Energie

Verluste in Übersee
Thyssen-Krupp will Werke notfalls behalten

Thyssen-Krupp hat bislang keinen Käufer für seine verlustreichen Stahlwerke in Übersee gefunden, die Verhandlungen laufen schleppend. Der Konzern will sich jedoch nicht unter Druck setzen lassen – und hat einen Plan B.
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DüsseldorfThyssen-Krupp will trotz der schleppenden Verhandlungen seine Pläne zum Verkauf der verlustreichen Stahlwerke in Übersee nicht zu den Akten legen. „Wir befinden uns unverändert in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem führenden Bieter über den Verkauf der beiden Werke von Steel Americas und streben weiterhin ein zeitnahes Signing an“, sagte ein Konzernsprecher am Samstag.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte allerdings deutlich gemacht, dass sich der Konzern nicht weiter unter Druck setzen lassen will und die Anlagen notfalls behält. Das „Wall Street Journal Deutschland“ berichtete unter Berufung auf mit den Überlegungen vertraute Personen von einer weiteren Variante. Sollte nur der Verkauf des Werks in den USA gelingen, solle der in Brasilien produzierte Stahl mit einem Partner in Südamerika weiterverarbeitet werden.

Thyssen-Krupp versucht seit anderthalb Jahren, die Werke abzustoßen. Die Kosten für die Anlagen waren auf über zwölf Milliarden Euro explodiert. Bei den Verkaufsverhandlungen mussten Hiesinger und Finanzchef Guido Kerkhoff immer wieder Rückschläge hinnehmen. Anfang des Jahres hatte Hiesinger einen Abschluss im Mai in Aussicht gestellt. Später musste er einräumen, dass dies nicht einmal in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 möglich sei. Als Favorit galt lange Zeit der brasilianische Stahlkonzern CSN. Dieser ließ Thyssen-Krupp aber immer wieder zappeln und wollte den Preis drücken, wie Reuters von mehreren mit den Verhandlungen vertrauten Personen erfahren hatte. Möglich sei auch ein Verkauf nur des Werkes in den USA.

Hiesinger will Druck auf Gegenseite erhöhen

Das „Wall Street Journal Deutschland“ berichtete, sollte sich keines der Werke veräußern lassen, könnte der Konzern einen Anteil am Stahlgeschäft zum Verkauf stellen. Seit Monaten schießen die Spekulationen ins Kraut. Klar ist, dass Thyssen-Krupp sich bei dem Verkauf nicht allein auf CSN verlassen will. Der Essener Konzern sei mit weiteren Interessenten im Gespräch, erklärt das Unternehmen, ohne allerdings CSN überhaupt beim Namen zu nennen.

Thyssen-Krupp könnte die Anlagen auch fortführen, bis die Situation für einen Verkauf besser sei. „Plan B ist, die Werke zu behalten“, hatte ein Insider Reuters bereits Anfang September gesagt. „Man kann nicht ewig verhandeln, wenn die andere Seite nur den Preis drücken will.“ Die Produktion könne zurückgefahren werden, um Kosten zu sparen. Würde ThyssenKrupp nur das Weiterverarbeitungswerk im US-Bundesstaat Alabama abstoßen, müsste der Konzern wohl für das Rohstahlwerk in Brasilien neue Abnehmer finden. Der Stahlkocher versuche, den Absatz in Brasilien zu steigern, hatte ein Insider gesagt.

Im Bericht zum dritten Quartal spricht Thyssen-Krupp selbst davon, neue Kunden für das Werk in Brasilien gefunden zu haben. Auch technisch sei die Anlage inzwischen verbessert worden. Die operativen Verbesserungen wurden auch an dem Betriebsergebnis deutlich. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im dritten Quartal zwar noch bei 162 Millionen Euro - ein Jahr zuvor waren es allerdings noch 263 Millionen gewesen.

Auch deswegen kann sich Hiesinger etwas entspannter geben. Zugleich will er aber wohl den Druck auf die andere Verhandlungsseite erhöhen. „Wir werden unsere Stahlwerke nur dann verkaufen, wenn die Verkaufsbedingungen eine tragfähigere Lösung ermöglichen als ein Fortführen von Steel Americas im Konzern“, hatte er vor wenigen Tagen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ gesagt. Der Konzern sei nicht erpressbar. „Wenn die Bedingungen zu schlecht sind, werden wir es auch vertragen, dass wir nicht verkaufen. Das streben wir nicht an, aber wir haben auch keine Angst davor.“

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