Energie

Wettbewerb
Aral zittert nicht vor Markttransparenzstelle

Droht Aral ein Absatzeinbruch, wenn künftig die Preise der billigeren Konkurrenz per Handy-App ins fahrende Auto kommen? Aral-Chef Brok sagt „Nein“. Man werde schneller auf Preisnachlässe der Konkurrenz reagieren.
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Düsseldorf/BochumDeutschlands größte Tankstellenkette Aral befürchtet keinen Einbruch des Geschäfts, wenn in der zweiten Jahreshälfte die geplante Markttransparenzstelle die Arbeit aufnimmt. „Ich habe keine Angst für uns als Aral, weil wir ganz flexibel reagieren würden“, sagte Aral-Chef Stefan Brok am Dienstagabend in einem Pressegespräch in Düsseldorf. Wenn Kunden nach dem Preisvergleich über Smartphone oder Navigationssystem vermehrt Billigtankstellen ansteuern sollten, werde auch Aral an seinen Stationen im Umfeld schneller mit Preisnachlässen reagieren.

Ob sich dadurch insgesamt das Preisniveau nach oben oder nach unten entwickele, sei aber nicht vorauszusagen, so Brok. Schon jetzt würden die Verbraucher die Preise scharf vergleichen. Unter dem Druck des Wettbewerbs schwankten die Auszeichnungen an den Tankstellen mehrfach täglich und im Schnitt um mehr als vier Cent. Erstmals habe es 2012 täglich an jeder Tankstelle mehrere Preissenkungen und eine Erhöhung gegeben, um die Kosten decken zu können, sagte Brok. In anderen Ländern wie Österreich oder Australien hätten Regulierungsversuche insgesamt eher zu Preisanstiegen geführt.

Aral, die Tankstellenmarke der BP mit Sitz in Bochum, sieht sich mit 22,5 Prozent Marktanteil weiter als Nummer Eins knapp vor Shell (21,5 Prozent) und den Freien Tankstellen (13 Prozent). Effizientere Motoren und der Verzicht auf das Auto hatten den Kraftstoffabsatz 2012 marktweit auf rund 34 Millionen Tonnen gedrückt (minus drei Prozent). Die knapp 2500 Aral-Stationen verkauften davon rund 7,6 Millionen Tonnen und verzeichneten laut Brok einen Rückgang analog zum Markt. Die Marge betrage gut ein Cent pro verkauftem Liter. Daraus errechne sich ein Gewinn nach Steuern von rund 100 Millionen Euro. Genaue Zahlen würden nicht genannt, da Aral als Teil des BP-Konzerns nicht getrennt bilanziere.

Beim Biokraftstoff E 10 sehe er rund zwei Jahre nach der Einführung keine weiteren Fortschritte. Der E 10-Anteil an den Aral-Stationen stagniere bei einem Fünftel der Ottokraftstoffe, sagte Brok. Dabei sei der Biosprit vier Cent pro Liter billiger. Auch das zeige, dass Verbraucher sich eben nicht nur nach dem Preis entschieden.

Die geplante Markttransparenzstelle beim Bundeskartellamt soll voraussichtlich ab dem Spätsommer oder Herbst Preisveränderungen an allen deutschen Tankstellen innerhalb von fünf Minuten erfassen und praktisch in Echtzeit an Verbraucherportale weitergeben. Über Handy-Apps oder Navigationssysteme sollen sie dem Verbraucher einen besseren Preisvergleich ermöglichen. Die spannende Frage werde aber sein: „Wie weit fahren Sie für zwei oder drei Cent, wie viel Zeit nehmen Sie für zwei oder drei Cent in Anspruch, wenn Sie 40 Liter tanken“, sagte Brok. Aral setze auch auf die Anziehungskraft einer gepflegten, hell beleuchteten Station mit gut ausgestatteten Tankstellenshops.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wettbewerb : Aral zittert nicht vor Markttransparenzstelle"

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  • Warum wurde in dem Artikel nicht erwähnt, dass man über die ARAL-App auf dem iPhone schon seit mindestens 1 1/2 Jahren in Echtzeit die Preise aller Tankstellen in Deutschland in Echtzeit bekommt?
    Und warum schafft man eine teure Markttransparenzstelle, wenn es das Gewünschte, zumindest von ARAL, schon lange gibt? Man hätte doch nur die anderen Anbieter dazu verpflichten müssen, es genau so zu machen.

  • Diese "Markttransparenzstelle" hätte nicht besser von der Mineralölindustrie erfunden werden können! Musste man bisher zu den Nachbartankstellen fahren, um deren aktuelle Preise zum Vergleich in Augenschein zu nehmen (vielleicht hat ja auch ein Anruf genügt?), kann man jetzt in den Konzernzentralen die Konkurrenzpreise online verfolgen!!! Nun werden die Konzerne erst recht im Gleichschritt marschieren. Und der blöde Steuerzahler muß obendrein diese Art der "Markttransparenz" bezahlen. Was haben wir doch für clevere Politiker. Ein Schelm, wer dahinter Verbindungen zwischen Politikern und Lobbyisten vermutet.

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