Energie

Tiefrote Solarworld-Zahlen
Nächster Rückschlag für den Sonnenkönig

Umsatzeinbruch und tiefrote Zahlen bei Solarworld: Der angeschlagene Konzern ist bei seiner Sanierung nicht vorangekommen. Der Umsatz bricht ein, Frank Asbecks Unternehmen schreibt zudem einen Verlust.
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Bonn/DüsseldorfNeuer Nackenschlag für den taumelnden Solarworld-Konzern: Das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarbranche schrieb im ersten Quartal 2013 einen deutlichen Verlust. Auch die Umsätze brachen ein - vor allem im deutschen Heimatmarkt verbuchte Solarworld-Chef Frank Asbeck Rückgänge. Dies hatte sich schon abgezeichnet: Nach Zahlen der Bundesnetzagentur rutschte die Nachfrage nach den Produkten der vom Preisverfall gebeutelten Branche zu Jahresbeginn ab. Asbeck hat noch mehr Sorgen: Die für die Sanierung wichtige Einigung mit Anleihegläubigern steht noch aus.

Der Umsatz schrumpfte von Januar bis März auf 112 Millionen Euro, vor Jahresfrist waren es noch 170,5 Millionen Euro, wie Solarworld in Bonn mitteilte. Der operative Verlust (Ebit) belief sich auf 36,2 Millionen Euro nach einem Plus von 26,6 Millionen Euro. Unter dem Strich summierte sich das Minus auf 40 (Vorjahr: Minus 0,3) Millionen Euro. Die Absatzmenge der verkauften Anlagen ging auf 109 (147) Millionen Megawatt zurück.

Grund seien der ungewöhnlich lang anhaltende Winter - und der "anhaltende Restrukturierungsprozess" bei Solarworld, räumte das Unternehmen ein. Die Branche hatte in den ersten drei Monaten 2013 der Bundesnetzagentur zufolge Anlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 800 Megawatt (MW) auf hiesige Dächer und Felder geschraubt.

Vor Jahresfrist hatten anstehende Förderkürzungen noch einen Nachfrageboom ausgelöst. Damals wurden Solarstrom-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von etwa 2000 MW installiert. Zugleich kämpfen die Unternehmen mit einem Preisverfall, der viele Firmen in die roten Zahlen und häufig auch in die Pleite treibt. Unternehmen der Branche setzen deshalb auch auf Strafzölle gegen chinesische Billig-Importe, doch diese sind unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union umstritten.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hatte sich gegen Sanktionspläne der EU-Kommission ausgesprochen. EU-Handelskommissar Karel De Gucht sagte dagegen am Dienstag, er werde sich Forderungen Chinas nach einem Wegfall von Strafzöllen nicht beugen.

Solarworld kämpft aber auch an anderen Fronten. Denn die Sanierung des angeschlagenen Konzerns gerät zur Hängepartie. Bei ersten Treffen der Anleihegläubiger wurden die notwendigen Präsenz-Schwellen verfehlt, Asbeck muss sich auf einen langwierigen Versammlungsmarathon einstellen. Im August sollten dann die für die Sanierung des Konzerns notwendigen Beschlüsse gefällt werden, hatte Solarworld angekündigt.

Die Sanierungspläne sehen einen Verzicht auf den größten Teil der Ansprüche der Gläubiger vor. Solarworld plant einen Schuldenschnitt - die Gläubiger sollen mithin auf 60 Prozent ihrer Ansprüche verzichten und dafür Solarworld-Aktien bekommen. Solarworld hatte das Grundkapital eingebüßt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Davon ist auszugehen.Die rot-grüne Machtübernahme 98 war für ihn ein Segen.Er wurde zum Multimillionär.Nun ist das Spiel aus.Nur noch Rückzugsgefechte um den Schein zu waren.Ich hoffe er kriegt keinen Kredit mehr.Das wäre totes Kapital alà Holzmann.

  • "Leider sind diese privatbereichernden Machenschaften Bestandteil unserer sogenannten "Sozialen Marktwirtschaft"."

    Die Politik kann im konsequenzenlosen Raum agieren, zumindest konsequenzenlos fuer die Entscheider. Eigentlich eine voellig abartige Situation, welche Moeglichkeiten zulaesst, die sonst nicht tragbar waeren.

  • Tja, er tut so, als wäre es jedesmal eine neue Überraschung und daß er nicht rechtzeitig etwas merken würde. Der würde sogar als Klofrau Pleite gehen.
    Leider sind diese privatbereichernden Machenschaften Bestandteil unserer sogenannten "Sozialen Marktwirtschaft".
    Wieder ein Grund die etablierten Parteien NICHT zu wählen, da diese Ursache für die Verwerfungen sind. Alles ein und dasselbe Pack, Politiker, "Unternehmer" von Solarworld, Teldafax, Flexstrom u.v.m., wobei die Aufzählung hier den Platz sprengen würde. Tolles Land, denn wir haben trotzdem genug zu essen, wohnen, können Urlaub machen, Auto, Tel., usw. Sieht aus wie das Ei des Kolumbus oder das Perpetuum Mobile.

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