Energie

Vattenfall streicht Stellen

1000 Jobs fallen beim Energieversorger weg

Vattenfall will rund 1000 Stellen streichen. Der Energiekonzern stellt sich neu auf und will sich auch vom deutschen Braunkohlegeschäft trennen. Zwei Atomreaktoren nehmen die Schweden deutlich früher vom Netz als geplant.
Update: 28.04.2015 - 13:01 Uhr Kommentieren
1000 Jobs sollen beim Energieversorger Vattenfall wegfallen. Quelle: dpa
Vattenfall

1000 Jobs sollen beim Energieversorger Vattenfall wegfallen.

(Foto: dpa)

StockholmDer schwedische Energiekonzern Vattenfall streicht 1000 Arbeitsplätze und nimmt zwei Atomreaktoren deutlich früher vom Netz als geplant. Das Unternehmen müsse weiterhin Kosten senken, erklärte Vattenfall-Chef Magnus Hall zur Begründung am Dienstag in Stockholm. Die Reaktoren Ringhals 1 und 2 an der Westküste Schwedens würden wegen mangelnder Rentabilität und zu hoher Kosten früher abgeschaltet, teilte der Konzern mit.

Rund die Hälfte der Jobs soll den Angaben zufolge in höheren Positionen wegfallen. Auf welche Länder sich der Stellenabbau verteile, sei derzeit noch nicht absehbar, teilte ein Vattenfall-Sprecher auf AFP-Anfrage mit. Der Konzern hat insgesamt rund 30.000 Mitarbeiter. Die Hälfte davon arbeitet in Deutschland.

„Ringhals 1 und 2 werden zwischen 2018 und 2020 geschlossen statt wie zunächst geplant 2025“, teilte der Konzern mit. In Schweden stehen drei Atomkraftwerke, deren zehn Reaktoren in den 70er und 80er Jahren in Betrieb gegangen waren. Fünf der Reaktoren werden von Vattenfall betrieben. Die Atomkraftwerke lieferten 2013 insgesamt 39 Prozent des in Schweden verbrauchten Stroms.

Das Akw Ringhals liegt rund 50 Kilometer südlich von Göteborg, Reaktor 3 und 4 sollen noch bis 2040 am Netz bleiben. Vattenfall hält 70,4 Prozent an dem Atomkraftwerk, der deutsche Energiekonzern Eon die übrigen 29,6 Prozent. Der Aufsichtsrat muss der Entscheidung noch zustimmen.

Die schwedische Regierung aus Sozialdemokraten und Grünen hatte im Oktober beschlossen, die Weiterentwicklung der Atomenergie einzufrieren. Die konservative Vorgängerregierung wollte hingegen neue Reaktoren bauen.

Vattenfall verbuchte im ersten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Gewinn: Umgerechnet ging der Nettogewinn um 42 Prozent auf 499 Millionen Euro zurück. Der Umsatz blieb nach Unternehmensangaben etwa auf dem Niveau des Vorjahres bei rund 4,8 Milliarden Euro.

„Während des ersten Quartals des Jahres war die Nachfrage nach Strom weiterhin schwach und die Stromgroßhandelspreise fielen weiter. Unser Schutz in Form von Terminkontrakten, die mit höheren Preisen abgeschlossen worden waren, verringert sich sukzessive, was bedeutet, dass sich die derzeitigen niedrigen Marktpreise immer stärker auf das Ergebnis von Vattenfall auswirken“, erklärte Unternehmenschef Hall.

Folgt der Braunkohle- auf den Atomausstieg?
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Welche Anteil hat Braunkohle im deutschen Energie-Mix? Ein Viertel des deutschen Stroms stammt weiter aus Braunkohlekraftwerken - trotz der Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien und aller Klagen von Umweltschützern über die „C02-Schleudern“. Doch seit einigen Monaten rückt die Politik ab von dem schon lange umstrittenen aber verführerisch billigen Energielieferanten.

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Nach dem Atom- der Braunkohleausstieg? Im Frühjahr beschloss die NRW-Landesregierung überraschend die Verkleinerung des größten deutschen Braunkohlereviers Garzweiler II am Niederrhein. In der vergangenen Woche kündigte der schwedische Energiekonzern Vattenfall an, einen Verkauf seines Braunkohlereviers in der Lausitz zu prüfen.

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Was spricht für die Technik? Braunkohle als Energielieferant ist deutlich preiswerter als Steinkohle und Gas. Steinkohle wird in Deutschland aus über 1000 Meter Tiefe gewonnen, Gas muss meist über weite Strecken per Pipeline hergeführt werden. Die Braunkohleressourcen liegen zu 100 Prozent im eigenen Land und reichen noch für viele Jahre - ein wichtiger Punkt angesichts der Ängste um die Gasversorgung wegen des Ukrainekonflikts und der Kämpfe und Unruhen in Erdöl erzeugenden Staaten.

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Warum rückt die Politik von Braunkohle ab? Deutschland bekommt zunehmend Probleme mit seinen Klimaschutzzielen. Zwei Jahre hintereinander ist der CO2-Ausstoß gestiegen statt gefallen. Die geplante Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2020 wird nach jetzigem Stand deutlich verfehlt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD, Foto) hat zum Entsetzen der Energiebranche jetzt sogar eine Schließung älterer Kohlekraftwerkskapazitäten ins Gespräch gebracht.

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Was bedeutet das für die Versorger? Der Börsenstrompreis, die unter anderem im Handelsraum der European Energy Exchange (EEX) beobachtet werden, ist unter anderem wegen der zusätzlichen Wind- und Sonnenstrommengen seit Jahren rapide gefallen und liegt nur noch bei etwa 4 Cent pro Kilowattstunde. Das liegt unter den Produktionskosten vieler Gaskraftwerke. Braunkohlekraftwerke, deren Produktionskosten auf rund 3 Cent pro Kilowattstunde geschätzt werden, sind damit - neben der auslaufenden Atomkraft - die letzten verlässlichen Gewinnbringer der Versorger in der Stromerzeugung.

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Ist Klimaschutz nicht wichtiger als alle Berechnungen? Ja, sagen die Umweltschützer – und demonstrieren dafür, wie im Bild die Greenpeace-Aktivisten, die sich an ein Bahngleis von Vattenfall in Welzow (Brandenburg) angekettet haben. Dass RWE noch in jüngster Vergangenheit Milliarden für zwei 2012 eröffnete Braunkohlekraftwerksblöcke in Grevenbroich am Niederrhein investiert hat und am Projekt eines weiteren Blocks festhält, halten sie für völlig verfehlt. Die Kohlebranche verweist dagegen schlicht auf den Anteil von rund 45 Prozent von Stein- und Braunkohle an der Stromerzeugung. So viel Kapazität sei nicht in kurzer Zeit zu ersetzen, wenn gleichzeitig die Atomkraft mit aktuell immer noch gut 15 Prozent abgeschaltet wird.

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