Energie

Verlust bei Arcelor-Mittal
Flaute reißt Europas Stahlbranche in die Krise

Thyssen-Krupp versenkt Milliarden mit seinen Übersee-Abenteuern. Doch der Konzern ist nicht alleine: Die europäische Krise zieht auch Marktführer Arcelor-Mittal in die Verlustzone. Der Ausblick bleibt düster.
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DüsseldorfDer deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp setzte Milliarden in den brasilianischen Sumpf. Doch der deutsche Traditionskonzern ist nicht der einzige europäische Stahlhersteller, der mit Problemen ringt. Weltmarktführer Arcelor-Mittal meldet im Schlussquartal 2012 knapp vier Milliarden Dollar Verlust. Das sind fast drei Milliarden Dollar mehr Minus als im Vorjahresquartal, teilte der Luxemburger Konzern mit.

Das ist das schlechteste Quartalsergebnis seit drei Jahren. Analysten hatten im Schnitt sogar mit 4,36 Milliarden Dollar Verlust gerechnet. Über das gesamte vergangene Jahr türmt der Stahlkocher einen Verlust von rund 3,7 Milliarden Dollar auf. Der Umsatz geht um fast zehn Prozent auf rund 84 Milliarden Dollar zurück.

„2012 war ein sehr schwieriges Jahr für die Stahlindustrie“, sagte Konzernchef Lakshmi Mittal. Vor allem in Europa sei die Nachfrage nach Stahl um weitere 8,8 Prozent gesunken. Für das laufende Jahr zeigt sich der Stahlriese zuversichtlicher, auch wenn die Marktbedingungen weiter hart blieben. Das Ebitda werde 2013 aber voraussichtlich über dem Wert des Vorjahres liegen.

Doch der Optimismus könnte übertrieben sein. So rechnet die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) in einer aktuellen Studie für 2013 bei den sechs größten europäischen Stahlkonzernen mit einer schwachen Geschäftsentwicklung. „Die Stahlnachfrage in Europa wird dieses Jahr um zwei bis drei Prozent sinken“, sagt Andrey Nikolaev, Ratinganalyst bei S&P.

Die Branche hänge sehr an der Wirtschaftsentwicklung. Die Volkswirte des Hauses erwarten, dass die europäische Konjunktur dieses Jahr auf der Stelle tritt. Zu den wichtigsten Stahlherstellern in Europa zählen neben Thyssen-Krupp und Arcelor-Mittal die russische Evraz-Gruppe oder OAO Severstal sowie die schwedische SSAB. Viele der Unternehmen hätten bereits „schwierige Jahre“ hinter sich, meint Analyst Nikolaev.

Die Finanzkennzahlen vieler Konzerne seien nun unter dem angemessenen Niveau für die aktuellen Bonitätsnoten, so Nikolaev. Mit anderen Worten: in der Branche droht eine umfassende Abstufung der Ratings. Das Urteil von Ratingagenturen entscheidet mit darüber, zu welchen Konditionen sich Unternehmen oder Staaten Geld leihen können.

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Umfassende Abstufung der Ratings droht

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