahlkonzerns und im Vorstand der Krupp-Stiftung. Die Börse feiert den Abgang.
  • 29

FrankfurtDer langjährige Aufsichtsratschef des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, legt sein Amt zum 31. März nieder. Er werde den Posten zum 31. März abgeben und den Aufsichtsrat ganz verlassen, teilte die Thyssen-Krupp am Freitag in Essen mit. Auch seinen Posten als stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Krupp-Stiftung wird der 70-jährige Cromme aufgeben. Cromme erklärte, er wolle einen „personellen Neuanfang ermöglichen“. Die Aktie des Stahlkonzerns legte zeitweilig um 5,5 Prozent zu.

Der Aufsichtsratschef wurden in den vergangenen Monaten immer wieder für Fehlentwicklungen wie das milliardenschwere Desaster der Stahlwerke in Brasilien und den USA sowie Korruptionsfälle und Kartellverstöße mitverantwortlich gemacht. Dazu kamen Enthüllungen zur Beteiligung an einem Schienenhersteller-Kartell. Zuletzt hatte Cromme auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Essen sich der harschen Kritik der Aktionäre gestellt, damals aber einen Rücktritt ausgeschlossen.

Cromme ist seit 2001 Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp. Bereits ab 1986 war er Vorstandschef der Krupp AG und ihrer Nachfolger. Seine Kritiker warfen ihm deshalb vor, aus heutiger Sicht zweifelhafte Entscheidungen mitgetragen und fragwürdiges Verhalten von Mitarbeitern nicht konsequent geahndet zu haben.

Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, hatte sich jedoch stets hinter Cromme gestellt. Den Forderungen nach einer Ablösung des Aufsichtsratschefs hatte er noch im Dezember eine klare Absage erteilt: „Cromme bleibt“, hatte der 99-Jährige dem Handelsblatt erklärt. Die Stiftung ist der Hauptaktionär des Konzerns. Cromme war auch als Nachfolger von Beitz im Gespräch gewesen.

Die Hauptversammlung von Thyssen-Krupp im Januar soll die Sichtweise von Beitz jedoch geändert haben. Die Anteilseigner hatten Cromme wegen der Milliarden-Abschreibungen pleite mit den Übersee-Stahlwerken massiv kritisiert. Als „Teflonpfanne“ der Republik wurde Cromme beschimpft, weil er trotz der vielen Skandale bei Thyssen-Krupp nicht sein Amt niederlegte. Cromme rechtfertigte sich mit juristischen Gutachten, die dem Aufsichtsrat und damit auch ihm eine gute Arbeit bescheinigten. Überzeuge konnte er die Investoren damit nicht.

Im Gegenteil: Die Aktionäre reagieren Erleichtert auf den Abgang von Cromme. „Wir finden das richtig“, sagte der Geschäftsführer der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. Ein Neuanfang nach den Fehlentscheidungen und Skandalen im Konzern dürfe sich nicht nur auf den Vorstand beschränken, sondern müsse auch den Aufsichtsrat einschließen. Er hoffe, dass Crommes Nachfolger als Aufsichtsratschef von außerhalb kommen werde, sagte Hechtfischer.


Seite 1:

Beitz wendet sich ab – Cromme geht

Seite 2:

Fehler eingeräumt, Rücktritt ausgeschlossen

Kommentare zu " Thyssen-Krupp: Beitz wendet sich ab – Cromme geht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sigi, your non-helpful ad-homonym xenophobic pfeiffe-deluxe laugh line drivel couldn't be more humorous if they had been written by a Dr. Claasen-era PR-futuzi. Or are they?

    Try representing your own position in a coherent adult way before you go about misrepresenting the positions of other folks.

    To do as you do makes you look like a lame-o jackboot Pimmelbirne.

  • @Schwarzbrot
    Da ich auch Respekt vor dem Tiere hab, drücke ich lieber so aus:
    Schwarz ist sein Gedanke, klein der Geist, bedürftig die Rechtschreibung und es ist hartes Brot so etwas zu lesen.

  • Ersteinmal empfehle ich, immer schön höflich bleiben.
    Nun zur Sache: Die Thyssen Handelsunion wurde vorgeworfen, bei der Abwicklung der DDR-Firma Metallurgiehandel geschummelt zu und Vogel war damals der Vorstandsvorsitzende.
    Thyssen zahlte bei einem Vergleich mit der BVS (Nachfolgerin der Treuhand) 240 Mio.
    Ein zweites mal gab es einen Haftbefehl gegen Vogel, der durch Kauionszalung ausgesetzt wurde. Meines Wissens nach wurde dann irgendwann das Verfahren eingestellt.
    Vogel war jedenfalls mit in dem Sumpf, doch das war 1994, das ist 19 Jahre her.
    Sagen Sie mir einen besseren, es geht hier schließlich um ein Milliarden Unternehmen und 100tausende von Arbeitsplätzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%