Energie

Trotz schwacher Bilanz
Südzucker peilt die halbe Milliarde an

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die deutsche Südzucker einen Einbruch im operativen Ergebnis. Für die mittelfristigen Aussichten ist man hingegen zuversichtlicher. Grund dafür sind wegfallende EU-Limitationen.
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MannheimDer weltgrößte Zuckerproduzent Südzucker hat wegen globaler Überkapazitäten magere Jahre vor sich. Erst am Ende des Jahrzehnts sei wieder ein operativer Gewinn von 550 Millionen Euro in Sicht, erklärte der Vorstand am Donnerstag in Mannheim. Nach dem Ergebniseinbruch um ein Drittel auf 658 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der mehrheitlich Landwirten gehörende Konzern vor Kurzem die Anleger erneut geschockt: Das Ebit soll in diesem Jahr auf gerade noch 200 Millionen Euro schrumpfen. Südzucker-Chef Wolfgang Heer stellte aber Besserung in Aussicht: Der zuletzt stark gesunkene Zuckerpreis werde wieder steigen, denn die Bevölkerung weltweit und damit der Bedarf nach Nahrungsmitteln wachse. „Weil wir in den besten Rübenanbaugebieten produzieren, haben wir aus unserer Sicht eine hervorragende Ausgangsposition“, betonte er.

Südzucker gehört zu 52 Prozent rund 40.000 Rübenbauern aus Süddeutschland, von denen etwa die Hälfte den Rohstoff Zuckerrüben anbaut. Der Streubesitz des im Nebenwerteindex MDax notierten Unternehmens liegt bei 38 Prozent. Der Konzern produziert vorwiegend Weißzucker, aber auch Fruchtzubereitungen, Fertigessen und über das Tochterunternehmen Cropenergies Bioethanol. Den Bauern muss Südzucker nach EU-Regeln einen Mindestpreis zahlen, was den Gewinn wegen der mit dem Preis gesunkenen Erlöse in diesem Jahr erst recht drückt. Aber diese Regel entfällt mit der ab 2017 geltenden Liberalisierung des in der Europäischen Union stark reglementierten Zuckermarktes. Dann gibt es auch keine Mengenbegrenzung und kein Exportlimit mehr.

In der Folge wird die Zuckerproduktion in Europa, zu der Südzucker 25 Prozent beisteuert, weiter zunehmen und der Preis sinken. Die Mannheimer bereiten sich darauf vor, indem sie die Kosten senken und die Produktion hochfahren wollen, um mehr zu exportieren. Die gesamte Prozesskette vom Rübenacker über die Fabrik bis zum Kunden komme auf den Prüfstand, kündigte Heer an. Gespart werden soll bei der Logistik, aber auch am Personal.

Das Sparziel sei intern vereinbart, sagte Heer. Eine Zahl nannte er jedoch nicht. Stellenabbau sei derzeit nicht geplant, aber auch nicht auszuschließen. Die Produktion soll unterdessen innerhalb und außerhalb Europas zunehmen. In Europa sollen die Bauern in den kommenden Jahren 20 Prozent mehr Rüben ernten. Im Ausland will Südzucker über Akquisitionen wachsen und hat dabei Brasilien im Auge. Ob es in diesem oder im nächsten Jahr zu einer Übernahme komme, sei offen, sagte Heer.

Die trüben Gewinnaussichten hatten die Südzucker-Aktie im vergangenen Monat an einem Tag allein um 23 Prozent einbrechen lassen. Mit einem Minus von mehr als fünf Prozent waren die Papiere erneut größter MDax-Verlierer. Die Münchner Anwaltskanzlei Rössner kündigte an, Schadenersatzklagen für Anleger prüfen zu wollen, da Südzucker aus ihrer Sicht früher präzisere Prognosen hätte abgeben müssen. In der Mannheimer Zentrale sei allerdings noch keine Klage eingegangen, sagte Heer. „Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir uns an die entsprechenden Regeln gehalten haben.“ Ärger gibt es allerdings weiter wegen der Kartellstrafe über 195 Millionen Euro im vergangenen Jahr, die den Gewinn zusätzlich verhagelt hatte. Südzucker sei im Gespräch mit einigen Kunden, die sich durch die geahndeten Preisabsprachen geschädigt sehen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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