Energie

Thyssen-Krupp im Umbruch
Die Krise an der Ruhr ist noch nicht vorbei

Thyssen-Krupp arbeitet sich aus der Krise. Der Ruhrkonzern kann seinen operativen Gewinn deutlich steigern – muss aber einige Dämpfer einstecken. Für Vorstandschef Hiesinger bleibt der Umbau eine Mammutaufgabe.

Essen/DüsseldorfDer Industriekonzern Thyssen-Krupp lässt seine existenzbedrohende Krise weiter hinter sich. Der operative Gewinn stieg im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr um gut ein Viertel auf knapp 1,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Essen mitteilte. Dabei profitierte der Ruhrkonzern vor allem von Einsparungen, die sich auf 1,1 Milliarden Euro summierten. Zudem legte das Aufzugsgeschäft kräftig zu.

Allerdings gab es zuletzt einige Dämpfer. So wuchs der Umsatz nur dank des schwachen Euro noch um vier Prozent auf 42,8 Milliarden Euro, der Auftragseingang wäre ohne die günstigen Wechselkurse sogar um fünf Prozent gesunken.

Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 309 Millionen Euro übrig, das ist fast die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Der Konzern hatte lange unter Fehlinvestitionen in neue Stahlwerke sowie Abschreibungen auf das Edelstahlgeschäft gelitten. Zwischenzeitlich fielen Milliardenverluste an. Erstmals seit neun Jahren nahm Thyssen-Krupp nun im laufenden Geschäft wieder mehr Geld ein als der Konzern ausgab. Ein positiver Geldzufluss aus dem Tagesgeschäft war ein wichtiges Ziel von Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Allerdings hatten Analysten mit stärkeren Zahlen gerechnet.

Zu den Aussichten äußerte sich der Konzern zudem verhalten. „Sorge bereiten uns wachsende Unsicherheiten bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der hohe Importdruck auf den Werkstoffmärkten vor allem aus Asien“, schreibt Hiesinger im am Donnerstag vorgelegten Geschäftsbericht: „Insgesamt halten wir daher einen vorsichtigen Blick auf 2015/2016 für geboten.“ Er kündigte weitere Kostensenkungen an. Im neuen Geschäftsjahr peilt Thyssen-Krupp einen operativen Gewinn zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro an.

Mit den jetzt vorgelegten positiven Zahlen wollte sich der Konzern eigentlich aus dem Krisenmodus verabschiede.. Noch vor vier Jahren stand Thyssen-Krupp nach milliardenschweren Abschreibungen wegen des missglückten Amerika-Abenteuers hart am Rande der Insolvenz. Mit dem Verkauf von Firmenteilen, einem rigorosen Sparprogramm und einer neuen strategischen Ausrichtung ist es Konzernchef Heinrich Hiesinger jedoch gelungen, das Essener Traditionsunternehmen wieder zu stabilisieren.

Schon im vergangenen Jahr schrieb Thyssen-Krupp erstmals wieder einen – wenn auch bescheidenen – Gewinn von 210 Millionen Euro und beglückte nach Jahren der Dürre die Anteilseigner mit einer Dividende. Die beträgt für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr 15 Cent je Aktie – vier Cent mehr als zuletzt. Hier hatten von Reuters befragte Analysten mit 21 Cent gerechnet. „Die Dividende kann uns mittelfristig zwar nicht zufrieden stellen“, räumte Hiesinger ein. Es sei aber ein Schritt in die richtige Richtung.

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Hiesinger muss schnell handeln

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