Energie

Übernahme durch Finnen
Unipers Kampf ist schon fast verloren

Der Energiekonzern Fortum macht ernst: Die Finnen haben ein Angebot für den Stromproduzenten Uniper abgegeben. Eon begrüßt es – das Kaufobjekt überhaupt nicht. Die Arbeitnehmervertreter befürchten eine Zerschlagung.
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DüsseldorfSelten hat ein Manager mit so deutlichen Worten auf seinen – aller Wahrscheinlichkeit nach - künftigen Großaktionär reagiert, wie Uniper-Chef Klaus Schäfer. „Dies ist ein feindlicher Vorstoß von Fortum“, sagte der Chef des Stromproduzenten noch am Montag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Schon im Juli habe er ein Übernahmeangebot der Finnen abgelehnt und jetzt versuche der finnische Energiekonzern sich erneut die Kontrolle zu sichern. Er bezeichnete Fortum als „Wolf im Schafspelz“.

Tatsächlich scheint Schäfer aber wohl auf verlorenem Posten zu kämpfen. Fortum hat am Dienstagabend schon ein öffentliches Gebot für die Aktien des deutschen Unternehmens angekündigt – und sich das größte Aktienpaket faktisch schon gesichert. Der Eon-Konzern, der im vergangenen Jahr sein altes Geschäft mit den Kraftwerken und dem Großhandel abgespalten hat, hat mit Fortum eine Vereinbarung geschlossen, sein verbliebenes Paket von 46,65 Prozent Anfang 2018 an die Finnen zu verkaufen.

Fortum bietet den Uniper-Aktionären 22 Euro je Aktie. Insgesamt würde das Unternehmen damit mit 8,05 Milliarden Euro bewertet – und Eons Anteil mit 3,76 Milliarden Euro. Das Gebot liegt zwar deutlich niedriger als der aktuelle Kurs von 23,33 Euro. Fortum betont aber, dass er um 36 Prozent über dem Kurs lag, ehe im Frühjahr erstmals über das Interesse der Finnen berichtet wurde. Tatsächlich war der Kurs in den vergangenen Monaten durch die Übernahmespekulationen kräftig getrieben worden.

Wie es in Kreisen der beiden Unternehmen heißt, strebt Fortum auch nicht zwingend die Mehrheit an, sondern will sich zunächst Eons Anteil sichern. Gleichwohl gilt es als wahrscheinlich, dass die Finnen sich zumindest die wenigen Prozentpunkte sichern werden, die für die Mehrheit nötig ist. Eine Mindestannahmequote gibt es nicht.

Zwar ist Eons Option eigentlich nicht bindend. Sollte Eon aber davon zurücktreten, würde es für den Konzern teuer. Eon müsste alle anderen Aktien übernehmen, die Fortum angedient wurden. Außerdem müsste der Konzern eine Ausgleichszahlung über 20 Prozent seiner Uniper-Beteiligung bezahlen – also rund 750 Millionen Euro.

„Wir begrüßen das Angebot von Fortum als Möglichkeit für Uniper-Aktionäre, zu einer Bewertung zu verkaufen, die Unipers Performance seit dem Spin-off widerspiegelt“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen und versuchte die Ängste bei Uniper zu dämpfen. „Wir sehen in Fortum einen verantwortungsbewussten und zuverlässigen strategischen Partner für Uniper mit ausgezeichneten komplementären Geschäftsbereichen und Fähigkeiten.“

Die Finnen bekräftigten, dass sie keine Übernahme von Uniper anstreben würden, sondern Partner und langfristiger Aktionär werden wollten. Sie betonten, dass die Arbeitnehmerrechte gewahrt würden und der Sitz des Unternehmens in Düsseldorf bleiben solle.

Schäfer hat daran seit dem Sommer, als es den ersten Vorstoß gab, erhebliche Zweifel. Die beiden Unternehmen passten strategisch nur in Schweden und Russland zusammen. „Bei einer Übernahme wäre eine vierstellige Zahl an Arbeitsplätzen gefährdet, insbesondere in Deutschland“, sagte er in dem Reuters-Interview.

Und auch Arbeitnehmervertreter hatten sich in den vergangenen Tagen schon besorgt geäußert. „Dieser unerwartete Vorschlag kam für die Vertreter der Arbeitnehmer aus heiterem Himmel“, hatte Konzernbetriebsratschef Harald Seegatz den Mitarbeitern in einem Rundbrief geschrieben. „Wir sind skeptisch und sehr besorgt über das wirkliche Ansinnen von Fortum und ob dies tatsächlich im Sinne der Beschäftigten ist.“

Verdi-Konzernbetreuer Immo Schlepper sagte am Dienstag, er befürchte, dass am Ende eines solchen Milliardendeals die Zerschlagung von Uniper stehe. Dadurch seien über 1000 Arbeitsplätze bedroht. Die Uniper-Mitarbeiter treibt vor allem die Frage um, was der finnische Konzern, der auf seine klimafreundliche Stromerzeugung stolz ist, mit den Kohle- und Gaskraftwerken von Uniper will, speziell in Deutschland.

Die Finnen wiederum betonen, die Geschäfte würden sich sehr gut ergänzen. „Ich bin überzeugt, dass mit unserem Investment beide Unternehmen gestärkt werden, um die Energiewende in Europa voran zu bringen und dass alle Beteiligten davon profitieren“, sagte Fortum-Chef Pekka Lundmark: „Uniper ist ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Wir wollen eng mit dem Uniper-Management zusammenarbeiten, um das Unternehmen weiter zu entwickeln.“

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