Energie

Verkauf des US-Werks
Hoffnungsfunken für Thyssen-Krupp

Der marode Stahlkonzern schlägt eines der Milliardengräber in Übersee los. Die Börse reagiert skeptisch. Denn der Verkauf des US-Werks ist noch nicht besiegelt – und Thyssen-Krupp bleibt auf dem größeren Problem sitzen.
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Essen/DüsseldorfEigentlich wollte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger schon im Sommer eine Lösung für die defizitären Stahlwerke in Übersee präsentiert haben. Nun naht der Winter und immerhin für einen der beiden Verlustbringer des Konzerns rückt endlich eine Lösung in greifbare Nähe. Thyssen-Krupp befinde sich in exklusiven Verhandlungen für einen Verkauf des Stahlwerkes im US-Bundesstaat Alabama, teilte der Konzern am späten Dienstagabend in einer Pflichtmitteilung mit. Die Gespräche beinhalteten auch mögliche langfristige Lieferungen von Stahl aus dem anderen Überseewerk in Brasilien.

Diese Formulierung legt nahe, dass Thyssen-Krupp die Anlage Nahe Rio de Janeiro behält. Der Konzern versucht seit eineinhalb Jahren, die Verlustbringer in Brasilien und den USA loszuschlagen. Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr will der Industriekonzern nun erst am 2. Dezember statt wie ursprünglich geplant am Donnerstag vorlegen.

Die Halblösung enttäuscht die Anleger. Thyssen-Krupp-Aktien rutschten nach einem positiven Auftakt am Vormittag im Frankfurter Handel rund drei Prozent ins Minus. Zum Mittag erholten sich die Titel etwas und notierten mit 18,89 Euro rund zwei Prozent im Minus.

Ein Konsortium um den Marktführer Arcelor-Mittal will das US-Stahlwerk übernehmen. Ein Vertrag über die Veräußerung könnte bald unterzeichnet werden, erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen. Zum Interessenten machte Thyssen-Krupp selbst aber keine Angaben.

Sollten der Ruhrkonzern und das Konsortium handelseinig werden, dann wäre dies eine erhebliche Entlastung für das Unternehmen. Schulden von über fünf Milliarden Euro drücken die Bilanz der Essener. Die arbeiten Insidern zufolge auch an einer Kapitalerhöhung.

Die Sparte Steel Americas erwirtschaftet monatlich bis zu 100 Millionen Euro Verlust. Der Bau der Übersee-Stahlwerke erwies sich als milliardenschwere Fehlinvestition. Konstruktion und Inbetriebnahme waren von Pannen geprägt und verzögerten sich immer wieder.

So summierten sich die Kosten für die Werke bisher auf zwölf Milliarden Euro – das ist mehr als das fünffache des Betrags, der im ursprünglichen Investitionsplan stand. Derzeit haben die Essener nach diversen Abschreibungen beide Werke noch mit 3,3 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

Kommentare zu " Verkauf des US-Werks: Hoffnungsfunken für Thyssen-Krupp"

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  • Ich frage mich nur, weshalb andere Unternehmen mit dem Werk Geld verdienen können nur TK scheinbar nicht.
    Wenn TK das Werk nun deutlich unter Kosten an die Konkurrenz verkauft, hat das meiner Meinung nach mehrere Nachteile für TK:
    1. die Konkurrenz bekommt ein vermutlich recht modernes Werk unter den Herstellungskosten und kann deshalb Stahl günstiger verkaufen als TK ohne Verluste zu machen.
    2. wenn Know-how von TK in dem Werk steckt, wird sich die Konkurrenz freuen eine Einführung dazu zu erhalten. Schließlich muss sie ja wissen für welches Herstellungsverfahren das Werk konzipiert ist.
    Wäre es da für TK nicht besser so zu kalkulieren als wäre das Werk für einen fiktiven Kaufpreis X erstellt worden, der auch TK eine Produktion zu günstigen Preisen ermöglicht, statt die Konkurrenz zu füttern?
    Wenn TK keine Chancen sieht, bei der Konkurrenz mitzuhalten, scheint in dem Laden etwas ganz im Argen zu liegen. Lange Zeit gehörte TK doch zur Weltspitze -- das scheint aber vorbei zu sein.

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