Energie

Tumulte bei RWE-Versammlung
„Eure Zeit ist abgelaufen“

Umweltschützer haben die Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE gekapert. Bei der Rede von Vorstandschef Peter Terium stürmten Demonstranten die Bühne. Terium reagierte schlagfertig auf den Vorfall.

EssenPeter Terium hatte seine Rede feinsäuberlich vorbereitet. Doch schon nach neun Sätzen wurde der RWE-Chef abrupt unterbrochen. „Eure Zeit ist abgelaufen“, skandierten wütende Umweltschützer von Fossil Free und Greenpeace auf der Hauptversammlung des Energiekonzerns. Einigen Aktivisten gelang es sogar auf die Bühne in der Essener Grugahalle zu springen, um Transparente in die Fernsehkameras zu halten. Ihre Botschaft: „Schütz Natur und Umwelt, es gibt wichtigeres als Geld“. Eine Anspielung auf die vielen klimaschädlichen Kohlekraftwerke des Konzerns.

Mit Kritik und Protesten musste RWE-Boss Terium rechnen – schließlich streicht der Niederländer seinen Anteilseignern erstmals seit den 1950er Jahren die Dividende. Ein Affront, mit dem Terium insbesondere die klammen Kommunen an Rhein und Ruhr, die fast ein Viertel der RWE-Aktien halten, gegen sich aufbrachte. Doch obwohl Vertreter von Städten wie Dortmund, Essen oder Mülheim an Ruhr im Vorfeld teils öffentlich mit Konsequenzen für Terium drohten – auf der Hauptversammlung blieben sie kleinlaut. Protest und Tumult überließen sie den Umweltaktivisten – aus gutem Grund. „Ich habe überhaupt kein Problem mit solchen Kundgebungen. Ich habe ja auch Kinder im protestfähigen Alter“, konterte Terium nüchtern.

RWE kann sich einen Konflikt mit seinen Ankeraktionären nicht leisten. „Ich will den Teufel nicht an die Wand malen“, erklärte RWE-Chef Terium. „Aber wenn sich das niedrige Strompreisniveau nachhaltig etabliert, wird die konventionelle Stromerzeugung wirtschaftlich kollabieren.“ Für RWE heißt das: Es geht um die Existenz. Die großen Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke des Traditionskonzerns rechnen sich nicht mehr. Das alte Geschäftsmodell implodiert.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr rutschte RWE deshalb in die roten Zahlen. Unter dem Strich steht ein Verlust von 170 Millionen Euro. Allein auf unrentable Kraftwerke in Deutschland und Großbritannien musste der Konzern 2,1 Milliarden Euro abschreiben. Die RWE-Aktie hat sich 2015 halbiert. Zudem drücken die Essener noch immer Schulden in der Höhe von mehr als 25 Milliarden Euro. Und Besserung ist nicht in Sicht. Denn an der Leipziger Strombörse bekommen Energieversorger für eine Megawattstunde, die sie in den nächsten Jahren liefern, kaum mehr als 20 Euro. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch gut 60 Euro.

Als Reaktion auf die Umwälzungen im Energiemarkt spaltet sich RWE ähnlich wie der Konkurrent Eon auf. Die RWE AG wird nur noch für den Großhandel und die notleidende konventionelle Stromerzeugung zuständig sein. Das Zukunftsgeschäft (Sonne, Wind, Netze und Vertrieb) wurde in eine neue Gesellschaft (Projektname: NewCo) ausgelagert, die Anfang April an den Start ging. Ende des Jahres will RWE zehn Prozent der Anteile an der neuen Gesellschaft im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse bringen.

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