Energie

Verfahren eingestellt
Thyssen-Krupp entgeht neuer Kartellstrafe

Der Vorwurf war hart: Stahlkonzerne sollten die Preise abgesprochen haben, es drohten Milliardenstrafen. Deshalb durchsuchte das Bundeskartellamt unter anderem Büros bei Thyssen-Krupp. Nun kann der Stahlriese aufatmen.
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DüsseldorfDas Bundeskartellamt hat die drei Stahlriesen ThyssenKrupp, Arcelor Mittal und Voestalpine vom Haken gelassen. Der Verdacht illegaler Preisabsprachen bei Stahllieferungen an die Automobilindustrie habe sich nicht bestätigt, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Damit entgehen die Konzerne einer möglichen Milliardenstrafe.

Ermittler des Kartellamts hatten im Februar 2013 die Geschäftsräume von ThyssenKrupp Steel in Duisburg sowie Büros des Weltmarktführers ArcelorMittal und des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine durchsucht. Der Verdacht verbotener Absprachen "konnte durch die sichergestellten Beweismittel nicht bestätigt werden", räumte das Kartellamt nun ein.

ThyssenKrupp war wiederholt ins Visier der Kartellbehörden in Bonn und Brüssel geraten und zu hohen Bußgeldzahlungen verdonnert worden. Die Folgen einer weiteren Kartellstrafe wären für den etliche Jahre krisengeschüttelten Konzern nicht absehbar gewesen, zumal die Automobilindustrie mit Herstellern wie Volkswagen, Daimler oder BMW zu den wichtigsten Kunden gehört – und möglicherweise Schadenersatz geltend gemacht hätte. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte Kartellabsprachen den Kampf angesagt. "Sollten die veranlassten Untersuchungen ergeben, dass sich die Vorwürfe erhärten, werden wir hart durchgreifen", hatte er erklärt.

Die Vorwürfe hingen über dem Ruhrkonzern wie ein Damoklesschwert. Wegen verbotener Absprachen von Schienenherstellern hatte Thyssen bereits 2012 ein Bußgeld von rund 100 Millionen Euro zahlen müssen und Schadenersatz an die Deutsche Bahn überweisen müssen.

In Bahnkreisen war von rund 150 Millionen Euro die Rede. Darüber hinaus pochen noch weitere Bahnbetriebe, etwa Nahverkehrsunternehmen, auf Schadenersatz. Vor einigen Jahren hatte das Thyssen zudem wegen Kartellabsprachen seiner Aufzugstochter ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe zahlen müssen.

ThyssenKrupp wollte sich am Donnerstag nicht zu der Entscheidung des Kartellamts äußern. Von Voestalpine und Arcelor Mittal waren zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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