Energie

Umstrittener Vertrag mit Kleinstadt
Zahlt Transcanada Schweigegeld für Ölpipeline?

Wegen geplanter Pipeline-Projekte in Nordamerika kritisieren Umweltschützer den Ölkonzern Transcanada. Dieser verbindet eine Spende an eine kanadische Kleinstadt an der Pipeline-Route nun mit einer seltsamen Klausel.
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New York30.000 kanadische Dollar hat der Energiekonzern Transcanada dem kanadischen 2.100-Seelen-Städtchen Mattawa gespendet - und mit dem dazugehörigen Vertrag Staub aufgewirbelt. Dem Protokoll der Stadtratssitzung vom 23. Juni zufolge erklärte sich die Stadt dazu bereit, fünf Jahre lang "die Tätigkeiten oder Geschäftsprojekte von Transcanada nicht öffentlich zu kommentieren".

Diese Vereinbarung rückt die Firmenspende, die für einen Abschleppwagen bestimmt ist, ins Zwielicht. Transcanada will sich in diesem Jahr um die Zulassung für ein Pipelineprojekt zu bewerben, das Mattawa berührt: Energy East soll pro Tag 1,1 Milliarden Barrel Rohöl aus dem Westen Kanadas an die Atlantik- und Golfküste befördern und von dort aus zudem auf europäische und asiatische Märkte bringen. Dazu will das Unternehmen eine Gaspipeline umbauen, die in der Nähe von Mattawa verläuft, und weiter im Osten eine neue Leitung bauen.

"Das ist ein Maulkorberlass" ,sagt die Aktivistin Andrea Harden Donahue der Nachrichtenagentur Bloomberg über den Vertragspunkt zwischen Transcanada und der Stadt Mattawa. Harden-Donahue leitet Energie- und Klimakampagnen des gemeinnützigen Council of Canadians. "Solche schmutzigen Tricks verhindern eine öffentliche Debatte über Energy East, eine Pipeline, die erhebliche Risiken für die Gemeinden entlang ihrer Route mit sich bringt."

Wind bekommen von eben jener Vereinbarung hatten sowohl die Nachrichtenagentur als auch viele Twitterer, weil sie im Internet auftauchte. Doch nicht etwa als Leak: Mattawa veröffentlichte das Sitzungsprotokoll samt Vertragsanhang auf der städtischen Homepage.

Unterschiedliche Lesarten des Spendenvertrags

Auf Twitter dominierte eine Interpretation: Hier zahlt ein Unternehmen Schweigegeld. Manchen, wie etwa @canadiancynic, erschien dabei der Betrag im Verhältnis zur Gegenleistung gering.

Transcanada selbst bringt allerdings eine andere Perspektive ins Spiel: die des Kritik gewohnten Unternehmens. Es spielt den Ball zunächst an den Stadtrat zurück. Hätte Mattawa Bedenken geäußert, dieser Vertrag könne die Stadt dabei behindern, an einer "vollständigen und offenen Diskussion" über das geplante Projekt teilzuhaben, "hätten wir das entfernt", teilte Transcanada-Sprecher Davis Sheremata der Nachrichtenagentur Bloomberg auf Anfrage via E-Mail mit.

"Die Ausdrucksweise in der Vereinbarung war dazu gedacht, Städte von dem Gefühl zu befreien, sich in unserem Namen öffentlich über Projekte äußern zu müssen, die keinerlei Auswirkungen auf sie haben und über die sie nichts wissen oder mit denen sie keine Erfahrungen haben", so Sheremata. Er fügte hinzu, das Unternehmen erwäge, seine Vertragssprache zu erweitern um sicherzustellen, dass Gemeinden wüssten, sie und ihr Personal würden "das volle Recht behalten, sich an einem offenen und freien Dialog über unsere Projekte" zu beteiligen.

Proteste und politische Manöver begleiten seit Jahren so gut wie jeden Pipeline-Plan in Nordamerika. Am bekanntesten ist Keystone XL: Als "gut für die Wirtschaft und sicher für die Umwelt" preist Transcanada das Projekt auf seiner Website. Doch die Botschaft kommt selten an.

Immer wieder veröffentlicht das Unternehmen Stellungnahmen zu Presseartikeln, die Keystone XL ganz anders darstellen - zuletzt etwa ein Blogbeitrag des US-Magazins Esquire, der Keystone XL als "kontinentübergreifende Todesröhre" charakterisiert.

Annika Reinert
Petrina Engelke
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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