Energie

Uniper-Übernahme
„Wolf im Schafspelz steht wieder vor der Tür“

Uniper-Chef Klaus Schäfer fürchtet eine feindliche Übernahme durch den finnischen Konkurrenten Fortum. Dieser redet offiziell von einer Partnerschaft. Schäfer hat daran aber erhebliche Zweifel.
  • 0

Düsseldorf/FrankfurtUniper-Chef Klaus Schäfer geht im Abwehrkampf gegen eine Übernahme des Energiekonzerns durch den finnischen Konkurrenten Fortum auf Konfrontationskurs. „Dies ist ein feindlicher Vorstoß von Fortum“, sagte der Manager am Montag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Es habe bereits im Juli ein Übernahmeangebot der Finnen gegeben, das aber der Vorstand und Aufsichtsrat nach sorgfältiger Prüfung aus strategischen und finanziellen Gründen einstimmig abgelehnt hätten. Fortum verfolge bei seinem erneuten Vorstoß keine andere Strategie, sondern ebenfalls eine Übernahme. „Es scheint vielmehr so, als ob der Wolf im Schafspelz wieder vor unserer Tür steht.“

Die damalige Offerte habe für mindestens 75 Prozent der Uniper-Aktien einen Preis von 19 Euro je Papier vorgesehen, berichtete Schäfer. Die beiden Unternehmen passten jedoch strategisch nur in Schweden und Russland zusammen. „Bei einer Übernahme wäre eine vierstellige Zahl an Arbeitsplätzen gefährdet, insbesondere in Deutschland.“ Uniper beschäftigt rund 13.000 Mitarbeiter, darunter 5000 hierzulande. Schäfer äußerte sich erstmals in einem Interview, nachdem in der vergangenen Woche Eon und Fortum ihre Überlegungen für einen möglichen Deal im Volumen von 3,8 Milliarden Euro veröffentlicht hatten. Danach könnte Fortum von Eon den verbliebenen Uniper-Anteil von 47 Prozent für 22,00 Euro je Aktie erwerben. Fortum will nach eigenen Angaben Uniper nicht übernehmen. Der Konzern wolle in Uniper investieren und ein konstruktiver Partner sein, hatte Vorstandschef Pekka Lundmark gesagt.

Uniper-Chef Schäfer hat daran erhebliche Zweifel. Fortum habe im Juli zugesagt, die Übernahme von Uniper nur mit der Zustimmung der Düsseldorfer weiter zu verfolgen. „Das war nicht der Fall – gemeinsam mit Eon wurde eine Uniper-Übernahme im stillen Kämmerlein weiter vorangetrieben“, sagte Schäfer. In dieser Zeit wäre eine Diskussion eines neuen Vorschlags mit Uniper jederzeit möglich gewesen. „Will man eine Partnerschaft, spricht man mit dem Unternehmen – bei einer Übernahme mit den Aktionären.“ Der derzeitige Aktienkurs drücke im Übrigen klar die Haltung der Aktionäre aus. Das im vergangenen Jahr stark gestiegene Papier notierte am Montag bei rund 23 Euro und damit über der Offerte von Fortum.

„Fortum ist eher regional aufgestellt, wir eher international“, erklärte der Manager, der Uniper eigenständig nach vorne bringen will. „Fortum konzentriert sich ausschließlich auf Strom.“ Uniper habe die beiden sehr großen Schwerpunkte Strom und Gas. „Keiner meiner Aktionäre – außer Eon – wäre auf die Idee gekommen, dass wir mit Fortum eine strategische Partnerschaft eingehen sollen.“ Uniper habe Eon Hilfe bei einer breiteren Platzierung des 47-Prozent-Pakets angeboten – und keine Antwort erhalten.

Eon-Chef Johannes Teyssen hatte das Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken sowie den Energiehandel an Uniper ausgelagert und dann vor einem Jahr an die Börse gebracht. Schäfer, früher Finanzchef von Eon, wechselte dann an die Spitze von Uniper. Er wisse nicht, wie Fortum einen Deal langfristig finanzieren wolle. Es sei fraglich, ob Uniper für seine weitere Entwicklung genügend Finanzmittel zur Verfügung gestellt bekäme, sagte Schäfer. „Es ist eher wahrscheinlich, dass wir über unsere Dividende und Unternehmensabgaben zu unserer eigenen Akquisition beitragen müssten.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Uniper-Übernahme: „Wolf im Schafspelz steht wieder vor der Tür“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%