Energie

Unsicherer Markt
Investoren zögern beim Bau neuer Kraftwerke

Erneuerbare Energie als Konjunkturbremse: Wegen unsicherer Marktbedingungen werden wohl nicht so viele Kraftwerke gebaut wie geplant. Der Energie-Bundesverband befürchtet zukünftige Engpässe in der Kraftwerksleistung.
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HannoverGroße Energieversorger und Stadtwerke halten sich wegen der unsicheren Marktbedingungen nach Angaben der Stromwirtschaft mit dem Bau neuer Kraftwerke zurück. „Beim Kraftwerksbau droht eine neue Eiszeit”, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, am Montag auf der Hannover Messe. Insbesondere lägen Planungen für Anlagen nach 2015 auf Eis. Zwar seien derzeit insgesamt 76 Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 38.000 Megawatt geplant, umgesetzt würden davon aber bisher nur 24. „Die Investitionsbedingungen sind zurzeit schlichtweg zu unsicher.”

Hinzu komme die fehlende Wirtschaftlichkeit für Gas- und Kohlekraftwerke wegen der Verdrängung durch den in Deutschland vorrangig eingespeisten Strom aus Erneuerbarer Energie, sagte Müller. Auch gebe es vor Ort Widerstand gegen den Bau neuer Anlagen. Da in wenigen Jahren weitere Atomkraftwerke abgeschaltet würden und konventionelle Anlagen wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit stillgelegt werden könnten, drohten ab 2016 Engpässe. Von 2013 bis 2022 würden Anlagen mit einer Leistung von mindestens 16.000 Megawatt abgeschaltet. „Wir werden also in Deutschland mittelfristig nicht ausreichend gesicherte, neue Kraftwerksleistung hinzubekommen, um diese Abgänge zu ersetzen, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nicht ändern.”

Damit befeuert die Stromwirtschaft einmal mehr eine Debatte über eine Versorgungslücke. Seit Jahren streiten sich die Experten darüber, ob es diese Lücke überhaupt gibt. Die Anhänger des Ökostroms verweisen auf den zügigen Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen, die nach der Atomwende einen immer größeren Teil des Strombedarfs decken. Ihre Kritiker verweisen darauf, dass die Versorgung aber nicht gesichert sei, da die Anlagen bei fehlendem Sonnenschein und Windflaute keine Strom erzeugen. Jede Anlage müsse theoretisch durch eine konventionelle abgesichert werden.

Da die konventionellen Anlagen aber wegen des Vorrangs der Erneuerbaren Energie immer schlechter ausgelastet sind, verzichten Energieriesen wie E.ON und RWE in Deutschland inzwischen auf den Bau neuer Großkraftwerke. E-ON-Chef Johannes Teyssen erwägt sogar, in Europa Dutzende Kohle- und Gaskraftwerke stillzulegen.

Selbst das erst vor wenigen Jahren von E.ON in Betrieb genommene Gaskraftwerk Irsching 5 bei Ingolstadt könnte wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abschaltet werden, hatte er angekündigt. Das für 4000 bis 5000 Betriebsstunden im Jahr ausgelegt Kraftwerk laufe nicht mal die Hälfte der Zeit. E.ON gehören 50 Prozent der Anteile. Den Rest halten die Frankfurter Mainova, N-Ergie aus Nürnberg und die Darmstädter HSE. Die Gesellschafter wollen über ein mögliches Aus voraussichtlich Ende April erneut beraten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Unsicherer Markt: Investoren zögern beim Bau neuer Kraftwerke"

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  • @Dilling

    In dem Artikel ist vom Abbau konventioneller Gro0ßkraftwerke (Gas und Kohle) die Rede. Atomenergie ist hier nacht das Thema. Von daher hat Ihr Kommentar leider nichts mit dem hier behandelten Artikel zu tun.

    Übrigens: Haben Sie schon einmal defekte Solarmodule fachgerecht entsorgt?

  • Umweltschädlicher Ökostrom, so, so. Vermutlich zu ersetzen durch gesundheitsfördernden Atomstrom, ja nee ist klar.

  • Als Ergänzung..."Erneuerbare Energien" geniessen Einspeisevorrang und eine garantierte Vergütung des Stroms. Andererseits tragen sie keinerlei Verantwortung für die Stabilität des Netzes.

    Erdgaskraftwerke und mit Abstrichen auch Kohlekraftwerke erreichen durch die beliebige vorrangige Einspeisung umweltschädichen Oekostroms nicht die für eine Wirtschaftlichkeit erforderliche Anzahl an Vollaststunden.

    Hinzu kommt, dass der Bereitschaftsbetrieb Brennstoff verschlingt, dass der Teillastbetrieb und der Lastfolgebetrieb einen niedrigen Wirkungsgrad zur Folge hat.

    Fair wäre es beispielsweise wenn die Windmühlenbetreiber eine Einspeisung garantieren müssten, sprich im Falle einer Windflaute Strom einkaufen müssten. Allerdings würde dann der Wert des Oekostroms auf warscheinlich weniger als 1c/kWh sinken.

    Vandale

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